Eurosatory 2026: Mercedes, Kia, VW und mehr
Mercedes Unimog, VW Amarok und Co fürs Militär

Keine Zurückhaltung: Auf der Eurosatory 2026 in Paris zeigt die Rüstungsindustrie die Zukunft der Landstreitkräfte. Die wird digitaler, stärker vernetzt und zunehmend autonom. AUTO BILD hat sich umgeschaut!
Bild: F. Hoberg
- Fabian Hoberg
Räder so groß wie ein Mensch. Ketten so schwer wie Mittelklasseautos. Auf der Eurosatory in Paris trifft sich alle zwei Jahre die Rüstungsindustrie. Mit im Gepäck: die neuesten und schwersten Verteidigungsfahrzeuge.
In vier großen Hallen und auf drei großen Freiflächen zeigen Rüstungshersteller und Zulieferer ihre Neuheiten. Von Taschenmessern über Kampfstiefel, Verpflegung, Handfeuerwaffen und Präzisionsgewehre bis hin zu den ganz großen Kalibern: Kettenfahrzeuge, Radpanzer und gepanzerte Fahrzeuge.
Militärmesse Eurosatory in Paris: Die großen Namen zeigen Flagge
Kein Wunder, dass die größten Hersteller militärischer Landsysteme wie Rheinmetall und KNDS (2015 aus Krauss-Maffei Wegmann und Nexter entstanden) auch die größten Stände bieten. Doppelstöckig, viel Stahl, Holz und Glas. Zurückhaltung? Gibt es nicht mehr.

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Bei KNDS steht schweres Gerät wie die Panzerhaubitze 2000, Leopard 2A7, Leopard 2A8, Leopard 2 A-RC 3.0, Mars 3, Griffon Mepac, Jaguar und Dingo auf dem geschotterten Freigelände.
Wie auch die größte Überraschung von KNDS: der neue Kampfpanzer Capint. Das Fahrzeug dient als Übergangslösung für die alternde französische Leclerc-Flotte und kombiniert deutsche Fahrwerkstechnik – die Wanne stammt vom Leopard 2A8 – mit einer französischen 120-Millimeter-Kanone. Der Panzer gilt als Vorbote des künftigen europäischen Kampfpanzerprojekts MGCS und integriert zahlreiche digitale Assistenz- und KI-Funktionen. Eine Einführung wird jedoch nicht vor 2035 erwartet.
Rheinmetall und Patria setzen auf Mobilität
Ebenfalls zu den Messehighlights gehört bei Rheinmetall das Luftlandefahrzeug Caracal 6x6 auf Basis der Mercedes G-Klasse. Die Plattform wurde für schnell verlegbare Kräfte entwickelt und kombiniert hohe Mobilität mit einem größeren Nutzlastpotenzial als bisherige Militärfahrzeuge.

Der Caracal 6x6 baut auf der robusten G‑Klasse auf und bietet deutlich mehr Nutzlast und Mobilität für luftbewegliche Einheiten.
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Aus Finnland reist Patria mit dem neuen Trackx an. Das Kettenfahrzeug setzt auf ein Zwei-Ketten-Konzept und soll die Geländegängigkeit schwerer Vier-Ketten-Fahrzeuge erreichen, gleichzeitig aber mehr Platz bieten. Patria positioniert das Fahrzeug als Plattform für arktische Regionen, Sumpfgebiete und schwer passierbares Gelände.
Roboter übernehmen gefährliche Aufgaben
Ein großer Trend sind schwere, unbemannte Bodenfahrzeuge. Patria und der deutsche Antriebsspezialist Renk zeigen gemeinsam ein neues UGV-Konzept (Unmanned Ground Vehicle), das auf der Trackx-Plattform basiert. Solche Fahrzeuge sollen künftig ohne Soldaten an Bord Munition transportieren oder gefährliche Missionen übernehmen.

Das unbemannte Kettenfahrzeug von AM General übernimmt Transport- und Aufklärungsaufgaben und kann modular mit Ausrüstung oder Sensoren bestückt werden.
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Der MAG General UGV verzichtet ebenfalls auf einen Fahrer. Das unbemannte Kettenfahrzeug übernimmt Transport-, Aufklärungs- oder Unterstützungsaufgaben. Mit seiner niedrigen Silhouette, hoher Geländegängigkeit und modularen Nutzlast kann der Roboter Munition, Ausrüstung oder Sensoren transportieren.
Neue Radpanzer aus der Türkei und Frankreich
Aber es geht auch weiterhin konventionell. Der türkische Hersteller Otokar bringt den Radpanzer Arma II nach Paris. Das 8x8-Fahrzeug verfügt über einen Motor mit mehr als 700 PS und lässt sich je nach Version mit Kanonen bis 105 Millimeter Kaliber ausrüsten.

Der 26‑Tonnen‑Radpanzer Fenris verbindet ein 6x6-Fahrgestell mit 105‑Millimeter‑Turm und bleibt trotzdem lufttransportfähig im A400M.
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Arquus stellt modernisierte Varianten des Sherpa und des Bastion vor. Die geschützten Fahrzeuge sollen künftig besser gegen Drohnenbedrohungen und Sprengsätze abgesichert sein.
Mit dem Fenris präsentieren John Cockerill Defense und Arquus erstmals ein gemeinsam entwickeltes Feuerunterstützungsfahrzeug. Der 26 Tonnen schwere 6x6-Radpanzer kombiniert das Fahrgestell des Jaguar mit dem unbemannten Cockerill-3105-Turm samt 105-Millimeter-NATO-Kanone. Angetrieben von einem 500-PS-Motor erreicht der Fenris hohe Mobilität und bleibt gleichzeitig luftverladbar im Airbus A400M.

Der Tadeas 4x4 bringt bis zu 25 Tonnen auf die Waage, erreicht 120 km/h und setzt auf kräftige V8- oder Sechszylinder-Motoren.
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Der tschechische Hersteller Tatra Defence Vehicle zeigt mit dem Tadeas 4x4 eine neue schwere Mehrzweckplattform. Das gepanzerte Fahrzeug verfügt über ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 25 Tonnen und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h. Für den Antrieb sorgen wahlweise Tatra-V8-Motoren mit 408 bis 496 PS oder Caterpillar-Sechszylinder mit bis zu 608 PS. Die Reichweite liegt bei rund 700 Kilometern.
Das Batmobil der Eurosatory
Wer glaubt, Militärfahrzeuge seien zwangsläufig kantige Kolosse, der kennt den Cockerill i-X nicht. Der Flachmann sieht aus wie die Kreuzung aus Batmobil, Supersportwagen und Drohne auf Rädern. Mit nur 1,45 Meter Höhe, bis zu 750 PS Hybridleistung und einer Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h jagt der 3,5-Tonner durchs Gelände wie ein Kampffahrzeug auf Koffein.

Der Cockerill i‑X kombiniert Supersportwagen-Optik mit militärischer Technik und kann trotz 1,45 Meter Höhe mit Sensorik und Waffen bestückt werden.
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Trotz der Sportwagenoptik kann der i-X mit Sensoren, Drohnen und Waffen bis hin zur 25-Millimeter-Kanone ausgerüstet werden.
Wenn Autohersteller plötzlich Militärfahrzeuge bauen
Fast alle Neuheiten verfügen über verbesserte Drohnenabwehr, digitale Vernetzung und offene Architekturen für autonome Systeme. Die Trennung zwischen Panzer, Flugabwehrfahrzeug und Robotersystem verschwimmt zunehmend.
Ebenso verschwimmen die Grenzen zwischen Automobil- und Rüstungsindustrie. Neben klassischen Herstellern wie Rheinmetall, KNDS oder Patria präsentieren auch Mercedes-Benz, Kia, VW und Renault neue Militärfahrzeuge und Spezialplattformen. Auch kleinere Umbauer aus Europa zeigen ihre neuesten gepanzerten Fahrzeuge.

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Mercedes-Benz rückt die militärische G-Klasse ins Zentrum des Messeauftritts. Die robusten Geländewagen dienen weltweit bei Armeen. Ergänzt werden sie durch speziell ausgerüstete Sprinter-Varianten für Transport-, Rettungs- und Kommunikationsaufgaben. Gleichzeitig zeigt Daimler Truck sein umfangreiches Defence-Portfolio mit Unimog, Zetros und Arocs. Die Fahrzeuge decken das Spektrum von hochmobilen Truppentransportern bis hin zu schweren Logistik- und Luftverteidigungsträgern ab.
Kia präsentiert militärische Spezialfahrzeuge
Für Aufmerksamkeit sorgt Kia. Die Koreaner kehren nach zehn Jahren auf die Eurosatory zurück und präsentieren erstmals ihre komplette Familie militärischer Spezialfahrzeuge. Dazu gehören das Tasman Military Command Vehicle, ein 3,2 Tonnen leichtes und 5,43 Meter langes Führungsfahrzeug mit 210 PS auf Basis des neuen Tasman-Pick-ups, sowie das zweisitzige Transportfahrzeug KLTV Cargo mit 225 PS für Aufklärungs- und Versorgungseinsätze.

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VW stellt mit Amarok und Bulli seine Vorstellungen militärischer Unterstützung vor. ACS präsentiert mit dem Enok AB eine leichte, gepanzerte G-Klasse für Luftlandeeinheiten.

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Auch Renault wagt den Schritt in den Verteidigungsmarkt: Gemeinsam mit Thales stellen die Franzosen den neuen 4 Troop vor. Das 4x4-Fahrzeug dient als mobile Kommandozentrale und soll Aufklärung, Drohnensteuerung sowie sichere Kommunikation ermöglichen. Dank Vehicle-to-Load-Technologie kann das Fahrzeug zusätzlich externe Verbraucher mit Strom versorgen.
Fazit
Die Eurosatory 2026 zeigt eindrucksvoll: Die militärische Zukunft fährt auf Rädern, Ketten – und manchmal ganz ohne Fahrer. Wer dachte, Militärfahrzeuge seien nur grüne Blechkisten, wird in Paris eines Besseren belehrt. Zwischen Hightech-Panzern, Roboterfahrzeugen und raketenbewaffneten Geländewagen wirkt die Messe stellenweise wie eine Mischung aus Automobilsalon und Science-Fiction-Film.
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