Vorstellung: Der Scénic wird zum Kompakt-SUV

Renault hatte das Van-Segment in Europa einst begründet, die Franzosen haben jedoch die Zeichen der Zeit erkannt und verabschieden sich von der braven Fahrzeuggattung. Der kompakte Vertreter Scénic war über Jahre hinweg sogar einer der Bestseller des Herstellers, schwindende Absatzzahlen bedeuteten aber im Frühjahr 2022 das Ende des Modells, der Grand Scénic dürfte bald folgen. Doch die traditionsreiche Modellbezeichnung soll weiterleben. 
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Die Konzeptstudie "Scénic Vision" gibt einen Ausblick auf die Zukunft des Franzosen und setzt dabei auf einen neuartigen Wasserstoff-Hybridantrieb. 2024 soll das Serienmodell auf den Markt kommen, dann aber vorerst mit Technik aus dem Mégane E-Tech Electric. AUTO BILD hat sich das Concept Car bereits angeschaut.

Design und Abmessungen: Bulliges Design für das SUV

Der "Scénic Vision" ist mit seinen 4,49 Metern zwei Zentimeter kürzer als sein konventionell angetriebener Bruder Austral. Da er jedoch nur 1,59 Meter hoch und satte 1,90 Meter breit ist, wirkt der Scénic der Zukunft nochmals eine ganze Spur bulliger. Dieser Effekt wird durch die üppigen 21-Zoll-Räder im Aero-Design, dem gestreckten Radstand von knapp 2,84 Metern sowie der ausdrucksstarken Front des SUV verstärkt. Letztere trägt eindeutig die Handschrift des neuen Chefdesigners Gilles Vidal, der 2020 von Peugeot zu Renault gewechselt ist.
Kein Wunder also, dass auch der Scénic Vision Tagfahrleuchten in dessen typischem Säbelzahn-Stil verpasst bekommen hat. Bei der Studie haben diese die Form einer halben Raute, wobei es sich ohne Zweifel um eine Anspielung auf das Renault-Logo handelt. Eine weitere Neuheit bei der Marke ist die Leuchtgrafik mit den vier einzelnen LED-Elementen. Die kastige Grundform der Kühlergrill-losen Front ruft Erinnerungen an das Concept Car Renault 5 Electric wach.
 
Renault Scenic Vision
Das Heck mit seinen schmalen Rückleuchten erinnert etwas an die spanische Marke Cupra.

In der Seitenansicht fallen vor allem die Leuchtstreifen in der C-Säule, die fehlende B-Säule und die entgegengesetzt öffnenden Türen auf. Beides studientypische Design-Gimmicks, die es wohl nicht in die Produktion schaffen werden. Das Heck mit seinen schmalen LED-Rückleuchten, die ebenfalls eine halbe Raute darstellen, wirkt dagegen in einigen Punkten schon recht seriennah. Die Rückansicht hat insgesamt einen Hauch von Cupra, was vor allem an den dünnen Leuchteinheiten liegen dürfte.

Innenraum: Das Interieur der Studie wirkt seriennah

Innen geht es deutlich spektakulärer zu, was auch an Renaults neuer Definition der Ambientebeleuchtung liegt. Rund um den kompletten Passagierraum zieht sich ein breites Panel, auf dem futuristisch anmutende Farben dargestellt werden. Sie befinden sich in einem ständigen Wechsel und bringen damit Dynamik in den Innenraum.
Renault Scenic Vision
Dank fehlender B-Säule ist der Einstieg in die Studie bequem. Der Innenraum wirkt luftig.
Das "Lenkrad" könnte auch aus einem Science Fiction-Film stammen und erinnert etwas an Teslas umstrittenen Yoke sowie das eckige Volant des Toyota bZ4X. Unterhalb der Windschutzscheibe sitzt ein weiterer Bildschirm, der sich fast über die gesamte Fahrzeugbreite zieht und kamerabasiert die gesamte, vor der Fahrzeugfront befindliche Umgebung, abbildet. Dadurch soll sich das Sichtfeld um mehr als 24 Prozent vergrößern. In der vorderen Reihe sind insgesamt zehn kleine Touchscreens angebracht, die wie Smartwatches aussehen und verschiedenen Funktionen dienen. Mit den an den Türinnenverkleidungen angebrachten Widgets verstellt man beispielsweise die Sitzposition.

Sicherheit: Die Airbags wandern in den Sitz

Dank einer neuartigen Technologie, die Renault "Cocoon Airbag" nennt, konnte der Armaturenträger betont schmal minimalistisch gehalten werden. Die Luftkissen sind nämlich in den Sitzen untergebracht und schmiegen sich bei einem Aufprall um die Körper der Passagiere. Der passiven und aktiven Sicherheit wurde bei der Konzeption der Studie laut des Herstellers ohnehin ein hoher Wert beigemessen.

Neue Assistenten für künftige Renault-Modelle

Da Unfälle nahezu immer durch menschliches Versagen verursacht werden, hat Renault den Scénic Vision mit drei neuen Technologien ausgestattet, die die Zahl tödlicher Unfälle zusammen um bis 70 Prozent reduzieren sollen. Der sogenannte "Safety Score" soll bald seinen Weg in Serien-Modelle finden. Das System wertet den jeweiligen Fahrstil aus und gibt dem Fahrer daraufhin Verbesserungsvorschläge. Der "Safety Coach" weist die Person hinter dem Steuer frühzeitig auf Risiken wie einen besonders kurvigen Straßenverlauf oder eine gefährliche Kreuzung hin. Dies geschieht auf Basis von ausgewerteten Umgebungs- und Navigationsdaten.
Renault Scenic Vision
Lautsprecher in den Kopfstützen und viel Licht – der Innenraum des Renault macht einiges her.

Und unter dem Namen "Safe Guardian" möchte der Autobauer zukünftig ein System anbieten, das mithilfe von Sensoren sowie einer Kamera die Fahrtüchtigkeit und die gesundheitliche Verfassung des Fahrers überwacht. Wenn dieser beispielsweise zu müde ist, wird er mit Signalen dazu aufgefordert, eine Pause zu machen.

Antrieb: Kleinere Batterie dank Wasserstoff-Range-Extender

Das eigentliche Highlight des Scénic Vision ist jedoch sein zukunftsorientierter Antrieb. Renault gibt einen Ausblick auf einen betont grünen Hybridantrieb. Im Alltagseinsatz handelt es sich um einen normalen Elektroantrieb, auf Langstrecken hat das Concept Car gegenüber herkömmlichen E-Autos jedoch ein Ass im Ärmel: Die Franzosen haben zusätzlich zur Batterie und dem 218 PS (160 kW) starken Heckmotor eine 15-kW-Brennstoffzelle verbaut, die während der Fahrt den Stromspeicher lädt und direkt hinter diesem im Unterboden des Fahrzeugs sitzt. So sollen ohne Ladestopp bis zu 800 Kilometer drin sein. Einzig der 2,5 Kilogramm fassende und vorne positionierte Wasserstofftank muss etwa alle drei Stunden gefüllt werden. Dieser Vorgang nimmt im Idealfall aber nicht einmal fünf Minuten in Anspruch.
Renault Scenic Vision
Am Heck trohnt ein beleuchtetes Markenlogo, dass sich farblich vom Fahrzeug absetzen kann.

Das Konzept hat aber noch einen weiteren Vorteil. Da der Range Extender langstreckentaugliche Reichweiten garantiert, kann die Batterie, die ihren Inhalt bei Bedarf in das Stromnetz zurückspeisen kann, bewusst kompakt und leicht gehalten werden. Dies macht sich nicht nur bei der Effizienz und den kürzeren Ladezeiten des Fahrzeugs positiv bemerkbar. Die Produktion des 40-kWh-Stromspeichers ist weniger energieintensiv als bei den Konkurrenten, während gleichzeitig die benötigte Menge kritischer Rohstoffe wie beispielsweise Lithium oder Nickel sinkt und bei der Produktion niedrigere Kosten anfallen.
Doch auch Renault ist sich der fehlenden Infrastruktur und der geringen Verfügbarkeit von Wasserstoff bewusst, weshalb der Hersteller eine Serienreife des Wasserstoff-Hybrid erst zum Ende des Jahrzehnts für realistisch hält. Daher muss die Serienversion ab 2024 erst einmal vollelektrisch vorgestellt werden.

Nachhaltigkeit: Das Zauberwort heißt Recycling

Laut Renault soll der Scénic Vision einen um 75 Prozent kleineren CO2-Fußabdruck als andere vergleichbare E-Autos haben. Und das liegt nicht nur an der kleineren Batterie, sondern an einer betont nachhaltigen Grundphilosophie. Das Platin der Brennstoffzelle soll beispielsweise komplett recycelt sein und stammt aus ausgemusterten Auto-Katalysatoren.
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Die Rückleuchten erinnern an eine halbe Raute und zitieren damit das Markenlogo von Renault.

80 Prozent der in den Lithium-Ionen-Akku enthaltenen Rohstoffe sollen ab 2030 wiederaufbereitet und in neuen Renault-Batterien eingesetzt werden. Dazu kommt, dass die französischen Renault-Werke Flins und Cléon, aus denen die beiden essenziellen Bauteile stammen, ab 2025 klimaneutral produzieren sollen.

Von

Elias Holdenried