Austauschmotor: Schäden, Reparatur, Kosten

Austauschmotor beim Motorschaden

Wenn der Motor hinüber ist

Beim Motorschaden muss nicht zwingend ein nagelneues Triebwerk her. Günstiger ist ein Austauschmotor oder ein Gebrauchtmotor. Was ist wann die beste Lösung? Und: So vermeiden Sie einen Motorschaden!
Es ist die Horrorvorstellung jedes Autofahrers: Der Werkstattmeister kommt und sagt: "Sie brauchen einen Austauschmotor." Das ist zwar zunächst eine Schock-Diagnose, die aber in den meisten Fällen nicht gleich in den finanziellen Ruin führen muss. So viel vorweg: Austauschmotor ist nicht gleich Austauschmotor, nur wenige Begriffe im Kfz-Bereich werden so oft falsch verwendet. Denn die Bandbreite des Angebots reicht vom nagelneuen Triebwerk des Originalherstellers bis zu einem alten gebrauchten Motor zum Selbstausbauen beim Autoverwerter. Und jedes für sich kann die richtige Wahl bedeuten, es kommt nur auf die jeweilige Situation an.

Wann lohnt sich eine Motorreparatur?

Der Automotor ist ein komplexes Kraftpaket. Bei Defekten kann oft eine Reparatur helfen. Ist dies nicht rentabel, gibt es Alternativen.

Zunächst einmal gilt: Alles lässt sich reparieren. Die Frage ist nur, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist? Denn ein Fachbetrieb rechnet rund 100 Euro pro Stunde ab. Ein x-beliebiger Vierzylinder verschlingt etwa drei Tage, dann sind die ersten 2400 Euro weg – ohne Ersatzteile. Wenn nichts Schlimmeres dazukommt, liegt so ein Aggregat mit vier neuen Kolben, neu gebohrten Zylinder, überholtem Zylinderkopf und Kurbeltrieb fertig eingebaut bei rund 5000 Euro. Das lohnt sich also nur bei relativ jungen Fahrzeugen. Oder sehr alten. Oldtimern zum Beispiel, deren ideeller Wert erheblich höher liegt, wenn Motor- und Fahrgestellnummer noch identisch sind. Preiswerter ist ein überholter Motor vom Instandsetzer. Große Betriebe arbeiten in Serie, haben eine Menge Motoren am Lager und bieten über den freien Handel verschiedene Lösungen an.

Teil-, Teilkomplett- oder Komplettmotor?

Generell wird zwischen Teil-, Teilkomplett- und Komplettmotor unterschieden. Der Teilmotor umfasst nur das Kurbelgehäuse mit Kolben und Kurbelwelle samt Lagern, jedoch ohne Dichtungen. Damit ist er die günstigste Lösung, kostet für einen Golf VI 1.6 Benziner etwa 1200 Euro (ohne Einbau). Allerdings kommen dazu ein paar Stunden Arbeitsaufwand für die Montage von Zylinderkopf und meist auch Ölwanne, weshalb ein Teilkomplettmotor oft die bessere Wahl ist. Denn hier sitzt der – ebenfalls überholte – Zylinderkopf schon drauf, auch befinden sich meist alle Wellendichtringe bereits an Ort und Stelle. Der Preis: ungefähr 2000 Euro. Montieren muss die Werkstatt hier nur noch Nebenaggregate wie Wasserpumpe, Lichtmaschine oder Klimakompressor, die aber in der Regel ohnehin erst nach dem Einbau ins Fahrzeug zurück an ihren Platz kommen. Komplettmotoren enthalten auch diese Nebenaggregate, werden aber im freien Handel nur selten angeboten.

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Unterschied: Neuer Motor, Austauschmotor, Gebrauchtmotor

Doch was kostet der gleiche Motor in der Vertragswerkstatt bei VW? Der Teilmotor liegt bei 2000 Euro und der Teilkomplette kostet neu 7300 Euro, im Austausch 4500 Euro. Da taucht er also auf, der Begriff – Austauschmotor. Und bezeichnet einen gebrauchten Motor, bei dem verschlissene oder defekte Teile gegen neue oder ebenfalls überholte ausgewechselt wurden, sodass am Ende ein funktionsfähiges Aggregat entsteht. Mit den gleichen Eigenschaften wie bei einem neuen Motor, was Leistung, Laufruhe, Öl- und Spritverbrauch betrifft. Dem gegenüber stehen der neue Motor vom Originalhersteller und der gebrauchte, vom Verwerter, dem Kumpel oder sonstwie privat beschaffte. Vor allem Letzterer wird oft fälschlicherweise als Austauschmotor oder abgekürzt ATM beworben. Auch im Internet, wo reihenweise Händler mit Aussagen wie "ATM ab 599 Euro" werben. Das ist schlicht falsch, denn es handelt sich dabei um gebrauchte Motoren, die auch als solche gekennzeichnet werden müssen. Übrigens zumeist ausgebaut aus Unfallfahrzeugen. Bedeutet: Das erste Leben dieser Treibsätze endete ziemlich unsanft.
Wissenswertes zu Motorinstandsetzungen

Garantie von neu eingebauten Motoren

Doch wie sieht es mit der Garantie von neu eingebauten Motoren aus? Faustregel: Gewerbliche Verkäufer müssen zwölf Monate für gebrauchte Motoren geradestehen, seriöse Instandsetzer geben zumeist zwei Jahre. Voraussetzung ist jedoch stets der Einbau durch eine Fachwerkstatt. Private Basteleien hingegen führen zum Gewährleistungs-Ausschluss. Was ebenfalls jedem Kunden klar sein muss: Die Gewährleistung beginnt mit dem Rechnungsdatum. Daran müssen vor allem Oldtimerfreunde denken, die sich oft schon zu Beginn einer langen Restauration einen Motor überholen lassen. Um dann Jahre später und weit nach dem Ende der Gewährleistung feststellen zu müssen, dass der womöglich gar nicht richtig läuft. Was sich hingegen nicht beweisen lässt: die Wertsteigerung des Fahrzeugs durch einen neuen oder Austauschmotor. Im Gegenteil, die meisten Gebrauchtkäufer reagieren darauf eher skeptisch und bevorzugen Autos, deren Besitzer ihren Motor gar nicht erst in die Grütze gefahren haben.

Welche Lösung für welchen Fall?

Zusammengefasst lassen sich Kunden grob in drei Kategorien einteilen, aus denen sich ableiten lässt, was in der Regel die beste Wahl ist:
1. Neuwagenfahrer, deren Fahrzeug noch Werksgarantie hat. Diese deckt auch Motorschäden ab, sofern die Wartungsintervalle eingehalten wurden. Die Abwicklung sollte ein Vertragshändler durchführen.
2. Besitzer von Autos im besten Alter, Garantie abgelaufen oder mit Gebraucht-Versicherung. Denn die erstattet bei höheren Laufleistungen nur noch einen kleinen Teil der Kosten, jenseits 100.000 km 40 Prozent oder weniger, auf 60 Prozent bleibt dann der Fahrer sitzen. Hier können freie Werkstätten weiterhelfen, die zu geringeren Stundensätzen schrauben und je nach Zustand des Fahrzeugs einen Austauschmotor oder einen gebrauchten vom Verwerter des Vertrauens installieren.
3. Der Low-Budget-Bereich, Fahrzeuge mit absehbarer Rest-Lebensdauer. Sie lassen sich mit preiswerten gebrauchten Motoren am günstigsten mobil halten.

Motorschaden: Symptome und Ursachen

Am besten ist natürlich, es kommt gar nicht erst zu einem Motorschaden. Dazu kann der Fahrer auch heute noch seinen Teil beitragen, denn längst nicht jedes Unwohlsein wird über Sensoren gemeldet, oft muss er einfach nur zuhören. Paradebeispiel dafür sind die Steuerketten-Motoren des VW-Konzerns, die einen drohenden Riss der Kette lange vorher mit lautem Klappern bei jedem Kaltstart ankündigen. Die Eskalationsstufe führt dann zum Aufleuchten der gelben Motorlampe, die aber ebenfalls von vielen Fahrern ignoriert wird. Bis der Kettenriss den Motor zerstört.
Darum leuchtet oder blinkt die Motorkontrolleuchte
Die am häufigsten fehlinterpretierte Leuchte aber ist die Öllampe. Sie strahlt in Rot, was eine unmissverständliche Anweisung ist, den Motor sofort abzustellen – dies gilt übrigens für alle roten Kontrolllämpchen. Ihre vollständige Bezeichnung ist Öldruckkontrollleuchte. Sie leuchtet also auf, wenn der Öldruck zusammengebrochen ist, der Motor nicht mehr geschmiert wird. Verfügt der über einen Turbolader, segnet dieser ungefähr zehn Sekunden später das Zeitliche, frisst sich fest und verteilt seine Trümmer im Motor. Ohne Turbo dauert es ein bis zwei Minuten länger, ehe irreparable Schäden auftreten. Merke: Die Ölwarnlampe ist keine freundliche Aufforderung, irgendwann mal den Ölstand zu prüfen, sondern ein echtes Alarmsignal. In vielen Fällen ist dann tatsächlich kein Öl mehr im Motor, weil wahrscheinlich über Monate niemand nachgesehen, geschweige denn aufgefüllt hat. Aber auch schlampige Wartung kann zu Motorschäden führen. Öl besteht aus Kohlenwasserstoffen und wird genauso ranzig wie Butter im Kühlschrank, sollte deshalb regelmäßig nach Herstellervorgabe gewechselt werden.

Es kommt häufiger vor als angenommen: Bei Schaltgetrieben kann man durch das Verschalten ebenfalls einen Motorschaden verursachen.

Es gibt allerdings noch eine Reihe weiterer Ursachen, die zu Motorschäden führen können. Falsche Zündkerzen brennen Löcher in die Kolben, von schlechtem Sprit verstopfte Einspritzdüsen sprühen sonst wo hin, waschen so den Ölfilm im Zylinder ab und lassen die Kolben fressen. Der gleiche Effekt lässt sich übrigens auch mit Chiptuning erzielen, das mehr Sprit in den Motor lässt, als dieser überhaupt verdauen kann. Die häufigste Ursache für Motorschäden ist jedoch viel banaler: Verschalten. Richtig gelesen, die meisten Triebwerke platzen wegen Überdrehzahl, weil ihre Fahrer einen falschen, für die Geschwindigkeit zu niedrigen Gang erwischten. Was übrigens nicht unter die Garantie fällt. Und erklärt, weshalb Automatikfahrzeuge wesentlich seltener von Motorschäden betroffen sind.

Motorschäden bei E-Autos

Motorschäden bei E-Autos sind selten, die E-Motoren sind zuverlässig. Gibt es Defekte, werden diese aktuell noch kulant über den Hersteller abgewickelt.

Ob und wie Motorschäden Elektroautos beeinträchtigen und wie deren Halter damit umgehen sollen, muss sich erst noch zeigen. Derzeit ist die Flotte der Stromer noch sehr klein und Schäden werden meist kulant direkt vom Hersteller abgewickelt. Man muss aber kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass mit zunehmenden Stückzahlen die Kostensenker den Rotstift schwingen und wieder mehr auf Kante konstruiert wird. Steigen dann die Ausfallquoten, wird sich im freien Teilehandel auch ein Angebot von Austausch-Elektromotoren etablieren, wie es im Maschinenbau bereits seit Langem üblich ist. Ein Motorschaden am E-Auto sollte dann ebenfalls nicht unbedingt in den finanziellen Ruin führen.

Autor: Hendrik Dieckmann

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