Kaffee schmeckt Ihnen am besten, wenn der Löffel darin steht? Dann finden Sie vermutlich auch gewöhnliche Kompaktautos zum Gähnen. Peugeot 308, Renault Mégane oder der VW Golf haben zu wenig Hallo-wach-Faktor? Kein Problem. Von allen dreien gibt es sportliche Coupé-Ableger, die so belebend wirken wie ein doppelter Espresso nach dem Mittagessen. VW verwandelt seinen Bestseller mit Breitbau-Heck und Adlernase in einen wüsten Stürmer, den Scirocco. Renault verpasst dem Mégane mit Knackpo einen starken Abgang. Und was macht Peugeot? Haut den braven 308 zu einer Flunder platt, die dem Audi TT ähnelt, preislich aber auf dem Boden der Tatsachen bleibt. Alles nur Show, oder steckt im frischen Franzosen mehr als ein Café-Racer?

Überblick: Alle News und Tests zum Peugeot RCZ

Peugeot RCZ 1.6 155 THP
Eigenständig, im Alltag aber nachteilig: die Karosserie des Peugeot RCZ.
Bild: Sven Krieger
Eigenständiger als Mégane und Scirocco tritt der RCZ schon mal auf. Mit seiner kompromisslosen Sportwagenform handelt er sich aber auch Nachteile ein. Während die beiden anderen vollwertige, wenn auch nicht besonders geräumige Viersitzer sind, belässt es der Peugeot beim 2+2-Charakter. Das Entern der Rückbank mit ihrer fast senkrechten Lehne fällt schwer; sitzen können dort nur Kinder. Beim Thema Übersicht überrascht der RCZ. Nach hinten ist der Ausblick deutlich besser als beim Scirocco, dessen starre Kopfstützen das Heckfenster verdunkeln, oder beim Mégane, der nur einen schmalen Sehschlitz anbietet. Bei beiden Rivalen endet der Schulterblick zudem an überbreiten Dachsäulen; die schlanken Alu-Holme des Peugeot sind da viel weniger im Weg. Das RCZ-Cockpit zeigt Liebe zum Detail: Der lederähnliche Bezug mit farblich abgesetzten Steppnähten schmeichelt dem Auge und den Fingerkuppen; die große Analoguhr in der Mitte setzt einen feinen, modischen Akzent.

Überblick: Alle News und Test zum VW Scirocco

VW Scirocco1.4 TSI DSG
Macht überraschend viel aus wenig Hubraum: der VW Scirocco 1.4 TSI.
Bild: Sven Krieger
Der VW lässt es damit bewenden, die biederen Armaturen – entliehen vom Klappdach-Cabrio Eos – mit einem unten abgeflachten Sportlenkrad zu garnieren. Am wenigsten Mühe gemacht hat sich allerdings Renault: Wo Mégane draufsteht, steckt Mégane drin – das Coupé tanzt da leider kein bisschen aus der Reihe. Wer diese drei für halbstarke Aufschneider hält, der kann die Silbe "halb" getrost aus seinem Wortschatz streichen. Denn die PS-Zahlen verraten nur die halbe Wahrheit; Turbos hauchen den kleinen Vierzylindern mächtig Dampf ein. Vor allem der Renault kann vor Kraft kaum laufen. Wenn seine 300 Newtonmeter über die Vorderräder herfallen, winseln die Reifen um Gnade. Dass weniger mehr ist, zeigt der Peugeot. Er macht entschlossen, aber gleichmäßig Druck und bringt die Power wesentlich souveräner auf die Straße.
Mehr noch als bei ihm hält man die Hubraumangabe beim VW für tiefgestapelt. Wie bitte, nur 1,4 Liter? Angesichts dessen, was der Scirocco-Vierzylinder in Tateinheit mit dem blitzschnell schaltenden Doppelkupplungsgetriebe veranstaltet, fühlt er sich gut und gern doppelt so groß an. Für die leichte Gaspedal-Unschärfe beim Anfahren entschädigt der brabbelnde Motorsound. Der RCZ klingt kernig, aber braver. Reizlos: das vom Laderpfeifen untermalte Hochdrehgeräusch beim Renault. Die softe Federung bringt dem Mégane aber Komfortpunkte. Den VW erzieht erst der Knopf des 945 Euro teuren Adaptivfahrwerks zu rückenschonender Bekömmlichkeit – aber mit noch besserem Ergebnis.

Überblick: Alle News und Tests zum Renault Mégane

Renault Mégane Coupé TCe 180
Geht nicht so gut ums Eck: Kurven mag der Mégane von den drei Coupés am wenigsten.
Bild: Sven Krieger
Der RCZ kehrt stets den harten Sportler raus – Frostaufbrüche reicht er gefühlt fast 1:1 nach innen durch. Kurven mag der Mégane von allen dreien am wenigsten. Er wirkt behäbig, baut viel Seitenneigung auf und lässt bei zackigen Manövern auch das Heck weiter heraushängen, als es sportlichen Piloten lieb ist, die eine eindrehende Hinterhand schon mal zum hilfreichen Lastwechsel umdeuten. So wie beim Scirocco, der auch die direktere, viel klarer ansprechende Lenkung hat. Der Peugeot saugt sich förmlich an der Straße fest, leidet in Wechselkurven aber an zu wenig Rückmeldung im Steuer. Und: ESP bitte anlassen! Ohne wird der sonst so narrensichere Franzose zickig.
Der Renault-Preis steigt im Juni mit dem zwingend an den 180-PS-Turbo gekoppelten Wechsel zur GT-Ausstattung um 2300 Euro. Ein Sportfahrwerk ist dann Serie, RCZ und Scirocco bleiben zwei Tausender teurer. Dennoch macht vor allem Peugeot ein reizvolles Angebot, denn der Franzosen-TT ist zum (Noch-) Kompaktklasse-Tarif ein echter Sportler – und nicht nur ein netter Café-Racer.
Weitere Details zu den drei kompakten Coupés finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.

Fazit

Dem Scirocco gelingt eine Punktlandung im Zentrum der Erwartungen, die an ein sportliches Kompakt-Coupé gestellt werden. Autos, denen der Golf in den Knochen steckt, sind eben schwer zu schlagen. Viel überraschender ist für mich das gute Abschneiden des RCZ. Auch wenn es zum Sieg nicht ganz gereicht hat: Was Peugeot aus der Basis des 308 herausgekitzelt hat – alle Achtung, bitte mehr davon! Der halbherzig gemachte Mégane kämpft hier auf verlorenem Posten.