Dacia Duster/Lada Niva/Suzuki Jimny/SX4: Test

— 19.08.2010

Der Dacia Duster will's wissen

Der neue Dacia Duster bricht mit einem Sensationspreis von 13.700 Euro in die seit Jahrzehnten von Lada und Suzuki dominierte Klasse der preisgünstigsten Allradler ein. Ist der Neue auch der Beste?



Seit 34 Jahren wird der Lada Niva bereits gebaut. 1976 kam er auf den Markt. Der Lada Niva war damals eine Sensation: selbsttragende Karosserie, vordere Einzelradaufhängung und permanenter Allradantrieb. Sicherheitsbringer wie Airbags, ABS, ESP, die wir heute als Selbstverständlichkeit erwarten, konnten die Russen für dieses Auto auch in 34 Jahren nicht nachliefern. Dafür war der Niva konstruktiv nie gedacht. So gesehen, wäre der neue Dacia Duster ein würdiger Nachfolger des Lada Niva. Denn auch er will Menschen unabhängig von Wetter und Straßenbau machen, die sich teure Allradler bisher nicht leisten konnten oder wollten. Anders als beim antiken Lada findet sich im Dacia immerhin die minimale Sicherheitsausstattung in Form von ABS und zwei Airbags. Alles andere kostet Aufpreis. Er bietet von allem erst einmal das Nötigste.

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Der neue Dacia Duster überzeugt mit angenehmen Federungskomfort.

Beispielsweise ausreichend Platz für vier, notfalls fünf Erwachsene. Das gilt auch für Motor und Antrieb. Der Renault-1.6-Benziner kommt mit den 1350 Kilogramm Leergewicht einigermaßen klar, beschleunigt den Duster nicht überschäumend, aber eben ausreichend. So kann der Motor keine Sparwunder vollbringen, was zu unserem Testverbrauch von 8,8 Liter/100 km führt. Die einzige echte Enttäuschung bereiten die Bremsen. Sie lassen zwar heißgefahren nicht nach, verzögern aber immer einfach zu mau, was zu langen Bremswegen führt. Der Dacia kann es aber auch besser. So zeigt er, dass ein angenehmer Federungskomfort nicht zwingend teuren Autos vorbehalten ist. Der Innenraum macht einen keineswegs ärmlichen Eindruck. Und Dacia hat auch an die Unwägbarkeiten des automobilen Lebens gedacht: Dazu gehören eine respektable Bodenfreiheit von 205 mm, ein Allradantrieb mit tatsächlich wirksamer Sperrmöglichkeit.

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Der Lada Niva von 2010 ist unter anderem an größeren Blinkern zu erkennen.

Damit erreicht der Rumäne zwar nicht die Steigfähigkeit der echten Geländegänger von Lada und Suzuki, übertrifft aber deutlich den ebenfalls untersetzungslosen Suzuki SX4, der ohne verkürzten ersten Gang zurecht kommen muss. Trotz Pkw-basierter Technik hat es dagegen Lada schon vor 34 Jahren geschafft, in den Antriebsstrang eine zusätzliche Geländeuntersetzung einzufädeln. Sein vollwertiger Permanentallrad mit von der Zentralsperre unabhängiger Geländereduktion ist in dieser Klasse einmalig. Echten Niva-Kennern sind längst die übrigen Neuerungen aufgefallen: größere Blinker-Positionslicht-Einheiten, neue Instrumenteneinheit jetzt mit Digitaluhr. Oberhalb von 130 km/h – ja, der Lada läuft (ohne Dachgepäckträger) echte 142 km/h, auch wenn das Werk ihm nur 137 km/h zutraut. Dann herrscht allerdings – der Modellpflege zum Trotz – ein höllischer Radau im russischen Gehäuse.

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Der lange fünfte Gang hilft da ein wenig, kann aber andererseits nicht verhindern, dass der uralte Motor auf die höchsten Verbrauchswerte im Test kommt: 9,8 Liter/100 km im Schnitt. Auf dem Fahrersitz hockt man zu tief und mit zwangsweise angewinkelten Beinen, das Lenkrad hoch oben positioniert. Dagegen ist das Fahrwerk akzeptabel, gefällt mit sicherem Geradeauslauf und problemlosem Kurvenverhalten. Der Suzuki Jimny – obwohl 22 Jahre jünger als der Lada – kann es kaum besser. Der nur 1,60 Meter schmale Jimny bedingt eben auch eine schmale Spur, der hohe Aufbau hebelt dann das Auto aus, wenn man zu zackig abbiegt. Der Jimny konsumiert trotz kurzer Gesamtübersetzung 7,9 Liter/100 km im Test und rennt echte 155 km/h – was angesichts der Werksangabe von 140 km/h beweist, dass es sich immer lohnt, eine Werksangabe mittels Messung zu überprüfen. So läuft der Jimny durchaus flott, will aber dabei konzentriert gefahren und gelenkt werden.

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Der Suzuki SX4 fühlt sich in Kurven vertrauenerweckend an.

Hier trumpft der Suzuki SX4 auf. Denn er schont die Nerven von Fahrer und Insassen am meisten. Das schafft er mit seinem brauchbaren Komfort, aber vor allem mit seinem erwachsenen Antrieb. Ein niedriger Verbrauch von im Test nur 7,0 Liter/100 km – das macht die Fahrt entspannend. Dazu kommt, dass der SX4 das einzige Auto in diesem Vergleich ist, das einen modernen Sicherheitsstandard aufweist: problemloses Kurven- und Lenkverhalten, sechs Airbags, ABS, ESP und richtig gute Bremsen. Alles serienmäßig. Der Kofferraum des SX4 ist winzig und eines Fünfsitzers nicht würdig. Der SX4 ist kein Allradler für schwerere Einsätze. Aber einer, der die Haushaltskasse nicht sprengt. Der Jimny kostet 13 Prozent mehr Versicherung, der Duster sogar 50 Prozent mehr. Nur der Lada Niva unterbietet die ohnehin schon niedrigen Versicherungstarife des Suzuki SX4 noch einmal um 19 Prozent. Und den Preis des Russen konnten nicht einmal die Rumänen mit ihrem Duster schlagen.
Technische Daten Dacia Duster Lada Niva
Motor 4 Zyl. Reihe, Benziner 4 Zyl. Reihe, Benziner
Einbaulage vorne quer vorne längs
Hubraum 1598 cm3 1690 cm3
kW (PS) bei 1/min 77 (105) 5750 60 (82) 5000
Nm bei 1/min 148/3750 128/4000
Drehzahl bei 130 km/h 2000/min im 1. Gang 4100/min 12 km/h 3900/min 8 km/h
Allradantrieb permanent über el. Mehrscheibenkupp.; man. sperrb. permanent über Zentraldiff.; manuell sperrbar
Kraftverteilung vo:hi 100:0 bis 50:50 50:50
Traktionshilfen keine keine
Getriebe 6-Gang manuell 5-Gang manuell
Karosserie selbsttragend, Stahlblech selbsttragend, Stahlblech
Testwagenbereifung 215/65 R16 215/75 R 15
Tankvolumen/Kraftstoff 50 l/Superbenzin 45 l/Superbenzin
Wendekreis r/l 11,1/11,3 m 10,7/10,3 m
Grundpreis 13.700 Euro 10.990 Euro
Technische Daten Suzuki Jimny Suzuki SX4
Motor 4 Zyl. Reihe, Benziner 4 Zyl. Reihe, Benziner
Einbaulage vorne längs vorne quer
Hubraum 1328 cm3 1586 cm3
kW (PS) bei 1/min 63 (86) 6000 88 (120) 6000
Nm bei 1/min 110/4100 156/4400
Drehzahl bei 130 km/h 2000/min im 1. Gang 4575/min 6 km/h 3550/min 16 km/h
Allradantrieb Heckantrieb; Frontantr. während der Fahrt zuschaltbar permanent über el. Mehrscheibenkupp.; man. sperrb.
Kraftverteilung vo:hi 0:100 oder 50:50 100:0 bis 50:50
Traktionshilfen keine el. Bremseingriff v+h
Getriebe 5-Gang manuell 5-Gang manuell
Karosserie Stahlblech auf Rahmen selbsttragend, Stahlblech
Testwagenbereifung 205/70 R15 205/60 R16
Tankvolumen/Kraftstoff 40 l/Superbenzin 50 l/Superbenzin
Wendekreis r/l 10,6/10,5 m 10,8/11,0 m
Grundpreis 14.600 Euro 18.100 Euro
 
Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Der neue Dacia verfehlt den Sieg. Er ist zwar preiswert, geräumig und sogar geländetauglich, gerät aber durch Bremsen, Motor und Versicherung ins Hintertreffen. Genau hier überholt der Suzuki SX4, der zum höheren Preis die Sicherheit bietet, die nicht nur der Dacia, sondern vor allem auch der Jimny und naturgemäß der antike Lada vermissen lassen. Diese beiden sind echte Geländegänger, vor allem aber neue Oldtimer.



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