Porsche Panamera II Turbo (2016): Fahrbericht
Der ultimative Gran Turismo?

Die zweite Panamera-Generation hat sich vom plumpen Rundheck zum fünftürigen Blickfang gemausert. AUTO BILD ist den 550 PS starken Turbo gefahren.
- Georg Kacher
Der neue Porsche Panamera ist ein GT par excellence: sportlich-elegant im Auftritt, selbst auf langen Strecken bequem genug für vier Erwachsene, souverän motorisiert, innovativ bis in die versteckte Antennenspitze und rundum sehr edel verarbeitet. Porsche bestückt das erste Modell aus dem flammneuen modularen Standard-Antrieb-Baukasten (MSB) wahlweise mit einem spritzigen 2,9-Liter-V6, einem bulligen V8-Diesel oder mit dem Vierliter-Biturbo-Achtzylinder. AUTO BILD ist den 550 PS starken Turbo gefahren.
Fahrbericht im Topdiesel: Porsche Panamera 4S Diesel
200.000 Euro für einen Panamera mit voller Hütte

Der Porsche Panamera Turbo kostet in der Basis schon über 150.000 Euro. Mit allen Extras werden daraus schnell 200.000 Euro.
Bild: Werk
Was kann der neue Panamera besser als der Vorgänger?

Oberhalb des Porsche-Schriftzugs fährt der zweigeteilte Heckspoiler elektrisch aus.
Bild: Werk
Lenkung und Bremsen sind top
Die optional lenkbaren Hinterräder verbessern die Richtungsstabilität bei hohem Tempo und die Wendigkeit im Stadtverkehr. Für 8936 Euro kann man entweder geschätzt dreieinhalb Jahre auf Malle All-you-can-eat-Urlaub machen oder den Panamera mit Carbon-Keramik-Bremsen bestellen. Keine Frage: In Verbindung mit den ultrabreiten Michelins verzögert dieses Fünfmeter-Schiff auf eine Art und Weise, die wir bisher nur aus Zeichentrickfilmen kannten. Wie fast immer bei Porsche ist auch diesmal die Lenkung ein Gedicht – keine variable Übersetzung, keine sich ständig ändernden Lenkkräfte, keine Einparkautomatik, keine ungefragten Korrekturen, kein Spurfolge- und Ausscher-Gedöns. Stattdessen gibt's Fahrbahnkontakt satt, präzise Rückmeldung ohne Filter oder Verstärker, und das wunderbare Gefühl, immer alles unter Kontrolle zu haben. Der neue Panamera Turbo fährt nämlich fast von selbst einen sauberen Strich, lenkt zackig ein, ohne zu überziehen; bleibt auch bei großen Lenkausschlägen voll bei der Sache, bildet ein haptisch überzeugendes Rückstellmoment, gibt sich direkt genug und nicht zu leichtgängig. Auf der Skala vom Blindenstock über die Wünschelrute bis zum Autopilot haben wir den elektro-mechanischen Richtungsfinder als essentielle Vertrauen bildende Maßnahme erlebt.
Der Panamera schaut voraus
Die Ära der unübersichtlichen Schogetten-Ergonomie mit den vielen Klein-Klein-Tasten ist bei Porsche jetzt zwar vorbei, aber es fiel mir trotzdem nicht leicht, mit dem neuen Bedienkonzept auf Anhieb Freundschaft zu schließen. Zum Modelljahr 2017 ist "touchen" angesagt – entweder per direktem Zugriff auf den Bildschirm oder über die Funktionsflächen rund um den Wählhebel. Touchen mag so in sein wie zoomen, wischen und scrollen, aber es hinterlässt fettige Tapper, ist bei hohem Tempo ungefähr so zuträglich wie zwei kurze Schnaps und bindet Aufmerksamkeit in einem Maße, das mit Verkehrssicherheit nicht immer vereinbar ist. Da gibt es Fenster, die sich ungefragt öffnen, wenn man ihnen zu nahe kommt, Tasten, die beiläufiges Handauflegen als Marschbefehl missverstehen, Untermenüs, die sich selbst im Stand nicht ohne weiteres dechiffrieren lassen. Einen über den Bildschirm ferngesteuerten zentralen Luftausströmer, eine wahre Invasion an Infotainment-Verlockungen – und natürlich InnoDrive, das mit Hilfe des Navigationssystems drei Kilometer vorausblickt und dabei versucht, durch besonders umsichtige Fahrweise den Planeten zu retten. Im BMW i3 gewiss eine feine Sache. In einem Porsche aber die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat.
Auch ein Plug-in Hybrid kommt

Der 3082 Euro teure Sportauspuff verhilft dem Vierliter-V8-Biturbo zu mehr Stimme.
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