(dpa/jb) Das Leder riechen, den Lack fühle, und natürlich probefahren. Wer ein neues Auto kauft, will darauf kaum verzichten. Doch in Zeiten großer Rabattschlachten müssen viele Neuwagenkäufer umdenken. Was bei Gebrauchtwagen längst normal ist, setzt sich mehr und mehr auch bei neuen Autos durch: Im vergangenen Jahr wurde nach Zahlen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) schon jeder elfte Neuwagen im Internet gekauft – Tendenz steigend. Den Autohäusern macht das zu schaffen. Denn die Deutschen kaufen ohnehin lieber Gebrauchtwagen, im vergangenen Jahr mehr als sieben Millionen. Nur noch 36 Prozent der rund drei Millionen Neuwagen wurden noch direkt von Privatleuten erstanden. Und jetzt drohen die Händler, viele von denen auch noch an Internet-Plattformen zu verlieren. Nach Schätzungen des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) verkaufen diese Vermittler allein bis zu 80.000 Autos im Jahr.
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Online-Anbieter locken dabei mit Preisnachlässen von bis zu 42 Prozent. Damit unterbieten sie den Händler vor Ort. "Man fragt sich, wie man damit Geld verdienen kann", sagt ZDK-Vizepräsident Ulrich Fromme. Die Portale fungieren als Makler. Sie arbeiten mit Autohäusern zusammen, die möglichst große Stückzahlen loswerden wollen, um von den Herstellern Bonuszahlungen zu kassieren. Am online verkauften Wagen verdiene der Händler nur maximal 600 Euro, sagt Hermann Wolters vom Portal Carneoo. Dafür bekomme er aber für alle Autos, auch die stationär verkauften, bessere Konditionen vom Hersteller. Die Vermittler erhalten eine Provision, laut Wolters 1,0 bis 1,2 Prozent des Listenpreises.

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All den Autohändlern, die nicht mit den Internetportalen zusammenarbeiten, stößt das Geschäftsmodell auf. "Da bekommen einzelne Händler Fahrzeuge zu Konditionen, von denen andere Händler nur träumen können", beklagt Fromme. Der Verband lässt das Modell der Online-Vermittler nun rechtlich prüfen. Die Kunden profitieren von dem Wettbewerbsdruck innerhalb der Branche. Auf den Portalen lassen sich oft viele Marken und Modelle vergleichen. Auch die für viele unangenehme Preisverhandlung fällt weg. Dafür müssten sie aber oft weit fahren, um das Auto abzuholen, bemerkt Fromme. Quer durch die Republik, auch für Reparaturen. Das lohne sich dann kaum noch.

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Dazu kommt: Wer über das Internet kauft, kann sein Wunschauto nicht probefahren. Viele Käufer gingen dafür dann doch zum Autohaus um die Ecke, räumt Wolters ein. Andere testeten das Modell bei Autovermietern oder verzichteten auf die Probefahrt, weil sie ohnehin immer dieselbe Marke kauften. "Heute kommt der Kunde über das Internet", das hätten auch die stationären Autohäuser inzwischen verstanden, sagt Fromm. Bei eigenen Internetseiten gebe es aber noch Verbesserungsbedarf. "Wir sind immer davon ausgegangen, dass der Kunde das Leder riechen und probefahren will", sagt der Verbandsvize. "Doch dafür müssen wir ihn erst mal auf den Hof bringen."