Dieser Pagani wurde nur für die Rennstrecke entwickelt: Mit dem Huayra R präsentiert die italienische Sportwagenmarke nach dem Roadster BC nicht nur die letzte Ausbaustufe des Huayra, sondern den nach eigener Aussage "extremsten Pagani aller Zeiten". Genau wie der 2009 gezeigte Zonda R ist die Hardcore-Version des Huayra nur für die Rennstrecke gebaut und kommt mit einem komplett neu entwickelten Motor, dem Pagani V12-R. Schon die reinen Zahlen erzeugen Gänsehaut pur: 850 PS und 750 Nm maximales Drehmoment bei einer Höchstdrehzahl von 9000 U/min treffen auf ein Leergewicht von nur 1050 Kilo. AUTO BILD durfte einen frühen Prototyp bereits live sehen!

AUTO BILD durfte den Pagani Huayra R schon live sehen

Rückblick: Im September 2020 durfte ich als einer der ersten Journalisten weltweit hinter das Steuer des Huayra Roadster BC. Und als ob das nicht schon spektakulär genug wäre, erklärte mir Pagani vor Ort in der Fabrik im italienischen San Cesario sul Panaro, dass sie noch eine Überraschung für mich vorbereitet hätten: Die Rede war vom Huayra R. Vor rund sechs Monaten hatte ich die Ehre, einen frühen Prototyp, ein sogenanntes Mock-up (nicht fahrfertiges Auto) bewundern zu dürfen. Bilder waren damals leider nicht erlaubt – alles streng geheim, doch das Modell des Huayra R im Maßstab 1:1 entsprach weitestgehend den jetzt veröffentlichten Bildern. Der größte Unterschied: Das Modell war im Gegensatz zum jetzt gezeigten Huayra R in Vollcarbon-Silber lackiert. (Hier geht es zum großen AUTO BILD-Sommerreifentest.)
Pagani Huayra R
Im Profil wirkt der Huayra R fast wie ein Huayra Longtail: Das Heck läuft aus, der Flügel ist flach designt.

Damals wie heute war mein erster Gedanke: Der Huayra R erinnert mich viel stärker an den 2009 präsentierten Zonda R als an jede andere Version des Huayra. Speziell die Front mit den schmalen, charakteristischen Scheinwerfern, den riesigen Lufteinlässen und dem großen Splitter sieht der Rennstreckenversion des Zonda zum Verwechseln ähnlich. Im Profil ist die Verwandtschaft zum Huayra dann deutlich zu erkennen, wobei das Heck viel länger wirkt – fast wie eine Art Huayra Longtail, wenn man so will. Besonders markant ist das Heck des Huayra R. Es ist, wie beim Zonda R, völlig offen designt und wird vom charakteristischen, mittigen Vierrohrauspuff dominiert. Schmale LED-Bögen dienen als Rücklichter, und der XXL-Diffusor trägt die italienische Tricolore. Komplett neu entwickelt ist der Heckflügel, der trotz seiner enormen Größe fast schon filigran wirkt. Im Gegensatz zur aktuell bei Sportwagen beliebten Schwanenhals-Konstruktion (Porsche 911 GT3, McLaren Senna) setzen die Italiener auf eine klassische Konstruktion. Auffällig hierbei sind der flache Winkel des Flügels und die großen Flügelstützen, die jeweils von zwei Luftschlitzen eingerahmt sind.
Hinweis
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Doch es gibt auch ein Detail, das sich seit September 2020 verändert hat – und das sind die Türen. Während die Coupé-Version des Huayra auf Gullwing Doors im Stil des Mercedes 300 SL setzt, kommt der Huayra Roadster aufgrund der Bauweise mit konventionellen Türen. Bei meinem Besuch im Werk konnte ich am Mock-up keine Scharniere für die Gullwing Doors erkennen. Auf Nachfrage erklärten mir die stolzen Mitarbeiter, dass der Huayra R ebenfalls mit normalen Türen geplant sei. Doch offenbar wurden die Pläne noch mal geändert, denn auf den neuen Renderings ist der R mit vorn angeschlagenen Flügeltüren zu sehen – ähnlich denen des Mercedes SLR McLaren. Soll mir recht sein. Um ganz ehrlich zu sein – ich konnte während der exklusiven Preview sowieso nur an eines denke: den Motor!

Alles begann mit dem Zonda R im Jahr 2009

Doch bevor wir zum Herzstück des Huayra R kommen, lohnt ein weiterer Rückblick. Dieses Mal ins Jahr 2008. Damals arbeitete das Pagani-Team bereits mit Hochdruck am Huayra. Auch wenn der Zonda-Nachfolger erst 2012 präsentiert wurde, die ersten Entwürfe entstanden bereits 2003. Parallel zur Entwicklung des Huayra war 2008 ein weiteres Projekt kurz vor der Fertigstellung: der Zonda R. Ein Pagani nur für die Rennstrecke, 15 Mal gebaut und auf dem Autosalon Genf 2009 enthüllt. Angetrieben von einem 6,0-Liter-V12 mit 750 PS, der von AMG beigesteuert wurde konnte der Zonda R 2010 zeigen, wie schnell er wirklich ist. Mit einer Zeit von 6.47,50 Minuten holte er sich den Rundenrekord für Rennwagen auf der Nürburgring Nordschleife und unterbot die Zeit des Ferrari 599XX um elf Sekunden. Zwölf Jahre später enthüllen die Italiener mit dem Huayra R nun das extremste Modell der Marke!
Pagani Zonda R
2009 präsentierte Pagani mit dem Zonda R ein reines Rennstreckenmodell.

Keyfacts zum Pagani Huayra R

● das bislang extremste Pagani-Modell
● nur für die Rennstrecke, keine Straßenzulassung
● neuer Pagani V12-R (6,0-Liter-V12-Saugmotor)
● Motor von der Mercedes-Motorsportabteilung HWA entwickelt
● 850 PS und 750 Nm
● Höchstdrehzahl 9000 U/min
● Leergewicht 1050 Kilo
● erfüllt die höchsten Sicherheitsstandards
● nur 30 Stück werden gebaut
● Stückpreis 2,6 Millionen Euro plus Steuern

V12-Sauger von der Mercedes-Motorsportabteilung entwickelt

Zum "extremsten Pagani aller Zeiten" gehört natürlich auch ein ganz besonderer Motor. Der hört auf den simplen Namen Pagani V12-R und ist mit 850 PS und 750 Nm der stärkste Saugmotor der Firmengeschichte – und der erste Saugmotor, der in einem Huayra eingesetzt wird. Doch bei diesem 6,0-Liter-V12 geht es um viel mehr als die reinen Zahlen. Anders als vermutet, handelt es sich nicht um eine Weiterentwicklung des V12-Sauger aus dem Zonda R, der wiederum auf dem Motor des nur 26 Mal gebauten Mercedes CLK GTR basiert, sondern um eine komplette Neukonstruktion, die in Zusammenarbeit mit der Mercedes-Motorsportabteilung HWA AG realisiert wurde. Doch es gab ein Problem: Weder HWA noch Mercedes-AMG produzieren aktuell einen V12-Saugmotor. Die einzige Lösung war, den Pagani V12-R komplett neu zu konstruieren. An dieser Stelle mag die berechtigte Frage aufkommen, wieso der Huayra R auf einen Saugmotor setzt, wo doch alle anderen Huayra-Modelle (Coupé, BC, Roadster, Roadster BC, Imola) mit dem V12-Biturbo ausgestattet sind, der nebenbei auch deutlich mehr Drehmoment bietet? Darauf gibt es laut Pagani eine einfache Antwort: Die Kunden wünschten sich einen Saugmotor zurück – und der kompromisslose Huayra R, der sich keinerlei Restriktionen oder Reglements beugen muss, sei das perfekte Projekt hierfür.
Pagani Huayra R
Ein spektakuläres Heck mit bogenförmigen LED-Rückleuchten und einem Diffusor in Tricolore-Farben.

Ein entscheidender Vorteil sind die Emotionen: Die volle Leistung von 850 PS liegt bei 8250 U/min an, das maximale Drehmoment von 750 Nm bei 5500 U/min. Der Begrenzer verpasst der Drehzahl-Orgie erst bei 9000 U/min einen Dämpfer; und jeder, der schon mal das Glück hatte, einen Zonda R live zu hören, wird verstehen, warum sich die 30 glücklichen Kunden einen Saugmotor gewünscht haben. Trotz der enormen Leistung war für Pagani ein niedriges Gewicht eine Grundvoraussetzung des neuen Motors. Nach mehr als zwei Jahren Entwicklung und mit einem Endgewicht von nur 198 Kilo waren die Italiener zufrieden. Zusätzlich soll der Hochdrehzahlmotor nur alle 10.000 Kilometer aufwendig gewartet werden müssen, ein langer Intervall für einen Rennmotor.
Aber der beste Motor ist ohne das passende Getriebe nur wenig wert. Und so wurde parallel zum Pagani V12-R ein neues sequenzielles Getriebe mit sechs Gängen konzipiert. Es verfügt über eine Drei-Scheiben-Sintermetallkupplung, wiegt leichte 80 Kilo und ist, genau wie der Motor, fest am Monocoque verschraubt. Damit der V12-Sauger frei atmen kann und der Huayra R wie ein Rennwagen klingt, hat Pagani einen Inconel-Auspuff für das Sondermodell entwickelt, der auf Wunsch mit Schalldämpfern ausgerüstet werden kann, um Dezibel-Limits auf bekannten Rennstrecken einhalten zu können.

1000 Kilo Abtrieb bei 320 km/h waren beim Huayra R das Ziel

Wer Pagani kennt, der weiß, dass die italienische Marke sehr viel Wert auf eine ausgeklügelte Aerodynamik legt. Das Ziel von Firmengründer Horacio Pagani an seine Ingenieure waren 1000 Kilo Abtrieb bei 320 km/h – und schon die ersten Entwürfe waren vielversprechend. Simulationen zeigten eine aerodynamische Verteilung von 46 zu 54 Prozent. Doch Perfektionist Horacio Pagani war noch nicht zufrieden. Die Optik des Huayra R wirkte auf ihn zu technisch, zu kühl. Seine Designvorbilder waren die legendären Le Mans Rennwagen der 60er-/70er-Jahre wie Ferrari P4, Ford GT40 und natürlich sein persönliches Lieblingsauto, der Porsche 917.
Pagani Huayra R
Der Pagani Huayra R hat vorne angeschlagene Flügeltüren, ähnlich denen des Mercedes SLR McLaren.
Anders als bei vielen heutigen Rennwagen entstanden diese Klassiker nicht ausschließlich in Simulationen im Windtunnel und waren trotzdem extrem schnell. Also mussten die ersten Entwürfe des Huayra R überarbeitet werden. Das Design sollte aufregender und emotionaler werden und dabei geschah etwas Seltsames, verrät Horacio Pagani: Während der Huayra R nur aus ästhetischer Sicht verändert wurde, verbesserte sich die Aerodynamik von ganz alleine. Das finale Ergebnis konnte Mastermind Horacio Pagani nicht nur aus designtechnischer Sicht, sondern auch mit den entsprechenden Aerodynamik-Werten überzeugen.

Pagani verlangt in Deutschland einen Preis von 3,09 Millionen Euro

Nachdem wir jetzt so viel zum Pagani Huayra R gelernt haben, bleiben noch ein paar elementare Fragen offen. Beginnen wir mit der Stückzahl: Pagani wird 30 Exemplare vom Huayra R bauen, das sind doppelt so viele wie vom Zonda R – und sechs mal so viele wie vom noch radikaleren Zonda Revolucion mit 800 PS. Den Preis beziffern die Italiener mit 2,6 Millionen Euro plus Steuern, macht bei uns in Deutschland also rund 3,09 Millionen Euro – womit der Huayra R zu den teuersten Tracktools der Welt gehören dürfte. Zumal die Kunden den Huayra R aufgrund mangelnder Straßenzulassung und teilweiser Nichteinhaltung entsprechender Regularien nicht überall fahren dürfen. Doch auch dafür hat Pagani eine Lösung: Nach Ferrari-Vorbild haben die Italiener das sogenannte "Arte in Pista"-Programm ins Leben gerufen, bei dem die Kunden ihre Schätze auf weltweit ausgewählten Rennstrecken unter Zuhilfenahme des offiziellen Pagani-Supports ausfahren können. Abschließend noch die Masterfrage: Ist der Huayra R das allerletzte Huayra-Modell? Pagani bejaht das, doch wenn man sich die Historie des Zonda anschaut, könnte da noch etwas kommen.


Fazit

Ich hatte das Glück, den Huayra R in einer ganz frühen Entwicklungsphase live zu sehen. Während dieser Preview konnte ich bei jeder beteiligten Person den Stolz förmlich spüren. Stolz, Teil eines solch besonderen Projekt zu sein, Stolz bei einer Marke wie Pagani arbeiten zu dürfen. Für mich persönlich wäre der von HWA entwickelte 6,0-Liter-V12-Saugmotor Grund genug, gut drei Millionen Euro nach San Cesario sul Panaro zu überweisen!