Platz 1 mit 571 von 800 Punkten: Mercedes S 500. Ohne Frage der neue Maßstab der Luxusklasse. Elegant, hochkomfortabel, souverän. Feiner Antrieb. Top-Multimedia. Preis: ab 120.059 Euro (zum Angebot: Ersparnis bei carwow.de bis zu 13.547 Euro).
Platz 2 mit 563 von 800 Punkten: BMW 750i. Ein V8 wie aus dem Bilderbuch in einer barocken Limousine. Ausgereift und ausentwickelt. Alte Schule im allerbesten Sinn. Preis: ab 120.500 Euro (zum Angebot: Ersparnis bei carwow.de bis zu 25.914 Euro).
Ein Sieg gegen die Bayern. Davon träumen sie traditionell beim ruhmreichen VfB. Hat diese Saison leider nicht geklappt, der Aufsteiger Stuttgart fing sich zwei Klatschen gegen den Rekordmeister München. So sind sie nun mal, die Kräfteverhältnisse im Fußball. Auf der Straße in der Luxusliga sieht das ganz anders aus. Da ist das Duell S-Klasse gegen 7er seit Jahrzehnten eines auf Augenhöhe. Aktuell geht das Süd-Derby in eine neue Runde, Mercedes hat gerade die S-Klasse neu aufgelegt. Hat der schon seit 2015 gebaute aktuelle 7er da überhaupt eine Chance? (Wichtige Tipps für den Neuwagenkauf im Internet.)

Vor allem der Motor begeistert beim BMW 750i

BMW 750i xDrive
Der Star ist der Motor: Der 4,4 Liter große V8 im BMW-Bug begeistert mit Kraft, Drehfreude und Laufkultur.
Hat er. Weil es den 750i mit 4,4-Liter-V8 und 530 PS ziemlich genau zum gleichen Preis gibt wie den S 500 mit 3,0-Liter-Sechszylinder und 435 PS. Der Benz steht ab 120.059 Euro in der Liste, der BMW ab 120.500 Euro. Damit werden die Karten neu gemischt. Denn der V8 mit seinen 530 PS ist schlichtweg ein Traum von einem Motor. Mit sagenhafter Kraft, heißem Temperament und vollendeten Umgangsformen. Er tritt, also auf ausdrücklichen Wunsch hin natürlich, brachial an, dreht sehr entschlossen und unterlegt das Ganze mit einem satt bollernden V8-Bariton. Den 2,1 Tonnen schweren Siebener schießt er in glatten 4,0 Sekunden auf 100 und, noch eindrucksvoller, in 13,4 Sekunden auf 200 km/h. Ein Gesamterlebnis, das sich nur bedingt in Punkten oder Daten ausdrücken lässt. 
Der 750i fühlt sich an, als ob die Bayerischen Motoren Werke das Auto um den Motor herum gebaut haben. Der V8 liegt stets auf der Lauer, der BMW fährt sich hellwach und engagiert, fast spielerisch. (Unterhaltskosten berechnen? Zum Kfz-Versicherungsvergleich)

Die gelenkte Hinterachse kaschiert die Größe der S-Klasse

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Mercedes S-Klasse (2021): Test - Neuvorstellung - erste Fahrt - Info

So fährt sich die neue Mercedes S-Klasse

Auch die neue S-Klasse wird es später mit V8 geben, wir sind gespannt. Aber jetzt und hier steckt ein Reihensechszylinder mit 435 PS unter Haube. Auch ein großartiges Aggregat. Mit viel Technik, elektrischem Zusatzverdichter, Turbo und integriertem Startergenerator. In schlanken 5,0 Sekunden sprintet der Benz auf Tempo 100 und in 18,4 Sekunden auf 200 km/h – da spielt der BMW dann seine schiere Stärke aus. Der 3,0-Liter startet außergewöhnlich sanft, läuft betont geschmeidig, dreht Reihensechser-mäßig locker und klingt dazu wunderbar rauchig-heiser. Alles sehr kultiviert, leise und gedämpft, an Bord bleibt es bemerkenswert leise, selbst bei hohem Tempo. Das passt perfekt zum hochkomfortablen, ebenfalls 2,1 Tonnen schweren Schwaben. Der ruht unerschütterlich und gleitet sanft wogend auch über die übelsten Auswirkungen kommunaler Sparpolitik, wie beim BMW ist eine sensible Luftfederung Serie.
Abgekoppelt wirkt er deshalb noch lange nicht, sondern durchaus erdverbunden. Er fährt sich mit seiner direkten Lenkung samt schöner Rückmeldung sowieso erstaunlich handlich. Eine große Rolle spielt dabei die Zehn-Grad-Hinterachslenkung des Testwagens (1547 Euro), die auch für den außergewöhnlich kleinen Wendekreis von 10,6 Metern sorgt. Beim BMW sind es standesgemäße zwölf Meter, trotz der hier serienmäßigen Hinterachslenkung.

Zwischen den beiden Luxus-Limos liegt eine Autogeneration

Mercedes S 500 4Matic   BMW 750i xDrive
Deutlich moderner: Die taufrische S-Klasse schlägt den BMW 7er bei Design und Inneneinrichtung klar.
Er stammt schlichtweg aus einer anderen Zeit. Das zeigt sich besonders bei Design und Inneneinrichtung. Verglichen mit dem schlanken, eleganten und fast schon dezent auftretendem Mercedes wirkt der Siebener massig, füllig, geradezu barock. Irgendwie bayerisch halt. Die S-Klasse ist innen spürbar geräumiger geschnitten, bietet einfach noch eine Spur großzügigere Platzverhältnisse als der BMW. Im 7er sitzt man vorn und hinten hervorragend, keine Frage, aber im S 500 jedes Mal noch eine Spur bequemer. Besseres als die Aktiv-Multikontursitze vorn im Benz (2380 Euro) haben wir lange nicht genossen. Was dann natürlich richtig auffällt, sind die Fortschritte beim Multimedia, die es im S 500 gibt. Mal abgesehen von den seltsamen, schlecht ablesbaren Instrumenten im BMW, die eines 7er einfach unwürdig sind, wirkt sein 10,25-Zoll-Touchscreen im Vergleich zum riesigen 12,8-Zoll-OLED-Bildschirm im Benz schon leicht aus der Zeit gefallen.

Bildergalerie

Mercedes S 500 4Matic   BMW 750i xDrive
BMW 750i xDrive
Mercedes S 500 4Matic
Kamera
BMW 7er vs. Mercedes S-Klasse
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Aber, auch das muss man sagen, das iDrive ist immer noch in Bestform, obwohl der Mercedes mit klaren, logischen Menüs und feiner Grafik dagegenhält. Am Ende ist es dann noch mal erstaunlich knapp geworden. Doch Stuttgart gewinnt gegen Bayern, und zwar verdient. Auf der Straße ist also alles klar, die Fans in der Cannstatter Kurve werden wohl weiter träumen müssen.
Das Fazit: Einfach großartig, diese Toplimousinen. Beide genau so, wie sie sein sollen: Der neue S 500 ist ein typischer Mercedes, luxuriös und komfortabel. Im direkten Vergleich wirkt er sehr modern. Und der 750i steht für die typischen BMW-Werte, ist fahraktiv und energisch, der V8 wunderbar.

Von

Berend Sanders