Design-Entwurf vor dem Aus: China verbietet einklappbare Türgriffe
China schafft versenkbare Auto-Türgriffe ab

Tesla und BYD haben sie: versenkbare Griffe in Autotüren. Die Aufsichtsbehörde in China schafft nun Fakten, die Autodesigner global ins Grübeln bringen dürfte: China verbietet einklappbare Griffe! Was heißt das?
Bild: ADAC
Ein geringer Luftwiderstand ist das Ziel vieler Autohersteller. Selbst simple Rückspiegel werden zugunsten größerer Windschlüpfigkeit schon vereinzelt durch Kameras und Monitore ersetzt, beispielsweise optional beim Hyundai Ioniq 5. Ein weiterer Designtrend sind versenkte Türgriffe. Ob beim Mercedes EQE, am neuen BMW iX3 oder beim BYD Seal: Der Türgriff fährt beim Herannahen an das Auto elektrisch heraus, erst dann lässt sich die Tür öffnen.
Die Autoindustrie liebt ausfahrbare Türgriffe, sie gelten gerade bei E-Autos als modern und elegant. Außerdem verbessern sie die Aerodynamik. Nun schafft China nach einer Anforderung des nationalen Ministeriums für Industrie und Information (MIIT) neue Fakten: Die einfahrbaren Türöffner sind in China ab 1. Januar 2027 verboten.
Der neuen Regel zufolge müssen Pkw mit weniger als 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht mit Türgriffen versehen sein, die sich von außen und von innen mechanisch öffnen lassen. Ziel ist, dass sich die Türen auch bei einem Ausfall der Stromversorgung im Auto – beispielsweise bei einem Unfall – von Hand öffnen lassen. Mehrere tödliche Unfälle, auch in Deutschland, haben den Designtrend versenkter Türgriffe zuletzt in die Schlagzeilen gebracht. Gerade in den USA gab es schwere Unfälle mit verschiedenen Modellen, bei denen Insassen wegen sich nicht von außen öffnen lassender Türen verbrannt sein sollen.
Dabei haben die während der Fahrt in die Türen eingelassenen Griffe viele Vorteile: Durch weniger Luftwiderstand erlauben sie etwas mehr Reichweite. Doch die chinesischen Zulassungsbehörden sehen vor allem Nachteile: Denn versenkte Türöffner gelten als störanfällig.
Versenkbare Türgriffe: Sicherheit vs. Aerodynamik
Das Problem: Anders als mechanische Türgriffe, die den Zugang zum Auto per mechanischem Zug erlauben, muss beim versenkten Türgriff ein elektrischer Mechanismus den Griff erst herausfahren. Ohne Strom und Sensor geht nichts – bei einem verunfallten Auto lassen sich die Türen von außen nicht öffnen. Wenn der Strom an Bord ausfällt, fährt kein Griff elektrisch heraus.

Der BYD Seal fährt die Türgriffe aus, wenn man die Fernbedienung betätigt oder mit dem Schlüssel in der Tasche den kleinen, eingelassenen Sensor berührt. Sonst nicht.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Im Vorfeld der Entscheidung hatten chinesische Quellen über behördliche Zahlen berichtet, wonach elektrische Türgriffe achtmal häufiger ausfallen als mechanische. Bei einem großen E-Auto-Hersteller sollen sogar zwölf Prozent aller Reparaturen auf ihr Konto gehen. Das macht die Teile nicht nur unsicher, sondern auch teuer.
Verbot ab 2027
Dem MIIT zufolge sind ab 2027 in China verkaufte Neuwagen nur noch mit maximal halb versenkten Türgriffen erlaubt – aber nur, wenn sie über eine mechanische Notöffnung verfügen.

Optisch ein Hingucker: versenkbarer Türgriff beim Mercedes EQS SUV.
Bild: Mercedes
Das bedeutet aber: Alle internationalen Modelle mit versenktem Türgriff sind ab 2027 in China, dem weltgrößten Automarkt, nicht mehr verkäuflich. Wird das das Ende eines Designtrends einläuten?
Eine Lösung hat der Volkswagen-Konzern gefunden: Für die in China angebotenen Baureihen Audi A5L und Q6L e-tron gibt es ein rotes Notband, das nach einem Unfall zum Öffnen der Türen herausgezogen werden kann.
Was bedeutet das für Europa?
Während in Deutschland der Automobilclub ADAC und das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) schon länger auf strengere Regeln drängen, deutet sich in der EU aktuell noch keine Regelung an. Fest steht: Werden die Designer in Bezug auf versenkte Türgriffe auch in Europa umdenken?
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