Bei Volkswagen sind sie meist spät dran. Trends rennt man in Wolfsburg in der Regel erst dann hinterher, wenn sie den Trend-Status fast schon wieder verlassen haben – und der Erfolg längst in dauerhafte Bahnen gelenkt wurde. Meist von anderen.
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VW

ID.3 Neo

VW ID.3 Neo
Mit dem ID.3 sollte das mal anders sein. Der Elektro-Golf kam früh, im September 2019 stand er auf der IAA in Frankfurt. Mit ihm wollte VW die Flucht nach vorne antreten, die nach Diesel müffelnden Tiefen des Abgasskandals hinter sich lassen und ein Zeichen gegen die Pioniere von Tesla setzen. Einmal alles neu – nur lief man damit gleich wieder Gefahr, die eigene Klientel zu verärgern.

Überblick: Für wen passt der VW ID.3 Neo?

  • Für Umsteiger vom Golf: Die deutlich bessere Materialanmutung und die Rückkehr zu mehr physischen Tasten kommen besonders Kunden entgegen, die gewohnt VW-Qualität und einfache Bedienung schätzen.
  • Für Pendler und Vielfahrer: Der neue E-Motor ist deutlich sparsamer, im Test schaffte der ID.3 Neo 408 Kilometer Reichweite – 50 mehr als sein Vorgänger. Zudem ist endlich auch ein One-Pedal-Modus an Bord.
  • Für Familien und Paare: Gemessen an seinen kompakten Außenmaßen hat der ID.3 Neo einen überraschend großzügigen Innenraum. Vor allem auf den Rücksitzen bietet er viel Platz und einen bequemen Einstieg.

ID.3 Neo mit leicht gestraffter Optik

Waren VW-Fahrer bislang wenig modische, aber sorgsam durchentwickelte Autos gewohnt gewesen, entsprach der ID.3 eher dem Bananenprinzip und reifte beim Kunden. Qualitätsanmutung, Software und Bedienung erfüllten zunächst kaum die Erwartungen an die Marke und kosteten Vertrauen.
VW ID.3 NeoVW ID.3 Pro 59 kWh
Designvergleich: Die Frontschürze und die Scheinwerfer des ID.3 wurden beim Neo (links) geändert, zudem leuchten die Leiste und das Logo im Grill (ab Ausstattungslinie "Style"). Riesig sind die Unterschiede zum bisherigen ID.3 (rechts) aber nicht.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Womit wir im Hier und jetzt angekommen wären. VW hatte über die Jahre bereits an vielen Stellen nachgebessert. Dennoch soll der neue ID.3 mehr sein als nur ein Facelift. Damit das auch bloß keiner übersieht, hat man den Namenszusatz "Neo" lieber gleich mit aufs Heck geschrieben. Wie viel Neues steckt tatsächlich drin?

Innenraum ist deutlich aufgewertet

Wer die äußeren Straffungen und Modernisierungen links liegen lässt und sich gleich den inneren Werten des Neo widmet, wird schnell fündig. Die vielfach kritisierte Plastikwüste im Cockpit ist jetzt endgültig passé: Stoffüberzüge auf dem vorderen Teil des Armaturenbretts werden von mehr soften Materialien in den Türen flankiert.
VW ID.3 Neo
Hochwertiger: Die Plastikwüste des Vorgängers ist aus dem ID.3 Neo verschwunden. Es gibt Stoffbezüge auf dem Armaturenbrett und softe Materialien in den Türen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wer genauer an den hinteren Türen herumtatscht, spürt noch immer ein wenig den Rotstift. Dennoch fühlt man sich geneigt, jenen VW-Controllern ein kleines Blumensträußchen zu schicken, die ein paar Euro für Investitionen lockergemacht haben.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Einbaulage
hinten
Spitzenleistung
140 kW (190 PS)
Dauerleistung
70 kW (95 PS)
maximales Drehmoment
350 Nm
Vmax
160 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung
215/50 R 19 H
Reifentyp
Bridgestone Turanza 6 Enliten
Radgröße
7,5 x 19"
Verbrauch*
14,4 kWh/100 km
Reichweite*
478 km
Batterieart
Lithium-Eisenphosphat (LFP)
Batteriekapazität
58 kWh
Ladeleistung AC/DC
11/105 kW
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung)
26 Minuten
Fach unter Frontklappe
Vorbeifahrgeräusch
66 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
–/–
Stützlast
Kofferraumvolumen
383–1336 l
Länge/Breite/Höhe
4265/1809–2070**/1561 mm
Radstand
2769 mm
Grundpreis
39.195 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
47.500 Euro
Zweite wichtige Baustelle: die Bedienung. Um alles wieder ein wenig einfacher zu gestalten, ließ VW an der ein oder anderen Stelle wieder mehr Tasten einziehen. In der Tür zum Beispiel, wo statt zwei nun wieder vier Fensterhebertasten auf den Fahrer warten. In der Mitte, wo ein Lautstärkeregler sich drehen lässt und als Joystick genutzt werden kann, um vor und zurück zu skippen.
VW ID.3 Neo
Deutliche Verbesserung: Tasten für die Klimabedienung gab es bislang nicht. Ein Joystick auf der Mittelkonsole erleichtert die Bedienung zusätzlich.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Und direkt vor dem Fahrer, wo nun ein neues Echte-Tasten-Lenkrad vor einem Display sitzt, das nicht mehr so Mäusekino-mäßig anmutet. Wohl ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein ziemlich großer für Wolfsburg.

Die gute Raumökonomie ist geblieben

Jetzt, wo die Laune weniger durch all jene Schrulligkeiten getrübt wird, fallen die Stärken des ID.3 subjektiv mehr ins Gewicht. Dazu zählt insbesondere die gute Raumausnutzung. Weil der VW auf eine dynamische Linie pfeift und in seiner Hochbeinigkeit eher an den alten Golf Plus (zuletzt Sportsvan) erinnert, geht es in der Kabine großzügig zu.
VW ID.3 Neo
Passt auch mit knapp zwei Metern noch – für ein eher kurzes Auto bietet der ID.3 Neo hinten viel Platz und eine bequeme Sitzposition.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Besonders im Fond, wo mancher Konkurrent in eine Fötus-artige Haltung zwingt, gibt sich der ID.3 unkompliziert, erleichtert durch große Türen den Einstieg und schafft auch ohne Glasdach ein freundliches Ambiente. Kleine Abstriche machen muss man beim Gepäck: Der Kofferraum ist mit 385 bis 1336 Litern eher Durchschnitt, der optionale Haken am Heck (415 Euro) nur für Fahrradträger gedacht.

Infotainment mit neuen Features

Die Software des ID.3 war zuletzt nach diversen Überarbeitungen bereits nichts mehr, worüber man sich aufregen musste. Trotzdem hat VW nachgelegt, sanft umgestaltete Benutzeroberflächen und ein paar zusätzliche Möglichkeiten zur Individualisierung spendiert.
VW ID.3 Neo
Neu: Die Übersicht der Assistenzsysteme gab es bisher nicht.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dazu eine Satellitenkarte à la Audi, die auch vor dem Fahrer eingeblendet werden kann. Zu den weiteren Neuerungen zählen aufgefrischte Assistenzsysteme, darunter ein Travel Assist, der den ID.3 nun noch selbstbewusster durch die Gegend bugsiert, wenn die Bedingungen mal schlecht sind, was die Fahrbahnmarkierungen angeht. Dazu kommt jetzt auch eine Ampelerkennung.

In Fahrt zeigt sich der ID.3 Neo sehr agil

In Bewegung zeigt der ID.3 noch einmal alles, was Wolfsburg kann. Obwohl mit rund 1,9 Tonnen kein Leichtgewicht, kitzeln Adaptivfahrwerk und Progressivlenkung (1160 Euro) Erstaunliches aus seinem Chassis heraus. Die 4,27-Meter-Fuhre reagiert direkt auf Einlenkbefehle, ist sehr agil (10,4 Meter Wendekreis).
VW ID.3 Neo
Weite Spreizung: Sein in 15 Stufen verstellbares Adaptiv-Fahrwerk macht den ID.3 Neo wahlweise agil oder komfortabel.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Gleichzeitig kann es der ID.3 Neo aber auch komfortabel, wenn das vom Fahrer gewünscht und anhand der 15 möglichen Dämpfer-Stufen entsprechend eingestellt wird. Der Heckantrieb bleibt stets Herr der Lage, die immerhin 350 Newtonmeter werden von einer aufmerksamen Stabilitäts- und Traktionskontrolle begleitet. In dieser Geschliffenheit beherrscht all das in dieser Klasse kaum ein anderer.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,9 s
0–100 km/h
7,9 s
0–130 km/h
13,0 s
0–160 km/h
21,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,3 s
80–120 km/h
5,7 s
Leergewicht/Zuladung
1905/445 kg
Gewichtsverteilung v./h.
48/52 %
Wendekreis links/rechts
10,4/10,4 m
Sitzhöhe
600 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
33,6 m
aus 100 km/h warm
33,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A)
bei 100 km/h
65 dB(A)
bei 130 km/h
68 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
12,0 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
15,7 kWh/100 km
(+9 %)
Sportverbrauch
20,2 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite
408 km

Neuer Motor ist deutlich sparsamer

Antriebsseitig ist der Neo der erste VW auf dem Markt, der auf dem geupdateten Antriebsbaukasten MEB+ basiert. Bedeutet: Hier kommt eine neue E-Maschine (APP350) zum Einsatz, die im Unterschied zu ihrem Vorgänger sparsamer laufen und größere Reichweiten ermöglichen soll.
VW ID.3 Neo
Ordentlich: Dank einer neuen, sparsameren Elektromaschine an der Hinterachse schafft der ID.3 Neo jetzt 408 Kilometer mit einer Akkuladung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Im Gegensatz zum alten ID.3 sparte der Neo im Test tatsächlich knappe zwei Kilowattstunden ein (15,7 kWh) und erreichte 50 Kilometer mehr Gesamtreichweite (408 Kilometer). Dabei lädt der Neo seinen 58-kWh-LFP-Akku in der Spitze nun mit leicht reduzierten 105 kW (früher 120). Neu und von der Kundschaft lange gefordert: ein One-Pedal-Modus, der sich zweifach in seiner Stärke justieren lässt.

Wertung VW ID.3 Neo

Wertung VW ID.3 Neo
Karosserie
Gemessen an nicht mal 4,30 Meter Länge viel Platz. Jetzt wertigere Materialien – vor allem vorn.
3,5 / 5
Antrieb
Neuer, sparsamerer Antrieb, läuft sehr leise. Jetzt mit One-Pedal-Modus. Mäßige 160 km/h Spitze.
4 / 5
Fahrdynamik
Nicht leicht, aber leichtfüßig anmutend. Direkte Lenkung, kleiner Wendekreis, gute Bremsen.
4 / 5
Connected Car
Viele Apps verfügbar, Sprachsteuerung mit KI-Unterstützung. Handy-Schlüssel jetzt möglich.
4,5 / 5
Umwelt
Mit geringem Verbrauch, niedrigen Außengeräuschen und lokaler Emissionsfreiheit gerüstet.
4 / 5
Komfort
Bedienschwächen ausgeräumt, auf Wunsch sanft gefedert und mit guten Sitzen – sehr angenehm.
4,5 / 5
Kosten
Stolzer Listenpreis, derzeit mit Rabatt. Wartung nur alle zwei Jahre nötig. Nur zwei Jahre Garantie.
3 / 5
AUTO BILD-Testnote
1,5

Preisliste beginnt bei 39.195 Euro

Mindestens 39.195 Euro ruft VW für den Neo mit mittlerem Akku auf. Eine Wärmepumpe (1090 Euro) muss extra bezahlt werden. Die Listenpreise scheint man in Wolfsburg allerdings eher als Empfehlung zu verstehen und kündigt schon auf der eigenen Website satte Rabatte an.
VW ID.3 Neo
Für den ID.3 Neo mit mittlerem Akku werden mindestens 39.150 Euro. Da VW satte Rabatte gewährt ergeben sich faire Preise für den kompakten Stromer.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Letztlich entstehen so faire Preise für ein Auto, das nach sechseinhalb Jahren wieder gewohnte VW-Qualität bieten kann. Vielleicht rennen sie bei VW gar nicht zu spät den Trends hinterher. Vielleicht entwickelt man einfach nur zu lang an den eigenen Ideen herum.

Die wichtigsten Fragen zum VW ID.3 Neo

Was unterscheidet den Neo vom bisherigen ID.3?

Der ID.3 Neo hat neben einem optischen Update zahlreiche technische und qualitative Verbesserungen. Dazu gehören ein neuer, sparsamerer Motor, hochwertigere Materialien im Innenraum, eine vereinfachte Bedienung mit mehr physischen Tasten, ein überarbeitetes Infotainment-System sowie neue Assistenzfunktionen.

Was hat sich am Antrieb geändert?

Der ID.3 Neo ist das erste VW-Modell, das auf dem weiterentwickelten MEB+-Baukasten basiert. Der neue Elektromotor namens APP350 arbeitet effizienter als bisher und ermöglicht eine höhere Reichweite.

Wie fährt sich der ID.3 Neo?

Der ID.3 Neo verbindet agiles Fahrverhalten mit hohem Fahrkomfort. Adaptivfahrwerk und Progressivlenkung sorgen für präzises Handling.

Wie hoch ist die Reichweite?

Im Test erreichte der ID.3 Neo mit seinem 58-kWh-Akku eine Reichweite von 408 Kilometern. Der Verbrauch sank gegenüber dem Vorgänger um knappe zwei kWh auf 15,7 kWh/100 km.

Bildergalerie

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VW ID.3 Neo im Test

Fazit

von AUTO BILD
Vergessen wir mal, was war: Der ID.3 Neo aus dem Jahr 2026 liefert ab – und zwar ordentlich. Er punktet mit Technik und seiner Vielseitigkeit. Der neue, sparsamere Motor macht die kleineren Akkus attraktiver als zuvor. AUTO BILD-Testnote: 1,5