Ultrace Düsseldorf 2026: Kommentar
Ultrace: So geht Auto-Event heute

Während Veranstaltungen wie die Essen Motor Show und Retro Classics überholt wirken, beweist Ultrace, dass es auch anders geht. Kommentar von Jan Götze!
Bild: Jan Götze
Viele Auto-Veranstaltungen langweilen mich. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber die Konzepte von Events wie der Essen Motor Show oder der Retro Classics in Stuttgart wirken auf mich schon seit Jahren überholt. Jetzt die Polen vom Club de Ultrace, wie es richtig geht!
Während in Deutschland nicht nur die Autoindustrie, sondern die gesamte Autokultur in einer mittelschweren Krise steckt, kommt das Team von Ultrace um die Ecke und macht vor, wie ein Auto-Event im Jahr 2026 aussehen kann – und dabei Petrolheads aller Alters- und Zielgruppen miteinander verbindendet. Am vergangenen Wochenende fand die 2011 von Adrian Kapica gegründete Event-Reihe zum ersten Mal in Deutschland statt – und ich war privat vor Ort.
Der Eintritt ist happig
Um ganz ehrlich zu sein: Meine Erwartungshaltungen waren – trotz saftiger Eintrittspreise (Tagesticket 85 Euro) – nicht besonders hoch. In meiner Vorstellung war Ultrace eine Tuning-Veranstaltung mit angeschlossener Driftshow. So begann die Geschichte schließlich auch 2011 (damals noch unter einem anderen Namen) auf einem Parkplatz im polnischen Breslau. Doch Ultrace wuchs schnell: Aus anfänglich 30 wurden über die Jahre mehrere Hundert Autos pro Event. Entscheidend ist dabei weniger die reine Anzahl als der einzigartige Vibe – Hochglanz sucht man hier bewusst vergebens.

Rennwagen, Oldtimer, Hypercars, Tuningfahrzeuge: Beim Ultrace waren Autos (fast) aller Art vertreten – nur Elektroautos waren nicht am Start.
Bild: Jan Götze
Neugierig machte mich schließlich ein düster anmutender Trailer mit einem Mercedes CLK GTR und einem C9. Kurzentschlossen bestellte ich Tickets für Ultrace Germany "Archived Dreams", ohne genau zu wissen, was mich erwartet. Am Eingang des Areal Böhler in Düsseldorf begrüßte mich ein Porsche 718 Cayman GT4, der auf dem Boden lag – genau die Art von Autos, mit der ich gerechnet hatte.
Die Autos entschädigen
Doch schon die erste Halle hat mich komplett umgehauen. Das Mercedes-Benz Museum hat sich als offizieller Partner des Ultrace Germany nicht lumpen lassen und mächtig aufgefahren: C9, C112, C292 und CLK GTR. Diese vier automobilen Legenden außerhalb des Museums in diesem rauen Industrie-Ambiente und ohne Absperrungen zu sehen – das allein war den Eintrittspreis bereits wert.

Das Mercedes-Benz Museum war Partner vom Ultrace und hat ordentlich aufgefahren. Von vorne nach hinten: C9, C112, C292 – und der CLK GTR verschwindet im Nebel.
Bild: Jan Götze
Und das war erst der Anfang. Auch die gigantische Haupthalle enttäuschte nicht: Ein Bugatti Bolide stand neben einem Mitsubishi Evo VIII, dem BMW 328 Kamm Coupé und dem Amphibienfahrzeug Sherp, das einen straßenzugelassenen Pagani Zonda R auf einem Trailer geladen hatte. Sie merken schon: Die Durchmischung war der pure Wahnsinn. Während Veranstaltungen wie die Essen Motor Show an streng vorsortierten Hallen festhalten, standen die Autos beim Ultrace scheinbar wahllos nebeneinander – was am Ende genau den Reiz ausmachte.
Und obwohl das Ultrace alles andere als eine Oldtimer-Veranstaltung ist, ließ es sich auch BMW Classic nicht nehmen, mit mehreren Fahrzeugen Präsenz zu zeigen – darunter das M3 E46 Touring Concept und der M5 CSL. Dazu kamen Kleinserienhersteller wie Capricorn, die ein Heimspiel hatten, oder HWA, die kurzerhand ein kleines Studio für ihren Evo einrichteten. Der VW-Konzern hingegen glänzte durch Abwesenheit.
Mindestens so vielfältig wie die Autos war auch das Publikum – ein weiterer Baustein für den besonderen, lockeren Vibe. Ob Oldtimer-Sammler, Hypercar-Nerd oder Tuning-Freak: Beim Ultrace sind Petrolheads aller Art willkommen. Und: Über den Tag gab es immer wieder Soundchecks – etwa mit Autos wie einem Mercedes-AMG GT3 oder dem legendären BMW X5 Le Mans gemacht. Einfach herrlich!
Nachts wird es ein Rave
Doch daswar noch nichts im Vergleich zu dem, was nach Einbruch der Dunkelheit passierte. Am Abend verwandelte sich das Areal Böhler in einen einzigen Rave – vorausgesetzt, man investierte weitere 35 Euro für den Night Access. Hardcore-Techno traf auf automobile Legenden im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro. So etwas habe ich noch nie erlebt. Und genau DAS macht das Ultrace so einzigartig – und alles andere als langweilig.
Ich jedenfalls spiele schon mit dem Gedanken, mir Tickets für Ultrace Gdansk Ende Juni zu sichern.
Service-Links
