Vergleich: BMW i3 gegen VW Golf

BMW i3/VW Golf GTD: Test

— 09.10.2013

BMW i3 schlägt VW Golf

Ganz anders – und richtig gut. Ein Vergleich mit dem VW Golf GTD zeigt, warum der BMW i3 die Autowelt verändern wird.

Revolutionen wie die Citroën DS (1955), der erste Mini (1959) oder der Renault Espace (1984) sind selten geworden. Hier zeigt sich der Nachteil einer immer globaleren Welt. Jedes neue Auto muss möglichst vielen Käufern weltweit gefallen – das verwässert den Charakter bis hin zur völligen Beliebigkeit, wie der erste Ford Mondeo gezeigt hat. Muss nicht sein, sagt hingegen BMW. Auch der neue i3 soll Käufer von Kalifornien über Europa bis Asien überzeugen. Der Kleinwagen ist aber das wohl revolutionärste Auto der vergangenen Jahrzehnte. Mit einem enormen unternehmerischen Risiko und unglaublichem Mut stellten die Bayern einen elektrisch angetriebenen Kleinwagen mit Carbon-Karosserie auf die Räder, der selbst keine Abgase erzeugt und die Mobilitätsprobleme der Metropolen dieser Welt lösen soll.

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Revolution aus München: Der BMW i3 hat das Potenzial, die Autowelt auf den Kopf zu stellen.

Und ganz nebenbei der sich verändernden Autowelt ein Gesicht gegeben hat. Nach jahrelangem PR-Getöse ist der i3 nun da, die ersten Autos werden in Europa im November 2103 ausgeliefert. Nun beginnt auch für den kleinen BMW der harte Alltag. Die spannende Frage ist, ob der i3 nur revolutionär ist oder auch ein gutes Auto. Und so muss er sich bei AUTO BILD seinem wohl härtesten Gegner stellen: dem VW Golf. Der ist nicht nur seit Jahrzehnten das meistverkaufte Auto Deutschlands und Seriensieger in Vergleichstests, sondern über die Zeit zu einer Perfektion geschliffen worden, die kaum ein zweites Auto erreicht. Der Golf tritt hier als GTD an, denn Preis und Fahrleistungen sind mit denen des neuen BMW i3 in etwa vergleichbar, den BMW 2008 auf einem weißen Blatt Papier zu entwickeln begann. Er ist keine Weiterführung eines bestehenden Konzepts, keine Elektrifizierung eines bekannten Autos und unterlag als Prestigeobjekt des BMW-Konzerns kaum Kostendruck. Und das merkt man ihm an. Keine vier Meter lang, soll er trotzdem vier Personen bequem Platz bieten. Die Karosseriestruktur aus Carbon ist so steif, dass der i3 keine B-Säulen braucht.

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Passt besser in den Alltag: Die konventionellen Türen des VW Golf machen es den Passagieren leichter.

Im Alltag kann das Konzept aber nur teilweise überzeugen. Während die Passagiere in Reihe eins leicht und komfortabel einsteigen, einem Van nicht unähnlich, gelingt das Erreichen des Fonds nur schwerlich. Hohe Schweller und das vergleichsweise geringe Platzangebot zwingen die Mitfahrer zu unbequemen Verrenkungen. Auch die Idee mit den gegenläufig angeschlagenen Fondtüren überzeugt nicht: Wollen die hinteren Passagiere aussteigen, muss sich der Fahrer zunächst abschnallen und seine Tür öffnen. Das hat Volkswagen beim fünftürigen Golf zwar konventionell, aber alltagstauglicher gelöst – der Einstieg in Reihe eins und zwei ist problemlos wie bei jedem anderen Kompakten. Dazu kommt, dass die beim GTD serienmäßigen Sportsitze nahezu jeder Fahrerstatur perfekt passen – im Gegensatz zu den kleinen, dünn gepolsterten Sitzen im i3. Auch bei Verarbeitung und Materialauswahl hat der BMW noch Nachholbedarf. Während der Volkswagen akribisch bis ins kleinste Detail zusammengesetzt ist, enttäuschen bei unserem i3 – einem Vorserienwagen – die großen Spaltmaße der Kunststoffkarosserie und einfache Materialien im Innenraum.

Unterm Strich kann der größere Golf so das Karosserie-Kapitel deutlich für sich entscheiden – auch dank dem alltagstauglicheren 380-Liter-Kofferraum, der beim BMW wegen des im Heck liegenden Elektromotors mit 260 Litern nur Kleinwagenformat besitzt. Erst mal in Fahrt, überzeugt der i3 dann deutlich mehr. Obwohl die Bayern alles neu gemacht haben, fährt sich der Carbon-Kleinwagen wie ein typischer BMW. Leichtfüßig und nahezu lautlos setzt er sich in Bewegung, hat so gar nichts von einem Öko-Mobil. Weil er mit einem Gewicht von 1195 Kilogramm zudem sehr leicht ist, erreicht er die nahezu gleichen Fahrleistungen wie der 14 PS stärkere Golf GTD. Allerdings ist die Höchstgeschwindigkeit mit Rücksicht auf die Akku-Kapazität auf 150 km/h begrenzt, der Volkswagen schafft 228 km/h.

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Bei der Reichweite ganz hinten: Der BMW i3 schafft maximal 150 Kilometer, der Golf GTD 1100.

Auch beim Fahrverhalten hilft das geringe Gewicht dem i3. Wo sich der Golf vergleichsweise schwerfällig anfühlt, tänzelt der BMW leichtfüßig wie ein Gokart ums Eck, geführt von seiner präzisen und frei von Antriebseinflüssen arbeitenden Lenkung. Der Golf hingegen scharrt wegen seines hohen Drehmoments selbst bei trockener Fahrbahn schon mal mit den Vorderrädern – und das trotz der elektronischen Differenzialsperre. Erstaunlich zudem, dass der BMW mit seinen schmalen Leichtlaufrädern so hohe Kurvengeschwindigkeiten aufbauen kann und in zu schnell gefahreren Kurven kaum untersteuert. Obwohl der i3 keine verstellbaren Dämpfer hat, geht sein Komfort vollkommen in Ordnung. Er ist straff, aber nicht zu hart abgestimmt. Der VW kann den BMW hier erst mit der 1000 Euro teuren aktiven Dämpferverstellung DCC übertrumpfen, bietet im Komfort-Modus sowohl Agilität als auch gute Federungseigenschaften. Einen großen Nachteil von Elektroautos, die geringe Reichweite, konnte BMW trotz des Leichtbaus nicht ausräumen. Unter realistischen Bedingungen schafft der i3 rund 150 Kilometer, bevor er wieder aufgeladen werden muss. Der GTD hingegen erreicht theoretisch Distanzen von rund 1100 Kilometern.

Immerhin bietet BMW für rund 5000 Euro Aufpreis einen kleinen Zweizylinder-Benziner im Heck an, der die Reichweite auf etwa 300 Kilometer verdoppelt. Trotzdem ist der i3 nicht für jeden geeignet, die Reichweite für viele Käufer ein K.-o.-Kriterium. Und so kann der BMW im Antriebskapitel überraschend mithalten und den Golf bei der Fahrdynamik überflügeln, verliert aber die Komfortwertung knapp. Insgesamt hat BMW es geschafft, dass der i3 ähnlich gut fährt wie der fein geschliffene Volkswagen und in der Eigenschaftswertung nur knapp hinter dem Golf liegt– eine Sensation!

Weitere Details zu BMW i3 und VW Golf GTD gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel gibt als Download im Online-Heftarchiv. 
Fahrzeugdaten BMW VW
Modell i3 Golf GTD DSG DCC
Motor Elektromotor Vierzylinder, Turbo
Hubraum 1968 cm³
kW (PS) bei 1/min 125 (170) 135 (184)/3500
Nm bei 1/min 250 380/1750
Getriebe Einstufenautomatik Sechsgang-DSG
Antrieb Hinterrad Vorderrad
Länge/Breite/Höhe 3999/1775/1597 mm 4268/1799/1442 mm
Kofferraumvolumen 260–1100 l 380–1270 l
Testwagenbereifung 155/70–175/60 R 19 Q 245/40 R 18 V
Reifentyp Bridgestone Ecopia EP 500 Bridgestone Potenza S 001
Abgas CO2 0 g/km 109 g/km
Verbrauch EU-Mix 12,9 kWh/100 km 4,5 l
Tankinhalt/Kraftstoff 22 kWh (Lithium-Ionen) 50 l/Diesel
0–100 km/h 7,2 s 7,5 s
Vmax 150 km/h 228 km/h
Leergewicht/Zuladung 1195/425 kg 1395/548 kg
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km

Er fährt so gut wie ein Golf

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
VW Golf GTD, BMW i3

Veröffentlicht:

08.10.2013

Preis:

2,00 €

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Klar, der i3 passt wegen seiner eingeschränkten Reichweite nicht in jeden Autoalltag. Wer sich aber damit arrangieren kann, bekommt ein gelungenes, wendiges Stadtauto, das eine Menge Spaß macht. Schon heute zeigt der i3, wie sich die Zukunft fährt – vom Coolness-Faktor des BMW mal ganz abgesehen!

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