Vier kompakte Benziner-SUVs im Vergleich

Tiguan/CX-5/Yeti/Grand Vitara: Vergleich

— 04.10.2012

Hier tobt der Motorkampf

Turbolader, groer Hubraum, Kompressor oder hohe Verdichtung? Mazda CX-5, Skoda Yeti, Suzuki Grand Vitara und VW Tiguan treten mit sehr unterschiedlichen Benzinern zum Vergleich an.

Bei den Dieselmotoren ist lngst alles klar: Alle nageln inzwischen mit Direkteinspritzung per Common Rail, alle bekmpfen ihre prinzipbedingte Lahmheit inzwischen per Turbolader. Anders dagegen bei den vornehmeren Ben zinern. Hier suchen die Konstrukteure noch nach der vermeintlich besten Lsung, die geringeren Verbrauch mit hoher Leistung kombiniert. Die kompakten SUV sind dafr ein schnes Beispiel, denn hier arbeiten die Hersteller mit hchst unterschiedlichen Mitteln, um Motorleistungen von 160 bis 169 PS zu erzielen. Einen sehr komplexen Weg geht Volkswagen. Fr den Tiguan favorisiert VW einen Direkteinspritzer mit nur 1,4 Liter Hubraum, der zum Ausgleich eine doppelte Aufladung via Kompressor plus Turbolader erhlt, um auf 160 PS zu kommen.

berblick: Alle News und Tests zum VW Tiguan

Doppelt aufgeladen: VW setzt den Tiguan 1.4 TSI per Turbolader und Kompressor unter Dampf.

Ebenfalls 160 PS leistet der Skoda Yeti, allerdings reichen hier die einfache Aufladung per Turbolader und ein mittelgroer Hubraum von 1,8 Liter. Ganz anders bei Suzuki: Hier werden Leistung und Drehmoment ganz traditionell ber den ordentlich eingeschenkten Hubraum erzeugt: 2,4 Liter, 169 PS, kein Turbo, kein Kompressor, keine Direkteinspritzung. Einen ganz neuen Weg beschreitet Mazda: Im neuen CX-5 tickert ein ebenfalls brandneuer Direkteinspritzer, und auch er will ohne Aufladung auskommen. Um trotz des nur mittelgroen Hubraums von zwei Litern auf seine 160 PS und ordentlich Drehmoment zu kommen, griffen die Mazda-Techniker tief in die Trickkiste des Saugmotorenbaus. Mit einer praktisch dieselgleichen Verdichtung von 14,0:1 wollen die Japaner ihren Benziner gleichzeitig zu Sparsamkeit und Strke erziehen. Zum Vergleich die Verdichtung der Konkurrenten: VW 10,0:1, Skoda 9,6:1, Suzuki 10,0:1. Die hohe Verdichtung des Mazda spart Sprit bei besonnener Fahrweise. Und das sonst bei derart extrem hoch verdichteten Ottomotoren auftretende Beschleunigungsklingeln wird mit viel Technik bekmpft: Klopfsensoren, ellenlanger Auspuffkrmmer, Kolbenbden mit Muldenform, nur kurz sprhende Einspritzdsen.

berblick: Alle News und Tests zum Mazda CX-5

In diesem Vergleich unschlagbar sparsam: Der CX-5 genehmigte sich 7,4 l/100 km im Durchschnitt.

Ergebnis: Der neue Mazda ist bei jeder Fahrweise der sparsamste in diesem Vergleich. Im Testmittel ergeben sich 7,4 Liter/100 km weit ber der Werksangabe von 6,6 Liter/100 km, aber dennoch sehr respektabel. Der Motor spricht auch munter auf Gaspedalbewegungen an. Nur ausgesprochen leise luft er nicht. Und besonders krftig fhlt er sich auch nicht an. Kein Wunder, denn trotz Wundertechnik bringt der Mazda-Saugmotor nur 208 Nm Drehmoment. VW und Skoda schaffen dank Turbo 240 bzw. 250 Nm, der 2.4-Suzuki immerhin 227 Nm. Dass der Mazda dennoch bei den Fahrleistungen nicht zu stark ins Hintertreffen gert, verdankt er seinem geringen Leergewicht (168 Kilo weniger als der krzere VW) und dem niedrigen Luftwiderstand (cW 0,35). Der Mazda punktet wiederum bei der Karosseriewertung: gutes Platzangebot, grter Kofferraum, ordentliche Zuladung. Der Fahrkomfort leidet allerdings unter der reichlich fahraktiven Abstimmung, die Ste deutlich durchdringen lsst. Der CX-5 gibt sich dafr auf Land- und Bergstraen leichtfig und agil, sein ESP greift erst mutig spt ein, wenn das Heck bereits arg zur Seite drngt.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Auch zeigt sich der per Kupplung automatisch aktivierte Allradantrieb beim Anfahren auf rutschigen Bergpassagen schnell berfordert. Die Kupplung schaltet dann wegen berhitzung fatalerweise auf reinen Frontantrieb um. Fr den Mazda spricht das gute Preis-Leistungs-Verhltnis. Er ist zwar mit 28.290 Euro sogar etwas teurer als die Konkurrenz, bietet aber bereits in Grundausstattung so viele Komfortdetails, dass man beispielsweise beim VW dafr ber 3000 Euro drauflegen msste. Ganz anders der Skoda: Er lockt mit dem Billigpreis von 23.590 Euro, ist dafr aber so nackt wie ein Behrdentransporter: Stahlrder, hintere Kurbelfenster, keine Klimaanlage, kein Radio. Alles kostet Aufpreis beim Yeti 1.8 TSI. Ausstattungsbereinigt ist der Tscheche deshalb zumindest nicht billiger als der Mazda.

berblick: Alle News und Tests zum Skoda Yeti

Schnell und variabel: Der Skoda Yeti berzeugt mit seinen Fahrleistungen und seiner Alltagstauglichkeit.

Trotzdem ist der Skoda ein interessantes Angebot. Denn keiner fhrt sich so handlich, so wendig wie er. Er unterbietet die Konkurrenz beim Wendekreis um rund einen Meter und ist zudem 20 Zentimeter krzer. Das macht ihn besonders stadttauglich, ohne Einschrnkung beim Sitzkomfort. Die geringeren Abmessungen bemerkt man erst beim Kofferraum, der kleiner ausfllt als beim VW oder gar Mazda. Dafr gefllt im Skoda die sehr variable Rckbank mit sogar einzeln komplett herausnehmbaren Sitzen; im Verein mit dem steilen Heck macht das den Skoda zum besten Frachter. In Fahrt wirkt der Skoda sehr krftig. Der 1.8-Turbo legt nach einer nur kleinen Turbopause mchtig los und ermglicht die besten Fahrleistungen im Vergleich. Der Motor luft auerdem kultiviert und verbessert so den insgesamt migen Fahrkomfort des hart gefederten Yeti. Beim Verbrauch liegt der 1.8-Turbo im Mittelfeld: Testwert: 8,3 Liter/100 km.

berblick: Alle News und Tests zum Suzuki Grand Vitara

ber Stock und Stein: Mit dem Suzuki Grand Vitara ist man im Gelnde mit Abstand am besten unterwegs.

Die erreicht man mit dem Suzuki nur mit uerst zurckhaltender Fahrweise. Im Testmittel konsumierte der konventionell gestrickte 2,4-Liter-Vierzylinder des Grand Vitara 9,7 Liter pro 100 Kilometer und damit satte 2,3 Liter/100 km mehr als der Mazda CX-5. Daran ist auch das altmodische Fnfganggetriebe des Suzuki und das dadurch verursachte hhere Drehzahlniveau schuld. Die drei Konkurrenten drehen auf der Autobahn rund 500 Touren niedriger und senken schon dadurch auf lngeren Strecken den Benzinverbrauch. Sparen kann der Suzuki nicht, was auch die mit Abstand hchsten Kosten fr Versicherung und Kfz- Steuer zeigen. Seine Vorzge liegen woanders: berall da, wo VW, Skoda und erst recht der Mazda stecken bleiben, zieht der Suzuki triumphierend vorbei. Egal ob es um das Bezwingen einer tief verschneiten Bergstrae oder um Anhngerschleppen auf einem morastigen Campingplatz geht stets erledigt der Suzuki das betont unaufgeregt. Das liegt einfach an seiner Konstruktion mit traditionellen Merkmalen eines Gelndewagens.

Weitere Details zu den vier kompakten Benziner-SUVs gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Hier tobt der Motorkampf

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
VW Tiguan 1.4 TSI, Mazda CX-5 2.0 G, Skoda Yeti 1.8 TSI, Suzuki Grand Vitara 2.4

Verffentlicht:

26.09.2012

Preis:

1,00

Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Der VW gewinnt knapp, weil er so ausgewogen und komfortabel bei gnstigen Unterhaltskosten fhrt. Den viel besser ausgestatteten und sparsameren Mazda kosten der lasche Allradantrieb und die hufigere Wartung den Sieg. Dem flotten, wendigen, variablen Skoda fehlt es nur an Bodenfreiheit und Federungskomfort. Sonderfall Suzuki: ein gnstiger Gelndeknner, aber mit matten Bremsen und hohen Unterhaltskosten.

Stichworte:

Kompakt-SUV

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