Toyota RAV4/Mini Countryman/VW Tiguan: Test

— 29.04.2013

Neuer RAV4 kämpft um Anschluss

Mit Frontantrieb sowie Spardiesel sucht die vierte Auflage des Toyota RAV4 nach Anschluss im SUV-Markt. Ein Vergleich mit Tiguan und Countryman.



Wie tief kann ein Geländewagen sinken? Nein, nicht im Matsch und in Zentimetern Rest-Bodenfreiheit – sondern in tatsächlicher Größe. Die einst sehr rustikalen Kraxel-Kolosse mit Elefantendurst stutzten die Hersteller im Laufe der Zeit immer mehr auf kompakte Maße, stellten sie auf sportliche Bereifung, lackierten sie rundum in Hochglanz und raubten ihnen häufiger sogar ihren Allradantrieb. Was bleibt, sind sanfte Boulevard-Tiger, eben die moderne Interpretation des Themas Geländewagen. Fehlt eigentlich nur noch ein Motor, der weniger als fünf Liter verbraucht ...

Überblick: Alle News und Tests zum Toyota RAV4

War mal Trendsetter: Mit dem neuen RAV4 will Toyota im boomenden SUV-Markt wieder angreifen.

Doch, Moment mal. Gibt's doch auch schon. Der neue RAV4 ist so einer. Und sein Konzept passt bestens ins Hier und Jetzt. Hoch sitzen, bequem einsteigen, viel Auto um einen herum, und das Ganze zu einem fairen Kurs. So bleibt das SUV frei von Nebenwirkungen. Ein Rezept, das auch VW Tiguan und Mini Countryman kennen, die ebenfalls auf sparsamen Diesel und Frontantrieb vertrauen. Ob Toyota gegen den Platzhirsch im Revier und den britischen Mode-SUV bestehen kann, klärt der direkte Vergleich. Die 26.650 Euro Grundpreis für den neuen RAV4 2.0 D-4D sind grundsätzlich ein faires Angebot. Für das Geld gibt es den Fünftürer inklusive sieben Airbags, Klimaanlage, einem anständigen Audiosystem und weiteren kleinen Komfortextras. Allerdings: Wer mehr möchte, guckt in die Röhre. Extras (außer Lackierung oder Einparkhilfe) sind grundsätzlich an teurere Ausstattungslinien gebunden. Xenonlicht? Assistenzsysteme? Navi? Gibt es nicht für das Basismodell. Frech! Unser Testwagen ist als "Life" ordentlich ausgestattet, kostet jedoch bereits 28.650 Euro. Weitere versteckte Kosten beim Japaner: Die schlechte Versicherungseinstufung des RAV4 lässt die Prämien in horrende Höhen schnellen (bei 100 Prozent kostet er in der Vollkasko pro Jahr rund 1500 Euro mehr als der Tiguan), und er muss im Gegensatz zu VW und Mini jedes Jahr in die Werkstatt – entsprechend höher fallen die Wartungskosten aus.

Überblick: Alle News und Tests zum VW Tiguan

Der höchste Grundpreis: Für exakt 28.000 Euro steht der Tiguan 2.0 TDI Trend & Fun in der Liste.

Der VW Tiguan kostet als 2.0 TDI Trend & Fun mit Sechsgang-Schaltgetriebe exakt 28.000 Euro. Ab Werk bietet der VW dann wie der Toyota eine manuelle Klimaanlage, ein MP3-fähiges CD-Radio und E-Funktionen für Fenster und Zentralverriegelung. Aluräder sind auch dabei, sogar eine Müdigkeitserkennung kostet keinen Aufpreis. Weitere Assistenten und Extras lassen sich zudem einzeln dazubestellen. Gut so. Schade: Der Verkehrszeichenassistent oder ein Spurhaltesystem sind für den Trend & Fun nicht lieferbar. Ein Mini kostet als Cooper D mindestens 24.350 Euro. Ist er somit das Sonderangebot in diesem Trio? Nicht wirklich. Im Vergleich zu den Konkurrenten fehlen ihm nämlich Extras wie beispielsweise Tempomat (plus 250 Euro), 17-Zoll-Räder (plus 700 Euro) oder sogar ein schlichter Bordcomputer (plus 150 Euro). Vergleichbar ausgestattet, rückt der Mini preislich dicht an Toyota und VW heran. Ganz klar: Ohne Allradantrieb und zuschaltbare Kletterhilfen taugen die drei SUV nicht gerade für den Alpeneinsatz. Aber den Alltagsstress zwischen Büro und Kindergarten stecken die drei umso besser weg.

Speziell der neue Toyota macht es einem leicht. Weil er riesig viel Platz bietet, den größten Kofferraum hat und ruck, zuck (nach einem Zug am Verstellhebel der Fondlehnen) eine große sowie gänzlich ebene Ladefläche bereitstellt. Im Cockpit sitzt jeder Schalter am richtigen Platz, alles ist funktional und übersichtlich. Im Mini muss man mit deutlich schlechterem Raumangebot zurechtkommen, darf mit ungleich weniger Gepäck verreisen. Zudem ist der Countryman unübersichtlich, die Bedienung (allein der verspielte Tacho ...) erfordert Gewöhnung. Typisch VW: Der Tiguan ist nicht unbedingt der Raumriese in diesem Trio, schleppt dennoch genügend Mann und Material weg. Top: Die Sitze vorn stützen tadellos, und beim Rangieren lässt sich das Auto gut überblicken und einschätzen. Für alle gilt: Sowohl die Start-Stopp-Automatik (beim RAV4 leider unzuverlässig im Einsatz) als auch eine Schaltempfehlung (beim VW arg unauffällig ins Cockpit eingeblendet) helfen, Sprit zu sparen.

Überblick: Alle News und Tests zum Mini Countryman

Fahrspaßgarantie: Auch im Countryman steckt der Geist der Marke – er ist hier der Dynamischste.

Obwohl er nach Messwerten ordentlich abschneidet, fühlt sich der 124 PS starke Toyota langsamer an als seine Gegenspieler. Das liegt am etwas lustlosen Zweiliter-Vierzylindermotor, der seine 310 Newtonmeter Kraft in einem gefühlt zu schmalen Drehzahlbereich abgibt. Ständig sucht man einen kleineren Gang, um zügig durchzustarten. Beim Fahren auf schlechten Straßen nerven die kurzhubigen Feder-Reaktionen, die Stoßdämpfer scheinen nur wenige Zentimeter weit nachzugeben. Gut: Der Aufbau wankt selbst auf welliger Straße kaum, auf derben Bodenwellen hat der RAV4 genug Reserven. Allerdings ist stets zu hören, dass Federn und Dämpfer arbeiten. Deutlich unreifer federt der Mini. Der Countryman schlägt nach großen Bodenwellen durch, federt irritierend schnell sowie weit aus und rollt zudem zu steifbeinig über kleinere Unebenheiten. Dafür macht das Fahren im Cooper D am meisten Spaß. Der rund 200 Kilogramm leichtere Countryman lässt sich sportlich dirigieren, sein spritziger 1,6-Liter-Motor mit 112 PS ackert emsig und dennoch sparsam.

Nach unserem Testzyklus trinkt der Cooper D nur 5,9 l/100 km – somit 0,7 Liter weniger als der Tiguan. Im VW arbeitet der feinste Motor. Leise, kräftig, wach – so erweckt der 140 PS starke 2.0 TDI einen besonders lässigen Eindruck. Auch beim Federn zeigt sich der VW erwachsen. Dank verstellbarer Stoßdämpfer (1100 Euro) bügelt der Tiguan kaputte Straßen fehlerfrei glatt. Nicht optimal: Die sportliche 18-Zoll-Bereifung (1080 Euro) lässt Gullideckelkanten als Schläge in den Innenraum dringen – was nur bedingt zum sanften Boulevard-Tiger passt.
Fahrzeugdaten Mini Toyota VW
Motor Vierzylinder, Turbo,vorn quer Vierzylinder, Turbo, vorn quer Vierzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette Zahnriemen
Hubraum 1598 cm³ 1998 cm³ 1968 cm³
kW (PS) bei 1/min 82 (112)/4000 91 (124)/3600 103 (140)/4200
Nm bei 1/min 270/1750 310/1600 320/1750
Vmax 185 km/h 180 km/h 193 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 205/55 R17 V 225/65 R17 H 235/50 R18 V
Reifentyp Continental PremiumContact 2 Yokohama Geolandar G91 Continental CrossContact
Radgröße 7 x 17 '' 7 x 17 '' 7 x 18 ''
Abgas CO2 115 g/km 127 g/km 139 g/km
Verbrauch* 4,7/4,2/4,4 l 5,7/4,4/4,9 l 6,3/4,8/5,3 l
Tankinhalt 47 l/Diesel 60 l/Diesel 64 l/Diesel
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A) 68 dB (A) 71 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 800/500 kg 2000/750 kg 2000/750 kg
Kofferraumvolumen 350–1170 l 547–1746 l 470–1510 l
Länge/Breite/Höhe 4097/1789–1996**/1561 mm 4570/1845–2125**/1660 mm 4426/1809–2041**/1703 mm
Testwagenpreis 25.230 Euro*** 28.650 Euro 30.180 Euro****
*innerorts/außerorts/gesamt pro 100 km; **Breite mit Außenspiegeln; ***inkl. doppelter Ladeboden für180 € und 17"-Bereifung für 700 €; ****inkl. Dämpferverst. (DCC) für 1100 € und 18"-Bereifung für 1080 €
Messwerte Mini Toyota VW
Beschleunigung
0–50 km/h 3,5 s 3,7 s 3,5 s
0–100 km/h 10,4 s 11,9 s 10,2 s
0–130 km/h 18,2 s 20,4 s 17,9 s
Elastizität
60–100 km/h 7,9/11,1 s (4/5. Gang) 8,2/12,0 s (4/5. Gang) 8,1/12,8 s (4/5. Gang)
80–120 km/h 11,5/16,7 s (5/6. Gang) 12,3/15,1 s (5/6. Gang) 12,2/17,4 s (5/6. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1410/410 kg 1590/545 kg 1606/474 kg
Gewichtsverteilung v./h. 60/40 % 62/38 % 59/41 %
Wendekreis links/rechts 11,4/11,4 m 11,5/11,4 m 11,5/11,5 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 35,1 m 36,6 m 37,7 m
aus 100 km/h warm 35,1 m 37,9 m 36,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 61 dB (A) 58 dB (A) 61 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 68 dB (A) 67 dB (A)
bei 130 km/h 72 dB (A) 72 dB (A) 70 dB (A)
Testverbrauch – CO2 5,9 l D – 156 g/km 6,1 l D – 162 g/km 6,6 l D – 176 g/km
Reichweite 800 km 970 km 960 km

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Eine dramatische Schwäche leistet sich der neue RAV4 nicht. Auf der anderen Seite überragt er seine Mitstreiter aber auch in keiner Weise. Sein Motor läuft ordentlich, jedoch nicht besonders sparsam. Die Federung hat Reserven, spricht nur nicht optimal an. So muss er das Feld dem geschliffener wirkenden Tiguan überlassen. Der Mini ist speziell – jedoch kein Alltagsheld.

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