Bei Porsche-Tuner Techart ist "Hand anlegen" keine leere Floskel. Seit der Veredler 1987 seine Tore öffnete, werden im Baden-Württembergischen Höfingen bei Leonberg Sportwagen aus Zuffenhausen getunt. Begonnen hat alles mit der hauseigenen Sattlerei. Bis heute sind Werkstatt und Carbon-Manufaktur hinzugekommen. 67 Mitarbeitende vernähen Leder, gießen Lenkräder, entwickeln Leistungssteigerungen, backen Carbon. AUTO BILD hat den Tuner besucht und hinter die Kulissen geblickt. Wer sich den Videorundgang in voller Länge anschauen möchte, findet ihn auf unserem YouTube-Kanal.

Im Showroom wird geprotzt

Im Showroom treffen wir Kevin Rohrscheidt, Rennfahrer und Pressesprecher bei Techart, der heute für uns die Führung übernimmt. "Hier stehen jeweils unsere aktuellen Schätzchen für die Kunden bereit". Heute sind das zwei 992er 911, ein GT3 Touring und ein Turbo S mit Bodykit und saftigen 710 PS. Im Showroom geht es aber um mehr als nur die Autos.
Techart Manufaktur
Lenkräder, Sitzbezüge, Motorsteuergeräte, komplette Autos: Im Showroom sehen die Kunden, was möglich ist.


Ausgestellt sind auch verschiedenste Lenkräder, Leder- und Ziernaht-Muster, Felgen, Steuergeräte und mehr. Platz nehmen die Kunden auf Sesseln und Sofas von Rolf Benz. Eine Erinnerung an die einstige Kooperation zwischen Techart und dem Möbelhersteller, die allerdings nur überschaubare Früchte trug. Genau zwei Fahrzeuge sollen entstanden sein, beides Cayenne mit gerüschtem Stoff im Innenraum.

Werkstatt für Entwicklung und Service

Weiter geht's in die Werkstatt, hier herrscht ordentlich Betrieb. Einer von 87 Techart GT Street R steht kurz vor der Auslieferung und wird auf einer Hebebühne noch ein letztes Mal durchgecheckt. Der Kunde des 800-PS-boliden hat sich für einen grelltürkisenen Innenraum entschieden, der sich krass vom grauen Lack abhebt.
Techart Manufaktur
In der Werkstatt werden Autos umgebaut und gewartet. Links im Bild. Techart GT Street R kurz vor der Auslieferung.

Grau scheint in zu sein: Daneben thront ein Cayenne 92A Facelift mit komplett auseinander gebautem Interieur – die Kundin wünscht sich ein komplett in verschiedenen Grautönen gehaltenes Cockpit, passend zur Außenlackierung. "Hier werden nicht nur Autos umgebaut. Kunden können ihre Fahrzeuge auch einfach zum Service bringen", erklärt Kevin. Doch auch die Entwicklung und Erprobung von Leistungskits, Fahrwerken und anderen Technikteilen geschieht im eigenen Team.
OBD-Adapter
Carly-Adapter und Carly-App

Jetzt den Carly-Adapter bestellen und mit Rabattcode AUTOBILD 15 % sparen!

Fehlerdiagnose, Codierung und Gebrauchtwagen-Check: Mit dem OBD-Adapter für Android und iOS holst du dir die Kontrolle über dein Auto zurück!

In Kooperation mit

Carly-Logo

Selbst der Kindersitz wird beledert

Direkt an die Werkstatt schließt die Sattlerei an. Der Geruch nach frischem Leder passt zu den überall herumhängenden, riesigen gegerbten Tierhäuten in verschiedensten Farben. Hier werden Schnittmuster für alle möglichen Innenraumteile diverser Porsche-Modelle gefertigt und archiviert, um auf Kundenwunsch direkt die passenden Vorlagen bereit zu haben. In einem Regal entdecken wir dann auch die graue Innenausstattung des Cayenne aus der Werkstatt, inklusive Kindersitz. Möglich sind neben Leder auch Mikrofaser und Stoffe in allen möglichen Musterungen.
Techart Manufaktur
Blick in die Sattlerei. An der Wand hängen Schnittmuster für die Innenräume verschiedenster Porsche-Modelle.

Lenkräder als Verkaufsschlager

Ein besonderes Augenmerk verdienen die Techart-Lenkräder, die bei Kunden offenbar besonders beliebt sind. Grund: Porsche bietet nur runde Lenkräder mit relativ dünnem Kranz an, ohne individuelle Formgebung. Hier schafft der Tuner Abhilfe. Dazu werden die Serien-Teile bis auf die Metallstruktur komplett entkernt und mit einem neu gegossenen Kranz versehen – dicker, unten abgeflacht und mit anderer Ergonomie.
Techart Manufaktur
Serien-Lenkräder werden von Techart mit neu gegossenem Kranz versehen und anschließend nach Kundenwunsch bezogen.

Anschließend können Kunden wählen zwischen diversen Bezügen, Farben, Akzenten, Ziernähten, Carbon-Teilen, und vielem mehr. "Man kann jedes Schräubchen in anderer Farbe haben, den Fahrmodusschalter in Alcantara, die Breite der Mittenmarkierung ist wählbar, da kann man sich wirklich austoben", erklärt Sattlermeister Marco Reucci.

Beim Carbon sind den Wünschen keine Grenzen gesetzt

Ein paar Hausnummern von der Zentrale entfernt befindet sich die Carbon-Manufaktur. Vor allem Zierteile für den Innenraum und kleinere Karosserieteile werden hier gefertigt. Größere Teile wie Hauben oder Spoiler werden aufgrund begrenzter Ofengröße extern produziert. Der Entwicklungs-Vorgang ist aber immer gleich: positives Formteil entwerfen, daraus eine Negativform aus Carbon ableiten, die dann wiederum als Produktionsbasis für das eigentliche Carbon-Endprodukt dient.
Techart Manufaktur
Schaustücke der Carbonmanufaktur. Farben, Strukturen, Lasuren, alles kann nach Wunsch abgestimmt und angepasst werden.

"Im Designbereich können wir nach Lust und Laune spielen. Wir können die Oberflächen mit buntem Klarlack lasieren, bunte Fäden verweben, verschiedene Finishes oder auch andere Web- und Pressstrukturen darstellen, wie zum Beispiel Forged-Carbon", so Teamleiter Chris Zinth. Umgesetzt wird nach Möglichkeit alles, was sich Kunden wünschen. "Aktuell bin ich gerade dabei, etwas ganz Neues auszuprobieren, das hat man im Tuningbereich noch nicht gesehen", grinst Chris vielsagend. Was das ist, will er noch nicht verraten.

Zwei Mal 911 als krönender Abschluss

Nach der ausgiebigen Tour führt Kevin uns wieder zurück in den Showroom. Der zeigt sich plötzlich deutlich leerer als vorher. Sie erinnern sich an GT3 Touring und Turbo S? Die sind eben nach draußen gerollt und laufen sich warm, bereit für uns zum Test. Wollen wir mal sehen, ob sich all die Eigenentwicklungen gelohnt haben! (Die Fahrberichte finden Sie demnächst hier!)