VW Golf 1.5 eTSI, Kia K4 1.6 T-GDI, Mazda3 Skyactiv-G 140: Test
Kompakte im Vergleich: Kia K4 und Mazda3 fordern den VW Golf heraus

Die achte Generation des VW Golf verspielte bei seinen Anhängern zunächst viele Sympathien. Gelingt es Kia K4 und Mazda3 jetzt, ganz vorn mitzumischen?
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Uns Männern wird ja nachgesagt, wir trügen eine Vorliebe für Multitools in uns. Wo auf Frauen-Shampoos eher so etwas draufsteht wie "für extrasprödes, trockenes Haar mit leichter Biegung", freuen wir uns, wenn etwas möglichst universell einsetzbar ist. "All-in-One-Shampoo, für Haus, Hecke, Haar und Auto" – oder so …
Drei Kompakte im Vergleich
Achte Golf-Generation hatte Startschwierigkeiten
Im Dreikampf muss sich der Golf hier die Frage gefallen lassen, ob er denn wirklich noch so souverän gewinnen kann wie vor einigen Jahren. Denn erstens ist die Konkurrenz stark.

Klassiker: Die achte Generation des Golf hatte einen holprigen Start. Ihre Schwächen in der Bedienung sind aber mittlerweile behoben.
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Mazdas Altbackenheit ist wohltuend
Mit wohltuender Altbackenheit fällt vor allem der Mazda auf. Mit seinen digital gestalteten Rundinstrumenten, den lederbezogenen Oberflächen auf Armaturenbrett und Türverkleidung sowie dem Drehdrücksteller in der Mittelkonsole wirkt er wie aus einer anderen Zeit – und ist mit Marktstart 2019 auch der Älteste hier.

Klassisch: Der Mazda3 gibt sich konventionell mit vielen echten Schaltern und Tasten. In Sachen Bedienung ist er leicht zu erfassen.
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Ergonomisch wirkt das Ganze stimmig, wenn man von einigen Kleinigkeiten absieht. So ist etwa der mittlere Bildschirm zwar mit einer Touch-Funktion ausgerüstet, die allerdings nur in Apple CarPlay oder Android Auto aktiv ist. Und: Um überhaupt dranzukommen, muss der eigene Arm aufs maximal mögliche Maß ausgefahren werden. Oder man beugt sich vor – beides nicht optimal.
Fahrzeugdaten
Modell | Kia K4 1.6 T-GDI | Mazda 3 Skyactiv-G 140 | VW Golf 1.5 eTSI |
|---|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Vierzylinder, Turbo | Vierzylinder, Mildhybrid | Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette | Zahnriemen |
Hubraum | 1598 cm³ | 2488 cm³ | 1498 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 110 (150)/6000 | 103 (140)/5000 | 110 (150)/5000 |
Nm bei 1/min | 250/1500 | 238/3300 | 250/1500 |
Vmax | 205 km/h | 206 km/h | 224 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung | Sechsgang manuell | Siebengang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/40 R 18 W | 215/45 ZR 18 | 225/40 R 18 Y |
Reifentyp | Continental EcoContact 7 S | Michelin Pilot Sport 5 | Bridgestone Potenza S005 |
Radgröße | 8 x 18" | 7 x 18" | 7,5 x 18" |
Abgas CO2* | 155 g/km | 133 g/km | 116 g/km |
Verbrauch* | 6,9 l/100 km | 5,9 l/100 km | 5,1 l/100 km |
Tankinhalt | 47 l | 51 l | 50 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super | Super |
Partikelfilter | Serie | Serie | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 64 dB(A) | 63 dB(A) | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1410/500 kg | 1300/600 kg | 1500/680 kg |
Stützlast | 75 kg | 80 kg | 80 kg |
Kofferraumvolumen | 438-1217 l | 351-1026 l | 381-1237 l |
Länge/Breite/Höhe | 4440/1850–k. A.**/1435 mm | 4460/1795–2028**/1440 mm | 4282/1789–2073**/1483 mm |
Radstand | 2720 mm | 2725 mm | 2620 mm |
Grundpreis | 34.290 Euro | 29.190 Euro | 36.440 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 40.950 Euro | 35.990 Euro | 43.145 Euro |
Ab der B-Säule findet der Luxus dann ohnehin ein jähes Ende. Der enge Einstieg in die zweite Reihe trifft auf ebenso wenig Platz für die Knie. Im Kofferraum (351–1026 Liter) sucht man vergeblich praktische Features wie Verzurrösen. Insgesamt entspricht das Raumangebot hinten eher dem eines Kleinwagens. Das schicke Heck hat seinen Preis.
Viel Platz im Kia-Fond
Die Kia-Designer gingen einen ganz anderen Weg. Wer für jeden rechten Winkel am K4 einen Kurzen trinkt, muss bald zu Fuß nach Hause. Mit 4,44 Metern streckt er sich ähnlich weit wie der Mazda, wirkt aber länger. Innen geht es trotz flacher Linie geräumig zu. Vor allem im Fond fällt das Platzangebot großzügig aus, der K4 bringt Mitfahrer mit reichlich Kniefreiheit auf einer etwas zu straff gepolsterten Bank unter.

Der Kia K4 bringt seine Passagiere zwar mit viel Platz vor den Knien unter, die Füße passen aber nur schlecht unter die Vordersitze.
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Vorn sitzt man etwas höher, als es sportlichen Fahrern lieb ist, hinter einer stark geneigten Frontscheibe. Die Bedienung verlangt etwas Eingewöhnung: Der Schalter für die Lenkradheizung sitzt in der Tür, das Hauptmenü ist mit Funktionen wie "Sprachnotiz" oder "Sport" überfrachtet, die man selten nutzt. Für die Klimatisierung gibt es einen eigenen Bildschirm, der jedoch während der Fahrt teilweise vom Lenkrad verdeckt wird.
VW hat bei der Bedienung nachgebessert
Der Golf kann hier mittlerweile wieder Punkte sammeln. Der Touchscreen bedient zwar nach wie vor (zu) viele Funktionen, die Menüs sind aber passend strukturiert und das ganze System nun angenehm reaktionsschnell. Die Touch-Tasten am Lenkrad sind passé, dazu lässt sich die Golf-Karosse am intuitivsten abschätzen, und er bietet mit seinen ergoActive-Sitzen den besten Sitzkomfort sowie die vielfältigsten Verstellmöglichkeiten.

Jetzt passt's: Der Touchmonitor bedient immer noch viele Funktionen, aber er zeigt sich reaktionsschnell, und die Menüs sind klar strukturiert.
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Auch die gute Raumausnutzung fällt auf. Der Golf ist gut 15 Zentimeter kürzer als die anderen beiden und bietet mit umgeklappter Bank trotzdem das größte Gepäckabteil. Mit aufrechter Bank sind es 381 Liter – also Mittelfeld.
Weite Spreizung im Golf-Fahrwerk
Hinterm Steuer zeigt der Golf sowieso alles, was Wolfsburg kann. Dazu zählen eine gute Geräuschdämmung und eine wunderbare Progressivlenkung, die den Golf noch einmal eine halbe Klasse kleiner wirken lässt. Unterstützt wird das von einer verwindungssteifen Karosserie und den optionalen Adaptivdämpfern, die eine ungewöhnlich breite Spreizung bieten.

Die Adaptivdämpfer des Golf schaffen den Spagat zwischen Komfort und Sport. Mit der Progressivlenkung ist der VW sehr handlich.
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Auch das DSG fügt sich ins Bild geschmeidig ein, schaltet unauffällig und angenehm verschliffen. Der mildhybridisierte Antrieb wirkt spritzig und klingt allenfalls obenrum etwas angestrengt. Mit 5,8 Liter Super bleibt der Golf am sparsamsten, mit 10,8 Meter Wendekreis auch am wendigsten. Nicht einfach, da mitzuhalten.
K4 mit geringer Reichweite
Der Kia K4 versucht es auch hier mit Eigenständigkeit. Sein Antrieb klingt kernig und wirkt durchaus temperamentvoll, spricht aber nicht immer ganz sauber an. Gerade beim Anfahren zeigt sich eine gewisse Ungeschliffenheit, und es gibt einen mehr oder minder großen Ruck.

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Auf nasser Fahrbahn kann das schnell in Traktionsprobleme umschlagen, wenn die Vorderräder schlagartig in Bewegung kommen. Auch verbraucht der K4 mit 6,8 Litern am meisten, legt auf der Autobahn ("Sportverbrauch") mit 8,5 Litern noch mal spürbar einen drauf. In Kombination mit dem eher kleinen 47-Liter-Tank ergeben sich so recht mickrige 553 Kilometer Reichweite bei höheren Geschwindigkeiten.
Messwerte
Modell | Kia K4 1.6 T-GDI | Mazda 3 Skyactiv-G 140 | VW Golf 1.5 eTSI |
|---|---|---|---|
Beschleunigung | |||
0–50 km/h | 3,4 s | 2,8 s | 3,0 s |
0–100 km/h | 8,8 s | 8,3 s | 8,2 s |
0–130 km/h | 14,3 s | 14,4 s | 13,3 s |
0–160 km/h | 22,6 s | 25,1 s | 20,9 s |
Zwischenspurt | |||
60–100 km/h | 4,6 s | 4,5 s | 4,4 s |
80–120 km/h | 6,0 s | 6,4 s | 5,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 1481/459 kg | 1407/497 kg | 1370/490 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 61/39 % | 63/37 % | 61/39 % |
Wendekreis links/rechts | 11,3/11,4 m | 11,7/11,5 m | 10,8/10,9 m |
Sitzhöhe | 545 mm | 515 mm | 515 mm |
Bremsweg | |||
aus 100 km/h kalt | 34,0 m | 34,3 m | 34,7 m |
aus 100 km/h warm | 33,9 m | 33,8 m | 33,4 m |
Innengeräusch | |||
bei 50 km/h | 58 dB(A) | 60 dB(A) | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) | 65 dB(A) | 66 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) | 70 dB(A) | 69 dB(A) |
Verbrauch | |||
Sparverbrauch | 6,1 l S/100 km | 6,3 l S/100 km | 5,1 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 6,8 l S/100 km (-1 %) | 6,0 l S/100 km (+2 %) | 5,8 l S/100 km (+14 %) |
Sportverbrauch | 8,5 l S/100 km | 7,7 l S/100 km | 7,2 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 161 g/km | 142 g/km | 137 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 691 km | 850 km | 862 km |
Was schade ist, denn langstreckentauglich ist der K4 ansonsten durchaus. Das Fahrwerk ist straffer abgestimmt als das Grund-Setup im Golf, aber noch völlig sozialverträglich. Darüber hinaus gibt es massig Assistenz, die in ihrer Geschliffenheit nicht ganz mit der des VW mithält.
Mazda3 mit dem größten Hubraum
Der Mazda3 setzt auf dezente Sportlichkeit. Seine Lenkung spricht linear und gleichmäßig an, vermittelt bei Landstraßentempo ansprechendes Feedback von der Vorderachse und passt gut zum ebenfalls eher straff abgestimmten Fahrwerk. Der 2,5-Liter-Saugmotor überzeugt mit gleichmäßigem und spontanem Ansprechen, wirkt durch die lange Übersetzung aber temperamentloser, als er müsste.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Bei 140 km/h liegen im sechsten Gang gerade einmal 3000 Umdrehungen an, den Sprint auf 100 km/h absolviert man faktisch nur in den ersten beiden Gängen. 6,2 Liter Testverbrauch bei 2,5 Liter Hubraum bestätigen so das Mazda-Mantra, dass mehr Hubraum nicht argen Benzindurst bedeuten muss. Zudem kommt der Dreier noch ohne Ottopartikelfilter aus.
Platzierung
Modell | VW Golf | Kia K4 | Mazda3 |
|---|---|---|---|
Punkte* | 587 | 550 | 546 |
Platz | 1 | 2 | 3 |
Testnote | 1,8 | 2,2 | 2,2 |
Fazit | Lässt sich mittlerweile nicht mehr viel ankreiden. Ein sehr ausgewogenes Paket. | Viel Technik und Platz, aber wenig echte Highlights – und (zu) großer Benzindurst. | Weniger Massengeschmack, mehr Extravaganz. Aber auch wenig Platz. |
Wie der Golf setzt auch er auf eine Zylinderabschaltung, wenn lediglich Teillast abgerufen wird. Dazu kommt bei allen eine Mildhybridisierung. Beim Bremsen schließlich liefern sich mit Werten zwischen 34 und 35 Metern alle drei ein enges Rennen – hier gibt sich keiner eine Blöße.
Golf ist klar der Teuerste
Überraschend eng ist der Abstand am Ende auch im Kostenkapitel: Ja, in der Anschaffung ist der Golf wie getestet am teuersten. 43.145 Euro sind rund 2000 Euro mehr als beim Kia und über 7000 Euro mehr als beim Mazda (der hier aus Verfügbarkeitsgründen als Handschalter antritt).

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Im Unterhalt aber bietet der VW nicht nur den geringsten Verbrauch, sondern auch ein zweijähriges Wartungsintervall sowie die mit Abstand günstigsten Typklassen bei Haftpflicht, Teil- und Vollkaskoversicherung. Bei der Garantie (Mazda sechs, Kia sieben Jahre) dürften sie in Wolfsburg gern einen drauflegen.
Fazit
Der Golf kann es noch – und zwar erstaunlich locker. Die achte Generation überzeugt nicht mit emotionalem Auftritt, aber mit Ausgewogenheit. Der Mazda3 spricht nach wie vor Designaffine an, die maximal zu zweit sind. Der K4 hat zum Vorgänger Ceed vor allem bei Dämmung und Assistenz zugelegt. Teilweise fehlt etwas Feinschliff.
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