Ford Mustang

Ford Mustang

— 13.02.2010

Aufs richtige Pferd gesetzt

1964 ging mit einer ganzen nordamerikanischen Generation der Gaul durch: Der Ford Mustang war geboren, und jeder PS-Cowboy wollte einen haben. Die Begeisterung ist noch heute sehr verstndlich

Am 17. April 1964, es ist ein Freitag, bricht in den USA ein Sturm los. In New York ist Weltausstellung, aber das interessiert kaum einen. Vier Millionen Amerikaner stehen vor den Verkaufsrumen der Ford-Hndler. Drinnen steht der neue Ford Mustang, allerdings nur fr kurze Zeit. Innerhalb weniger Stunden gehen alle 8000 vorproduzierten Mustang weg, nach vier Monaten sind es 100.000, nach zwei Jahren eine Million. Bis heute hlt der Mustang den Weltrekord mit ber 418.000 verkauften Fahrzeugen im ersten Jahr nach der Markteinfhrung. Ein Wunder? Sicher. Aber kein Zufall. Der Mustang ist ein Geschpf der Wissenschaft, der Umfragen, der Marktforschung.

45 Jahre Ford Mustang: Das Pony lebe hoch!

Ur-Pferd: Der Mustang prgte die Gattung der "Pony Cars".

Lido Anthony "Lee" Iacocca, seit 1960 General Manager der Ford-Division in Dearborn, hat rausfinden lassen, dass die geburtenstarken Nachkriegs-Jahrgnge ein neues Auto wollen. Sportlich, attraktiv, preiswert, in etwa so gro wie die populren Importe aus der Alten Welt, am besten mit langer Schnauze und knappem Heck. Keine weiche, 5,80 Meter lange Hollywood-Schaukel, die bei der Kurvenfahrt den Unterboden zeigt. Und keinen Sportwagen mit delikater Technik, sondern einen Kumpel fr jeden Tag, allrenfrei und standfest. Das ist er noch 40 Jahre spter, nicht nur in seiner tempolimitierten Heimat.

Menschen mit Muscle-Cars: Alles Machos?

Vier Sitzpltze verkaufen sich besser als zwei, deshalb nimmt Ford das Chassis des gnstigen Einsteigermodells Falcon, sortiert Fahrwerk, Getriebe und Motoren aus dem Konzernregal hinzu und startet eine noch nie da gewesene Werbekampagne. Zur besten Sendezeit laufen Werbespots auf allen Kanlen, 2600 Zeitungen drucken ganzseitige Anzeigen. Der genialste Trick der Ford-Verkaufsabteilung ist die endlose Ausstattungs-Liste, sie reicht von Mustang-Stickereien auf den Sitzen bis zum High-Performance-Motor. Jeder Kunde kann sich seinen Mustang stricken. Im 2368 Dollar teuren Basismodell von 1964 sitzt ein 2,8 Liter groer Reihensechszylinder mit 102 PS.

Die Mutter der "Pony Cars"

Drei Jahre spter ist im Shelby GT 500 auf Wunsch ein Siebenliter mit geschtzten, weil offiziell nie besttigten 400 PS verbaut es ist die einzige ra der Autogeschichte, in der Hersteller die Leistung ihrer Motoren kleinreden, um die Versicherungen nicht auf die Barrikaden zu treiben. Fast 30 (!) Triebwerk-Varianten, meist nur ein paar PS und wenige Cubic Inches voneinander entfernt, liefert Ford bis 1973, dem Zeitpunkt des groen Modellwechsels und dem Ende der frhen Mustang-Generation. Eine ganze Wagengattung, die der gnstigen "Pony Cars", wird nach dem Mustang benannt, das schafft danach nur noch der Golf. Aber da haben die Deutschen schon lngst ihr eigenes Pony Car, einen Typen mit langer Schnauze, kurzem Heck, tougher Technik und jeder Menge Extras zur Auswahl. Sein Name: Ford Capri.

Technische Daten

Ford Mustang 289 Fastback
Achtzylinder, V-Form 4736 cm3 190 PS bei 4400 U/min max. Drehmoment 407 Nm bei 2800 U/min Drei-/Vierganggetriebe oder Dreistufenautomatik Hinterradantrieb Lnge/Breite/Hhe 4655/1800/1315 mm Leergewicht 1330 kg Reifen 205/70 H 14 Trommelbremsen rundum Einzelradaufhngung an Schraubenfedern vorn, Starrachse an Blattfedern hinten Hchstgeschwindigkeit 194 km/h 0100 km/h 9,2 s Neupreis (1966) 17.885 D-Mark

Historie

Dem Fastback setzte Steve McQueen als "Bullit" ein cineastisches Denkmal.

1962 wird das erste Mustang-Showcar mit V4-Mittelmotor vorgestellt. Zum April 1964 erscheint der Serien-Mustang als Stufenheck und Cabrio. Schrgheck und die Hochleistungs-Variante Shelby Mustang kommen im Oktober 1964 hinzu. Modelljahr 1967: Erstes Facelift; der Mustang wird lnger und breiter, der Radstand bleibt unverndert, erste Big-Block-V8. 1969: Zweites Facelift, der Mustang wird grer, schwerer, luxuriser. Ende der Produktion 1973, Gesamtstckzahl 2.978.271.

Plus/Minus

Der Mustang ist ein automobiler Meilenstein und eine Stilikone, was vor allem fr die begehrten Fahrzeuge der Urserie bis 1966 gilt. Fast drei Millionen Exemplare des Mustang I wurden gebaut, Autos gibt es also noch genug. Fr jeden Geschmack und wohl auch (fast) jeden Geldbeutel ist etwas dabei, zumindest dann, wenn ein USA-Import in Erwgung gezogen wird. Die Ford-Technik gilt zu Recht als robust und solide, die Karosserien sind aber aufgrund mangelhafter Korrosionsvorsorge rostgefhrdet. Gute und/oder seltene Fahrzeuge haben in den letzten Jahren beim Preis enorm zugelegt, in den USA ist der Hype fast so gro wie anno 1964.

Marktlage

Der derzeitige Wechselkurs ldt zum Kauf in den USA ein, aber auch dort stehen klassische Ponys hoch im Kurs. Frhe Cabrios mit V8-Motor und PS-starke Fastbacks sind neben Sondertypen am gesuchtesten. Das am hufigsten gebaute Stufenheck-Modell rangiert generell niedriger diese Grundregel gilt auch fr den gut bestckten deutschen Markt. Vorsicht vor Blendern mit Verkaufs-Restaurierungen aus den USA. Wem auch ein Mustang mit gusseisernem Sechszylinder genug ist, kann hben wie drben viel Geld sparen.

Ersatzteile

Schwarz-Fahrer: Vordere "Bucketseats" (Einzelsitze) waren serienmig.

In puncto Ersatzteilversorgung kann der Mustang punkten. Viele Teile sind noch erhltlich, werden in ordentlicher Qualitt reproduziert und sind dazu wirklich billig. Weil Ford den Mustang mit Komponenten aus dem Konzernregal zusammenbaute, passen oft auch Teile anderer Ford-Typen. Wichtig: Versandkosten einkalkulieren. Schwierig wird es bei manchen Karosserieteilen, dafr hlt der Tuning-Markt ein gigantisches Angebot an Zubehr bereit fr Originalitts-Fans kein Thema.

Empfehlung

Als "American Icon" ist der Mustang fest in der US-amerikanischen National-Mythologie verankert. Soll heien, gute Autos werden nur noch teurer, ein Mustang I ist eine Kapitalanlage. Erste Wahl ist trotz steigender Benzinpreise ein Auto mit V8-Motor, der gehrt bei einem Ami aus den 60er-/70er-Jahren einfach dazu. Die Frage nach dem Baujahr und der Karosserieform Convertible, Hardtop-Coup oder Fastback ist Geschmacksache. Am wichtigsten ist die Substanz der Karosserie.

Autor: Jan-Henrik Muche

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