Elektroautos im Faktencheck: Diese sieben Mythen sind widerlegt
Wie die Wissenschaft Vorurteile gegen Elektroautos entkräftet

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
- Vorurteil: Elektroautos sind viel teurer als Verbrenner
- Vorurteil: Die Feuergefahr bei E-Autos ist viel größer
- Vorurteil: E-Autos haben eine zu geringe Reichweite
- Vorurteil: E-Autos klimaschädlicher als Verbrenner
- Vorurteil: Die Akku-Produktion ist ein Umweltproblem
- Vorurteil: E-Autos haben mehr Pannen als Verbrenner
- Vorurteil: Es gibt zu wenig Ladesäulen für Elektroautos
Neues setzt sich oft nur mühsam gegen Ängste und Vorurteile durch – das trifft auch auf Elektroautos zu. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat mehr als 70 wissenschaftliche Untersuchungen zu Mythen über E-Autos ausgewertet.
Dabei geht es um weit verbreitete Vorstellungen zur Umweltbilanz, zum Preis von Elektroautos und zur Brandgefahr. Mit dem Ergebnis, dass viele Argumente gegen die Batteriefahrzeuge in sich zusammenfallen.
Das wohl häufigste Argument zielt auf die Wirtschaftlichkeit von Elektroautos ab: Sie seien viel teurer als Autos mit Verbrennungsmotoren. Die Antwort fällt differenziert aus: Ja, beim Neuwagenpreis sind E-Autos meist teurer (eine Ausnahme ist z. B. der Skoda Elroq). Aber seit Jahren sinkt der Preisabstand zwischen E-Auto und Verbrenner. Ein Grund: Akkus werden immer günstiger.
Doch insgesamt stimmt das Kosten-Argument ohnehin nicht, so das Fraunhofer-Institut: "Aufgrund geringerer laufender Betriebskosten schneiden Elektroautos teilweise schon heute bei den Gesamtkosten besser ab als vergleichbare Verbrenner", so die Wissenschaftler. Mit dem gesteuerten Laden, das bereits heute möglich ist, werden die Kosten durch günstigen Strom laut ISI noch weiter fallen. Der nächste Schritt wird bidirektionales Laden sein, für das viele E-Autos schon heute befähigt sind.

Die Feuerwehr hat zum Löschen von Akkubränden spezielle Techniken entwickelt. Doch brennen Elektroautos keineswegs häufiger als Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor. Manchen Studien zufolge sogar erheblich seltener.
Bild: Rosenbauer
Bilder von brennenden Elektroautos haben sich ins Gedächtnis eingebrannt. Tatsache ist: Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu mehr als 10.000 Fahrzeugbränden, die meisten davon sind Benziner. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht aktuell davon aus, dass die Brandgefahr bei Elektroautos nicht höher ist als bei Verbrennern. Einige internationale Studien gehen sogar von einem weit geringeren Feuerrisiko im E-Auto aus.
Aber: Sobald der Traktionsakku eines Elektroautos Feuer gefangen hat, ist dieser Brand sehr viel aufwendiger zu löschen als der Brand eines Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. Einen bedeutenden Sicherheitsvorsprung dürfte bald der Feststoffakku bieten, der als sehr schwierig zu entzünden gilt. Voraussichtlich ab 2030 wird die Festkörper-Batterie in den ersten Serien-Elektroautos erhältlich sein.

Elektroautos haben eine geringe Reichweite? Von wegen. Neue E-Autos kommen laut Fraunhofer-Institut ISI auf "mindestens 400 km".
Bild: DPA
Das Klischee von der lahmen Elektroschnecke, die ständig an die Ladesäule muss, hält sich hartnäckig. Doch tatsächlich wächst die Reichweite von Elektroautos seit Jahren kontinuierlich – zeigen auch regelmäßige Reichweiten-Tests von AUTO BILD. Laut Fraunhofer-Institut ISI bieten neue Elektroautos eine Akku-Reichweite von "mindestens 400 km". Das bedeutet bei Autobahnfahrt, dass man weit über zwei Stunden ohne Pause fahren kann.
Da auch die Zeit an der Ladesäule dank größerer Ladeleistung und 800-Volt-Bordnetz immer kürzer wird, dauert der Ladestopp bei modernen Elektroautos heute meist 30 bis 45 Minuten. Zeit zum Entspannen nach kräftezehrender Langstreckenfahrt – der ADAC empfiehlt spätestens nach zwei Stunden am Steuer eine Ruhepause.
Die vermeintlich schlechtere Umweltbilanz von Elektroautos sorgt immer wieder für Streit am Stammtisch. Tatsächlich bringt es die Akku-Produktion anfangs einen höheren CO₂-Ausstoß als vergleichbare Verbrenner, es ist der sogenannte CO₂-Rucksack.
Doch während der Nutzung ist die Bilanz so günstig, dass E-Autos ihre negative Hypothek überkompensieren. "Ein Mittelklasse-Pkw mit Elektroantrieb spart bei durchschnittlicher Fahrleistung 40 bis 50 Prozent an CO₂-Emissionen ein", so das ISI. Auch gesteuertes und bidirektionales Laden wird dafür sorgen, dass die Umweltbilanz von E-Autos immer besser wird.

Die Produktion von Akkus ist aufwendig und verbraucht viele wertvolle Ressourcen. Doch während der Nutzung wird das mehr als kompensiert.
Bild: Julian Stratenschulte
Die Nutzung "kritischer Rohstoffe" für die Akku-Produktion sei noch eine Herausforderung, räumen die Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut ein. Viele Bestandteile des Akkus, etwa Lithium, Kobalt, Neodym oder andere Seltene Erden sind nicht ohne Weiteres verfügbar, der Abbau verursacht Umweltbelastungen. Allerdings ist zu erwarten, dass der Bedarf zukünftig sinkt, weil Akkus am Ende ihres Lebenszyklus recycelt werden, viele Bestandteile als Grundstoffe erneut nutzbar sind.
Auch dürfte der technische Fortschritt die Verwendung anderer Rohstoffe erlauben. Ein Beispiel sind Natrium-Ionen-Akkus. Sie kommen ohne das teure Lithium aus, Natrium als Basismaterial für die Elektroden im Akku ist mit weit weniger schädlichen Folgen für die Umwelt zu bekommen.
Schon 2024 dokumentierten Marktforscher in einer repräsentativen Umfrage, wie gut bzw. schlecht informiert die Deutschen über Elektroautos sind. Nachstehend folgen zwei weitere Mythen übers E-Auto, die inzwischen als weitgehend widerlegt anzusehen sind:
Die angebliche Pannenanfälligkeit von E-Autos ist ein wichtiger Grund, warum sich 60,2 Prozent der Befragten in Zukunft keines zulegen wollen. Doch sind sie schlecht informiert. Der ADAC hat erst kürzlich anhand seiner Pannenstatistik festgestellt, dass junge Elektroautos halb so pannenanfällig sind wie gleich alte Autos mit Verbrennungsmotor. Die Datenbasis wächst weiter, inzwischen hat der Autoclub diverse Elektroauto-Modelle in seiner Statistik. Über die Langzeitqualität des (noch) alternativen Antriebs sagt das noch nichts aus, ein ausführliches Urteil steht noch aus.

Während das Laden zu Hause an der Wallbox sehr günstig ausfällt, fällt es an Schnellladesäulen oft teurer aus.
Bild: Joel Micah Miller/EnBW
Ein "beliebtes" Stammtisch-Argument war lange Zeit auch das Ladenetz. Für 29,7 Prozent der Befragten ist seine Ausdehnung immer noch unzureichend. Doch das Netz wächst und wächst, allein 2023 im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Ladepunkte für öffentliches Laden in Deutschland um 40 Prozent. Inzwischen gibt es 166.867 öffentliche Ladesäulen in Deutschland (Stand: 1. Mai 2025). Und das Netz wird weiter kräftig ausgebaut.
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