Früher war alles anders. Sogar das Tempo. 200 km/h – das war wie eine Schallmauer! Die wenigsten Autos schafften es. Und überhaupt: maximal im tempofreudigen Deutschland, eine exklusive Sache für Linke-Spur-Fahrer. Außerdem ein Psycho-Ding mit Garantie auf schwitzige Hände, moralisch bedenklich und – da gibt's nix zu deuteln – tatsächlich gefährlich.
200 km/h sind längt keine magische Grenze mehr
Solide: Auch ein Golf 1.5 TSI schiebt seine Nase mit bis zu 216 km/h durch den Wind – und strengt kaum an.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Heute ist das anders. Zumindest aus technischer Sicht. Aktuelle Autos leisten – im Durchschnitt aller Neuwagen – rund 140 PS. Schnipps, schon fliegt der Zeiger auf 200. So etwas schaffen inzwischen sogar Kleinwagen (etwa der 230 km/h schnelle Opel Corsa OPC). Selbst Busse (ein VW T6 2.0 TDI schafft 203 km/h) knacken die magische Grenze quasi im Vorbeirauschen. Dennoch: So viel Tempo bleibt eine heikle Sache. Auch wenn in Sachen Motorleistung die linke Spur meist kein Problem ist, die Physik heizt immer noch mit. Windwiderstand, Bremsen, Spurtreue, Reaktionsvermögen des Fahrers – Tempo 200 muss ungleich zuverlässiger beherrscht sein als Richtgeschwindigkeit. Schließlich legt ein Fahrzeug bei 200 km/h in einer Sekunde 19 Meter mehr Strecke zurück als bei 130 km/h.
Nicht jeder Testkandidat kommt mit hohem Tempo gut zurecht
Fahrmaschine: Dass ein Porsche 911 Turbo S die 200 km/h ganz locker beherrscht, ist keine Frage.
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Uns interessiert in dieser Story, was mit Autos bei 200 Sachen so alles passiert. Macht das Tempo der Technik zu schaffen? Wie fühlt sich der Fahrer? Und: Was kostet der Spaß – die Umwelt und an der Tankstelle? Wir haben zehn Typen über die Bahn gescheucht. Vom Gebrauchten (Mercedes C 180 K mit 420.000 Kilometer Laufleistung) bis zum Supersportler (580 PS starker Porsche 911 Turbo S) mussten die Kandidaten Erkenntnisse über den Verbrauch, die Lärmentwicklung oder auch das Bremsvermögen liefern. Nicht allen Typen haben wir das gesamte Messprogramm zumuten wollen oder können. Unsere alte, weiße C-Klasse durfte ihre betagten Bremsen schonen. Der mächtige Dodge Ram Pick-up ist vom Hersteller aus Sicherheitsgründen auf 195 km/h eingebremst. Und die V-Klasse von Mercedes hat es auf unserer 2,6 Kilometer langen Testbahn schlicht nicht geschafft, auf 200 km/h zu beschleunigen.
So haben wir getestet: Vollbremsung aus 200 km/h, Lärmentwicklung und der Verbrauch bei diesem Tempo – das sind die wichtigsten Kriterien, die wir geprüft haben. Weitere Werte: Die zehn Kandidaten mussten auch ihr Beschleunigungsvermögen unter Beweis stellen. Außerdem haben wir anhand satellitengestützter Technik die Tachoabweichungen geprüft sowie die im jeweiligen letzten Gang erreichten Drehzahlen des Motors erfasst. Neben der Sprintprüfung haben wir zudem die Dauer der Zwischenspurts von Tempo 130 auf 200 ermittelt. Subjektive Aspekte unseres Tests: Geräuschempfinden und Geradeauslauf.
Wie unsere zehn Testkandidaten abgeschnitten haben, erfahren Sie in der Bildergalerie.
Mit Schmackes auf der linken Spur – klar, politisch nicht korrekt. Wir wollten jedoch wissen: Wie sicher oder unsicher ist das? Fest steht: Tempo 200 ist heute problemlos machbar. Ob es sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.
Die Leistung für 200 km/h schafft er locker, an anderem Rüstzeug für diese hohe Geschwindigkeit hapert es dagegen.
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Angefangen beim Geräusch: Der Abarth Spider ist brutal laut. Windgeräusche zerren und tosen am dünnen Verdeck, der Motor krakeelt, ...
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... wir haben heftige 86 dB(A) ermittelt.
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Trotz vermeintlich viel windschlüpfigerer Karosserie (zum Beispiel gegen den VW Golf) verbrennt der Abarth bei Tempo 200 mit 17,7 l/100 km sogar noch etwas mehr Sprit als der Kompakte.
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Im sechsten Gang rotiert die Kurbelwelle ...
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... des 1.4-Turbo-Benziners rund 5100-mal in der Minute – auch das trägt zum "gestressten" Eindruck bei, den der Roadster bei 200 km/h hinterlässt, ...
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... wobei 200 km/h auf der Anzeige tatsächliche 193 km/h sind.
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Doppelte Fensterscheiben vorn (Verbundglas, 150 Euro Aufpreis) sperren das Windzischen beim Audi Q5 2.0 TFSI aus, ...
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... dick eingemummelt in Dämmmaterial ackert zudem der kultivierte Vierzylinder sehr gut geräuschisoliert unter der Haube; ...
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... am Ende hört sich der Q5 beinahe entspannt an, wenn er mit 200 Sachen ...
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... und "ruhigen" 3250/min über die Bahn jagt. Und auch der Tacho hat Speed: Statt 194 zeigt die Skala schon 200 km/h an.
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Schade: Das hohe Tempo lässt Lenksäule und Pedalerie vibrieren, hier spürt man doch eine Anstrengung. 17,1 Liter trinkt der Q5 dabei im Durchschnitt – erstaunlich genügsam für ein Benziner-SUV dieser Größenliga.
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Gefühlt macht das hohe Tempo einem 5er-BMW überhaupt nichts aus, ...
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... der Biturbo des M550i schießt die immerhin zwei Tonnen schwere Limousine in weniger als 15 Sekunden auf die von uns gewählte Messgeschwindigkeit.
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Dann rollt der BMW im achten Gang über die linke Spur und nippt erstaunlich verhalten vom Superbenzin – 16,9 Liter.
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Tacho deutlich – inklusive Digitalziffer. Aber 6 km/h fehlen.
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Der 5er liegt satt auf der Bahn, federt erstklassig und lärmt kaum, ...
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... wenige Reifengeräusche dringen in den Innenraum. Einziger Kritikpunkt: Die Lenkung sollte mehr Rückmeldung rund um die Geradeausstellung liefern.
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Ein Ami auf der Autobahn? Die kennen doch nur "55-Meilen-Highways". Von wegen! Der Dodge Ram hat seinen Einbürgerungstest bestanden.
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Er sprintet tosend, aber scheinbar mühelos auf 195 km/h. Wie jetzt, keine 200? Nein, ihn fängt die elektronische Drosselung ein, ...
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... für weiteres Tempo ist er in Deutschland nicht zugelassen. Unerwartet leise dampft der Koloss durch den Fahrtwind, ...
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... im achten Gang sind vorrangig Reifenabrollgeräusche im Innenraum zu vernehmen. Kleiner Tacho für viel Kraft. Dafür sehr ehrliche Anzeige. Nur 2 km/h Abweichung
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Beim Verbrauch ist er wieder der gute alte Ami: 35,1 Liter auf 100 Kilometer schlägt hier keiner!
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Der Lexus IS 300h ist ein kleiner Schummler, ...
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... sein Tacho eilt drastisch vor (ihm fehlen acht km/h zur "echten" 200), sein teilelektrischer Hybridantrieb macht auf der linken Spur viel Radau, ...
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... und vom großen Drehmomentpfund der mitarbeitenden Maschine ist ab Tempo 160 aufwärts kaum noch etwas mitzubekommen.
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Dafür liegt er auch bei 200 Sachen noch vertrauenerweckend stabil auf der Straße, zieht nahezu stoisch seine Bahnen.
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Wie sehr schnelle Autobahnetappen dagegen den Hybridantrieb stressen, zeigt der Verbrauchswert: 20 Liter auf 100 Kilometer.
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Den "Oldie" Mercedes C 180 K haben wir geschont. Seine Bremsen durften pausieren, ...
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... den Motor (mit 420.000 Kilometer Laufleistung) haben wir beim Beschleunigen nicht vollends ausgedreht.
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Aber: Die Verbrauchsprüfung musste der Mercedes C 180 K Baujahr 2008 über sich ergehen lassen. 16,2 Liter Super verbrennt die Limousine im Schnitt, sobald sie 200 km/h schnell fährt.
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Dabei verheimlicht der Bordcomputer ganze drei Liter Verbrauch, und der Tacho gaukelt fünf km/h zu viel vor.
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Das Auto steckt das ohne Hitzestress weg, läuft sauber geradeaus und subjektiv nicht laut.
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Unsere Messbahn (die Startbahn eines Militärflughafens) ist 2,6 Kilometer lang – nicht lang genug für das Sprintvermögen eines Mercedes V 250 d.
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Auf Tempo 200 konnten wir den großen Van hier nicht beschleunigen, entsprechend auch keiner Bremsprüfung unterziehen.
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Dafür hat er auf der Autobahn alles erledigt: 21,5 Liter Dieselverbrauch konnten wir bei 200 km/h ermitteln. Der Tacho zeigt dabei recht genau an – nur drei km/h Abweichung.
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Auffällig: Subjektiv geht es bei diesem Tempo in der V-Klasse sehr laut zu, speziell an den Außen-spiegeln zischt es ordentlich. Auch unpassend: Bereits bei leichtem Wind jagt der V 250 d leicht unruhig über die Bahn.
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Unser Testtempo scheint eine Lachnummer für den 580 PS starken Flachmann Porsche 911 Turbo S zu sein. Aus dem Stand heraus ...
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... benötigt er nur 9,2 Sekunden, um auf 200 km/h zu beschleunigen. Zum direkten Vergleich: Der andere Sportwagen in diesem Test (Abarth Spider) nimmt sich fast eine halbe Minute länger Zeit.
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Auch beim Bremsen zeigt Porsche, wie er hohe Geschwindigkeiten beherrscht.
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Erstaunlich: Der Wagen läuft sehr laut, in der Lenkung leicht nervös und nicht gerade sparsam: 18,3 Liter (bei niedrigen 3200/min im letzten Gang). Die Tachoabweichung liegt bei sechs km/h.
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Sagen wir so: Wer es eilig hat und dennoch auf Flughöhe eines Umweltengels unterwegs sein mag, sollte einen VW Golf 1.5 TSI fahren.
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Er steht außerhalb der TDI-Stickoxid-Rangelei und stößt selbst bei unserer Extremmessung mit Tempo 200 erträglich wenig CO2 aus.
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Der Vierzylinder verbrennt akzeptable 14,6 Liter Super auf 100 Kilometer. Überhaupt schlägt sich der VW wacker.
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Zwar braucht er mit rund 48 Sekunden ewig, bis er auf Tempo 200 ist (Tachovoreilung: sieben km/h). Doch er bremst zuverlässig und läuft passabel geradeaus.
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Weniger Sprit hat hier kein anderes Auto verbrannt. Auf 100 Kilometer verbraucht der Passat 2.0 TDI DSG ...
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... bei Tempo 200 nur 12,0 Liter – das ist erstaunlich wenig. Auch läuft er bei dieser hohen Geschwindigkeit recht leise.
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Vom Motor ist (bei 3250 Touren im sechsten Gang) allenfalls ein sonores Brummen zu vernehmen, ...
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... Windgeräusche dringen ordentlich gefiltert durch, den größten Faktor tragen die Abrollgeräusche der Reifen bei.
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Auch gut: Fahrgefühl und Geradeauslauf. Der Passat ist quasi heimisch auf der linken Spur, ein echter Kilometerfresser. Aber: Die digitale Tachonadel zeigt bereits bei echten 193 km/h auf 200.
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Das Fazit von Jan Horn: "Mit Schmackes auf der linken Spur – klar, politisch nicht korrekt. Wir wollten jedoch wissen: Wie sicher oder unsicher ist das? Fest steht: Tempo 200 ist heute problemlos machbar. Ob es sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt."