Audi braucht ja immer einen längeren Anlauf, um dann kräftig zurückzuschlagen. So war es bei Q7 und Q5, so war es beim TT, und so wird es beim A1 sein. Lange durfte BMW mit dem Mini das Segment der In-Kleinwagen allein beackern. Jetzt ist Schluss damit. Audi bläst zur Attacke auf BMWs englisches Erbgut und will beweisen, dass die Ingolstädter den überlegenen Mini bauen. "Bester Bestelleingang aller Zeiten", verkünden die Audi-Väter stolz über ihr jüngstes Baby, das im auffälligen Designer-Strampler die Blicke auf sich zieht. Ist das nicht ein Süßer?

Überblick: Alle News und Tests zum Audi A1

Kein Zweifel, der kleine A1 dürfte ein Großer werden – nicht nur bei den Damen. Fakt ist aber auch: Genetisch stammt er vom Volkswagen Polo (sowie Seat Ibiza und Skoda Fabia) ab. Darum kommt technisch VW-Massenware wie Verbundlenker-Hinterachse und Fünfganggetriebe zum Einsatz. Dafür haben die Audianer die Wolfsburger Hausmannskost umso edler verpackt. Mit auffälligem Kontrast-Dachbogen (350 Euro extra) und giftigem LED-Schlangenblick (900 Euro) nimmt er den kulleräugigen Mini ins Visier. Der steht da wie ein stoffeliger Teddy. Was muss er sich nicht alles gefallen lassen? Der Audi hat mehr Platz für Insassen, den größeren Kofferraum, mehr Zuladung und wirkt viel erwachsener gegen den verspielten Mini. Soll er doch, denn beim Fahren wird das fröhliche Wesen des Mini zu seinem Vorteil.

Überblick: Alle News und Tests zum Mini

Mini Cooper D
Bild: Conrad Piepenburg
Vor allem seine superdirekte Lenkung bleibt unerreicht. Knochentrocken fegt er mit seiner aufwendigen Multilenker-Hinterachse um die Ecken, hängt sofort hellwach wieder am Gas und zieht bei jeder Drehzahl unwiderstehlich nach vorn. BMW setzt neuerdings einen eigenen Diesel anstelle eines Peugeot-Kooperationsaggregats ein. Und das ist auch gut so. Statt Turboloch gibt es sofort 270 Newtonmeter, und selbst obenraus schlafft das Triebwerk nicht ab – einen besseren Diesel für einen Kleinwagen gibt es derzeit nicht. Zumal der Mini dank des Sechsganggetriebes auch noch einen glatten halben Liter weniger verbraucht als der Audi. Nun macht der A1 alles andere als einen schlechten Job. Er fährt mit seiner leichtgängigeren Lenkung spürbar in die Komfortecke. Allerdings gilt das nicht für die Federung. Die gibt sich überraschenderweise unnachgiebiger als beim Mini. Bei langsamer Fahrt über schlechte Straßen rollt er stößig ab und wird erst bei hohem Tempo auf der Autobahn besser.
Mit seinem Motor wirkt der 105 PS starke Audi weniger lebendig als der sieben PS stärkere Mini, der zudem etwas weniger Gewicht auf die Waage bringt. Dafür entschädigt der A1 mit seinem edlen Interieur. Keine Spur von der schlichteren VW-Verwandtschaft, der A1 kommt im typischen vornehmen Audi-Look daher, der sich stark an A4 und A6 anlehnt. Da kann der Mini mit seiner zerklüfteten Plastiklandschaft im bemühten Retro-Chic nicht mithalten. Hier wird an allen Ecken und Enden nostalgisch die Vergangenheit zitiert, während der Audi konzentriert nach vorn blickt. Wer ein Auto kaufen will, muss den Audi nehmen. Wer ein Spielzeug für Erwachsene sucht, den Mini.

Fazit

von AUTO BILD
Der A1 schlägt den Mini. Das ist keine Überraschung. Teuer sind beide, doch der Audi bietet einfach mehr Auto fürs Geld. Er kostet 2450 Euro weniger. Mehr Begeisterung weckt der Motor des Mini, mehr Komfort bietet Audi. Unter diesen Vorzeichen dürfte so mancher Mini-Fahrer auf A1 umsteigen.