Wir Europäer neigen ja zu Selbstzweifeln: Überaltert seien wir, überreguliert bis zur Erstarrung, zu langsam in allen Lebensbereichen, und unsere Autos waren schon begehrter am Weltmarkt.

Zwei kleine SUV im Test

  • Gute Ergonomie
  • Ausgewogenes Fahrverhalten
  • Gut nutzbarer Kofferraum
  • Kurze Garantie
  • Hoher Einstiegspreis
    Eine pessimistische Weltsicht kann den Blick verstellen, denn gerade im derzeit beliebtesten Auto-Segment sind wir top! Und das sind die kleinen SUV: hoch sitzen, nur ohne Parknot und protzigen Auftritt.

    VW verlangt den höheren Preis

    Die Bestseller der Klasse heißen VW T-Roc, Opel Mokka, Skoda Karoq und Kamiq, Dacia Duster – alles Europäer! Nicht zu viel Auto und nicht zu wenig, einfach nur ein angemessener Alltagskumpel – als solcher hat die flammneue zweite Serie des VW T-Roc echtes Bestseller-Potenzial. Der Vorgänger, obwohl auch nicht gerade ein Preisbrecher und innen Hartplastik-lastig wie ein Polo, hatte zeitweilig den Golf vom Zulassungsthron verdrängt.
    Peugeot 2008 Hybrid 145 e-DSC6 VW T-Roc 1.5 eTSI
    Günstig ist anders: Für den T-Roc 1.5 eTSI verlangt VW mindestens 36.755 Euro – der 2008 Hybrid ist bereits ab 33.510 Euro zu haben.
    Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
    Aber – muss man so viel Geld in die Hand nehmen? Der VW kostet mit dem kräftigen, aber nicht übertrieben starken 150-PS-Mildhybridbenziner und vier Zylindern mindestens 36.755 Euro. Lassen wir ihn doch mal antreten gegen Peugeots Bestseller 2008, der ebenfalls auf der iberischen Halbinsel vom Band rollt. Der VW entsteht in Portugal, der Peugeot in Spanien.

    Fahrzeugdaten

    Fahrzeugdaten
    Motor Bauart/Zylinder
    Dreizylinder, Turbo, Mildhybrid
    Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid
    Einbaulage
    vorn quer
    vorn quer
    Ventile/Nockenwellen
    4 pro Zylinder/2
    4 pro Zylinder/2
    Nockenwellenantrieb
    Kette
    Zahnriemen
    Hubraum
    1199 cm³
    1498 cm³
    Systemleistung
    107 kW (145 PS)
    110 kW (150 PS)
    Nm bei 1/min
    230/1750
    250/1500
    Vmax
    206 km/h
    212 km/h
    Getriebe
    Sechsgang-Doppelkupplung
    Siebengang-Doppelkupplung
    Antrieb
    Vorderradantrieb
    Vorderradantrieb
    Bremsen vorn/hinten
    Scheiben/Scheiben
    Scheiben/Scheiben
    Testwagenbereifung
    215/55 R 18 V
    225/45 R 19 W
    Reifentyp
    Goodyear Efficient Grip
    Bridgestone Potenza Sport
    Radgröße
    7 x 18"
    8 x 19"
    Abgas CO2
    113 g/km
    132 g/km
    Verbrauch*
    5,0 l/100 km
    5,8 l/100 km
    Tankinhalt
    44 l
    50 l
    Kraftstoffsorte
    Super
    Super
    Vorbeifahrgeräusch
    k. A.
    67 dB(A)
    Anhängelast gebr./ungebr.
    1100/685 kg
    1500/730 kg
    Stützlast
    70 kg
    80 kg
    Kofferraumvolumen
    434–1467 l
    475-1350 l
    Länge/Breite/Höhe
    4304/1775–1987**/1523 mm
    4372/1828–2044**/1573 mm
    Radstand
    2605 mm
    2629 mm
    Grundpreis
    33.510 Euro
    36.755 Euro
    Testwagenpreis (wird gewertet)
    40.370 Euro
    45.965 Euro**
    Zwar verkaufen die Franzosen bei uns keine VW-Stückzahlen von 70.000 Fahrzeugen im Jahr; vom 2019 gestarteten und 2023 gelifteten 2008 gehen bei uns aber stabil um die 12.000 Neuwagen jährlich weg – Peugeots beliebtestes Modell nach dem eng verwandten 208, der tapfer die Fahne des bezahlbaren Kleinwagens hochhält.

    Weniger Hartplastik im T-Roc

    Mit 4,37 Meter Länge ist der neue T-Roc nicht ganz so knackig kurz wie der alte, bleibt aber angenehm kompakt. Die gewachsenen Außenmaße (Breite: +9 mm) kommen im Innenraum an; der vier Zentimeter längere Radstand verbessert die Beinfreiheit im Fond. Das Hartplastik-Interieur des Erstlings ist einer Kombi aus geschäumten Materialien obenauf und Hartplastik unterhalb der Sichtlinie gewichen, das ab der B-Säule heckwärts weiterhin dominiert.
    VW T-Roc 1.5 eTSI
    Der T-Roc hat das gewohnte VW-Cockpit mit 12,9-Zoll-Bildschirm. Sehr gut: In den Lenkradspeichen gibt es jetzt wieder echte Tasten.
    Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
    Die Bedienung wirkt wie die Schnittmenge aller VW der letzten drei, vier Jahre – angenehm vertraut wie die klassischen Bügelgriffe außen. Und: endlich wieder echte Tasten in den Lenkradspeichen, bravo! Die umstrittenen Slider für Temperatur und Audio-Lautstärke sind noch da, in letzterem Falle ergänzt durch einen Drehregler in der Mittelkonsole. Schön, dass sich lästige Assistenten via Schnellzugriffsleiste oben am Zentralbildschirm abschalten lassen, ohne Menü-Tauchgang.

    Das Fahrwerk des T-Roc überzeugt

    Der 1,5-Liter-Vierzylinder spricht trotz Unterstützung durch den 18 PS starken Startergenerator leicht verzögert an, aber linearer als der Peugeot. Die unspektakulären Leistungsdaten (etwa: 250 Nm Drehmoment) täuschen leicht darüber hinweg, dass dieses kleine SUV lässig 212 km/h rennt. Auch die Beschleunigung auf 100 km/h in 8,9 Sekunden reicht für alle erdenklichen Verkehrssituationen.
    VW T-Roc 1.5 eTSI
    Gut abgestimmt: Mit den aufpreispflichtigen Verstelldämpfern und der neuen Einzelradaufhängung fährt der T-Roc komfortabel und präzise.
    Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
    Echt VW im besten Sinne sind die ausgewogen-angenehme Lenkung und die – klar: aufpreispflichtigen – Verstelldämpfer unseres Testexemplars (880 Euro extra, immerhin ohne Paketbindung). Fahrkomfort und Präzision profitieren davon, dass auch bei den T-Roc-Fronttrieblern die Verbundlenkerachse nun Mehrlenker-Einzelradaufhängungen gewichen ist.
    Spart die Mildhybridisierung überhaupt nennenswert Sprit? Ja! Der Testverbrauch des eTSI von 6,5 l/100 km unterbietet den des Vorgängers um 1,2 Liter (AUTO BILD vom März 2022). Und der alte war das kleinere, leichtere Auto.

    Peugeot-Arbeitsplatz unbedingt ausprobieren

    Es lag einfach nahe, den Peugeot 2008 zum Vergleich heranzuziehen: ähnliche Länge (4,30 Meter) und Leistung (145 PS), aber mindestens 3200 Euro günstiger. Auf gleicher Bodengruppe rollen auch Opel Mokka und Alfa Junior, aber die sind deutlich kürzer. Nach dem auch beim Franzosen angenehmen Einstieg stellt man fest: Nach vorn ist er übersichtlich, nach hinten nicht wegen der steil ansteigenden Gürtellinie.
    Peugeot 2008 Hybrid 145 e-DSC6
    Auch der 2008 trägt das typische Peugeot-Layout mit kleinem Lenkrad und Cockpit-Display darüber. Das passt nicht für jeden Fahrer.
    Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
    Das Peugeot-eigene Arrangement von Instrumenten über kleinem Lenkrad bietet einerseits einen Headup-Display-ähnlichen Effekt ohne Aufpreis und Technik-Mehraufwand, andererseits hängt das Lenkrad bei Großgewachsenen im Schoß, und sie finden keine angenehme Sitzposition – unbedingt ausprobieren vor dem Kauf! Mit 1,78 Metern ist er etwas schmaler als der VW – das ist angenehm im Parkhaus, die rund fünf Zentimeter geringere Breite ist innen aber spürbar.

    Messwerte

    Messwerte
    Beschleunigung
    0–50 km/h
    3,2 s
    3,2 s
    0–100 km/h
    8,8 s
    8,9 s
    0–130 km/h
    14,2 s
    14,9 s
    0–160 km/h
    23,4 s
    24,3 s
    Zwischenspurt
    60–100 km/h
    4,8 s
    4,6 s
    80–120 km/h
    6,0 s
    5,9 s
    Leergewicht/Zuladung
    1331/459 kg
    1449/531 kg
    Gewichtsverteilung v./h.
    64/36 %
    61/39 %
    Wendekreis links/rechts
    11,4/11,3 m
    10,9/11,0 m
    Sitzhöhe
    630 mm
    600 mm
    Bremsweg
    aus 100 km/h kalt
    36,9 m
    35,0 m
    aus 100 km/h warm
    35,6 m
    34,5 m
    Innengeräusch
    bei 50 km/h
    57 dB(A)
    58 dB(A)
    bei 100 km/h
    65 dB(A)
    66 dB(A)
    bei 130 km/h
    68 dB(A)
    69 dB(A)
    Verbrauch
    Sparverbrauch
    5,0 l S/100 km
    5,3 l S/100 km
    Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
    (Abweichung zur WLTP-Angabe)
    6,6 l S/100 km
    (+32 %)
    6,5 l S/100 km
    (+12 %)
    Sportverbrauch
    9,0 l S/100 km
    8,3 l S/100 km
    CO2 (Testverbrauch)
    156 g/km
    154 g/km
    Reichweite (Testverbrauch)
    666 km
    769 km
    Man sitzt vorn auf schmaleren Sitzen mit drei Zentimeter weniger Sitzflächentiefe, bei wenig Halt für die Schultern. Die Sitze sind nicht messbar kleinwagenhafter als im VW: Die Lehnenhöhe etwa beträgt nur 615 Millimeter gegenüber 660 im T-Roc. Auch hinten spielen beide nicht ganz in der gleichen Liga: Im 2008 sitzt man 345 Millimeter vom Bodenblech entfernt – akzeptabel, aber im T-Roc sind es 370.

    2008-Antrieb braucht Feinschliff

    Ein Druck auf den Startknopf, und es passiert erst einmal – nichts. Erst nach lästiger Verzögerung fährt er mit seinem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe etwas ruckelig an – da fehlt Feinschliff. Ist er warm gelaufen, entfaltet der Stellantis-weit eingesetzte 1,2-Liter aber echten Charme. Der Dreizylinder brummt eine ganze Oktave tiefer als der VW-Vierzylinder, wirkt obenherum sogar weniger dröhnig. Unter charmant-kerniger Klanguntermalung schwingt sich auch der Peugeot zu Geschwindigkeiten über 200 km/h auf.
    Peugeot 2008 Hybrid 145 e-DSC6
    Im 2008 Hybrid sorgt der bekannte 1,2-Liter-Dreizylinder für Vortrieb. Leider ist die Abstimmung mit dem Getriebe nicht perfekt.
    Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
    Leider ist die Lenkung des 2008 um die Mittellage erst seltsam indifferent, gibt sich links und rechts davon aber teigig und braucht viel Handmoment. Auf schmalen und gewundenen Sträßchen hätte man gern mehr Lenkpräzision und mehr Gefühl für das, was die Vorderräder gerade tun. Sein Geradeauslauf leidet unter der vagen Zentrierung – hier zeigt der VW, wie es besser und mit mehr Feedback geht. Die Verbundlenkerachse hinten kann auf einseitige Unebenheiten in der Kurve nicht ganz so fein und sturzkonstant wie die VW-Mehrlenker reagieren, die ungefederten Massen sind höher – sie ist halt die simplere Konstruktion

    Peugeot-Fahrwerk ist einfacher

    Der Peugeot rollt mehr um die Längsachse, kann Straßenunebenheiten nicht so perfekt wegfiltern wie der VW mit seinen Verstelldämpfern. Der Franzose wirkt auch leicht unterdämpft auf Bodenwellen. Aber: Der Peugeot nutzt seine Federwege und ist auch mit den 18-Zoll-Rädern der GT-Exclusive-Version komfortabel – ein einfaches, aber letztlich gut gemachtes Fahrwerk. Auch beim ESP gibt es Unterschiede: Das im VW gibt sich toleranter, lässt mehr zu, der Peugeot regelt Frankreich-typisch zackiger, leider auch gröber.
    Peugeot 2008 Hybrid 145 e-DSC6
    Das einfachere Fahrwerk des 2008 filtert Bodenwellen nicht ganz so gekonnt weg. Es ist aber trotzdem komfortabel.
    Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
    Dieser Franzose ist kein Perfektionist, macht aber vieles richtig: Auf längeren Strecken bietet diese gehobene Version ihrem Fahrer immerhin Lendenwirbelstütze und Massageprogramm, was die kleinen Sitze teilweise ausgleicht. Punkte sammelt er mit einigen Details: Der obere Ladeboden lässt sich in diagonaler Stellung festklemmen, was die Beladung der unteren Ebene erleichtert. Solide Metall-Verzurrösen, verankert am Blech, zeugen von Qualitätsbewusstsein dort, wo es wichtig ist.

    Platzierung

    Platzierung
    Punkte*
    576
    535
    Platz
    1
    2
    Testnote
    1,9
    2,3
    Fazit
    Federung, Sitzposition, Lenkung ausgewogen. Assistenz und Sprachbedienung modern. Laufkultur und Akustik mit Luft nach oben.
    Angenehm schmal und leicht. Munterer Motor. Bremswege etwas lang. Günstiger, aber Qualitätseindruck nicht schlechter.
    Der VW ist die sechs Jahre jüngere Konstruktion, das merkt man schon an den Assistenzsystemen. Eine Verkehrszeichenübernahme, die vor Ortschaften oder Kurven das Tempo automatisch zurücknimmt, so etwas bietet nur der VW. Dessen Sprachbedienung kann ebenfalls mehr, etwa auch Sitz- und Lenkradheizung aktivieren oder abschalten. Markentypisch fährt er sich besonders harmonisch – was sich VW allerdings auch gut bezahlen lässt.

    Bildergalerie

    Peugeot 2008 Hybrid 145 e-DSC6 VW T-Roc 1.5 eTSI
    VW T-Roc 1.5 eTSI
    Peugeot 2008 Hybrid 145 e-DSC6
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    Zwei kleine SUV im Test

    Fazit

    von AUTO BILD
    Trotz ähnlicher Abmessungen lässt sich der Klassenunterschied zwischen Peugeot 2008 und VW T-Roc nicht übersehen. Ersterer ist ein hochskalierter Kleinwagen, der VW ein Kompakter in SUV-Form. Der Franzose ist älter, aber auch billiger – mancher wird die Nachteile tolerieren.