Gebrauchte Elektroautos: So checkt man den Akku vor dem Kauf
So prüfen Sie den Akku eines gebrauchten E-Autos

Beim Kauf von gebrauchten Elektroautos verdient nicht mehr der Motor, sondern der Akku die größte Beachtung. Doch wie checkt man den "State of Health" der Batterie? AUTO BILD machte den Test!
Bild: Tim Dahlgaard
Inhaltsverzeichnis
- Wie die Akkus gebrauchter Elektroautos untersucht werden
- So beurteilt Aviloo die Akkus dreier Testautos
- Warum die Probefahrt bei E-Gebrauchtwagen so lange dauert
- Was schadet der Batterie mehr, Wärme oder Kälte?
- Check für Elektroauto-Akkus: So weit ist die Konkurrenz
- Das bieten die Hersteller für die Fahrakku-Analyse
- Fazit
Mit dem Schwenk zur Elektromobilität verändert sich auch der Gebrauchtwagenkauf. Bei Elektroautos gerät als zentrales Bauteil vor allem der Akku in den Blick. "Wichtig ist der Gesundheitszustand der Batterie", sagt Matthias Vogt, Gebrauchtwagen-Experte beim ADAC.
Leider ist dieser "State of Health" (SoH), wie es sich auf Englisch eingebürgert hat, nicht per Knopfdruck abrufbar. Aber inzwischen gibt es Technologien, mit denen sich der Zustand der Traktionsbatterie von E-Autos vor dem Kauf checken lässt.
Die Batterie macht 50 Prozent des Fahrzeugwerts aus – und die wird bei der HU bisher nicht geprüft. Denn es ist kompliziert, in den Akku hineinzuschauen. Mehrere Tech-Firmen tüfteln an Prüfmethoden, um genau das zu schaffen. "Aviloo ist am weitesten", sagt ADAC-Mann Vogt. Seit Kurzem arbeitet der Autoclub mit dem Start-up aus Österreich zusammen, ebenso TÜV Süd und GTÜ.
Das Thema ist heiß: Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hat kürzlich den Akkuzustand bei Elektroautos als Prüfkriterium in ihr Fahrzeug-Bewertungssystem aufgenommen. Dieses Bewertungssystem ist für den Autohandel verbindlich – ab 2027 soll es für jedes Elektroauto in Europa einen Batteriepass geben, fordert die EU. In Deutschland ist bereits ein Projekt dazu im Gange. Ob Aviloo die EU-Vorgaben als Erster erfüllt, ist noch völlig offen.
Die Methode der Akku-Analysten ist vergleichbar mit dem Einsatz eines Röntgengeräts in der Medizin. Aber anstelle von Strahlen liest Aviloo Zehntausende von Messdaten zum Fahrakku aus. Die werden mit allen anderen Ergebnissen verglichen, die die Österreicher bereits von baugleichen Autos gesammelt haben. So zeigt sich im Vergleichsdurchschnitt, ob eine Batterie gesund ist – oder schwächelt. AUTO BILD hat das Verfahren getestet.
Wichtig dabei: Aviloo ermittelt Akkudaten nicht bloß am stehenden Wagen, sondern dokumentiert die Funktion in Fahrt. Das haben wir mit drei gebrauchten E-Autos ausprobiert: ein fast neuer Testwagen VW ID.3, der AUTO BILD-Dauertest-Porsche Taycan und ein privater BMW i3 eines Kollegen. Der BMW stammt aus dem Jahr 2014, was ihn fast schon zum E-Auto-Klassiker macht. Er hat noch den Original-Akku an Bord.
Der Testablauf mit der Aviloo-"Box" ist simpel: Man bestellt ein Testkit online, zahlt per Kreditkarte (99 Euro) und hat nach ein paar Tagen das Paket in der Post. Bei der "Box" handelt es sich um ein Gerät in der Größe eines Laptop-Netzteils. Mitgeliefert wird ein OBD-Stecker, um Zugang zum Batteriemanagement zu erhalten. Anstöpseln, per Smartphone-App aktivieren, losfahren – der Rest geht automatisch. Nach dem Test geht das Teil zurück nach Wien, Lieferschein ist beigelegt.
Gemessen werden etwa die Zellspannung und die Innentemperatur – alles im Sekundenabstand. Treten auffällige Werte auf, gibt's später in der Dokumentation eine rote Warnung. Aber die Messfahrt selbst braucht ihre Zeit. Der volle Akku muss einmal bis auf zehn Prozent leer gefahren werden. Das geht am Stück auf der Autobahn oder in der Tempo-30-Zone, aber genauso in Etappen. Ob schnell oder langsam, ist egal.

Der Akku vom Dauertest-Taycan hat noch 92 Prozent, obwohl der Porsche bereits mehr als 50.000 km lief. Offenbar ist die Batterie sehr haltbar.
Bild: AUTO BILD
Am Schluss sendet das Gerät die Daten per Funk nach Österreich, dort werden sie ausgewertet. Innerhalb von zwei Werktagen kommt die Antwort mit dem Batterie-Zertifikat (auf einer DIN-A4-Seite). Schade: Eine Runde um den Block, wie beim Verbrenner, reicht also vorerst nicht als Probefahrt. Der Akku-Check verlangt Planung – und die Akzeptanz des Verkäufers.
Im Zertifikat ist die aktuelle Speicherfähigkeit in Prozent angegeben. Das zeigt, wie gut und brauchbar das wichtigste Bauteil wirklich ist. "Kilometerstand und Baujahr sind nicht mehr relevant für die Wertermittlung", sagt Wolfgang Berger von Aviloo.

Aviloo-Geschäftsführung (v. r. n. l.): Wolfgang Berger, Nikolaus Mayerhofer und Marcus Berger kooperieren seit Kurzem mit ADAC, GTÜ und TÜV Süd.
Bild: Aviloo
Zusammen mit der Fahrzeug-Identifizierungsnummer, dem Baujahr und dem Kilometerstand vor und nach der Probetour stellt die kleine Urkunde einen Nachweis für den aktuellen Akkuzustand dar. Das ist ein Vorlauf für kommendes Jahr, wenn jedes neue Elektroauto in der EU ein Batteriezertifikat führen muss.

Ehren-Urkunde: So sieht das Batteriezertifikat von Aviloo aus. Der Gesundheitszustand des Akkus wird in Prozent angegeben.
Bild: Aviloo
Zieht man in Erwägung, wie teuer ein Ersatzakku ist, stellt der Batterietest bares Gold dar. Berger: "Das ist pure Sicherheit für den Käufer."
Keine Aussage über zukünftiges Akkuverhalten
Kennen die Aviloo-Experten das Geheimnis langer Akku-Gesundheit? "Also wir lesen nicht aus, wie oft ein Auto schnellgeladen wurde oder wie oft der Vorbesitzer damit über den Nürburgring gerast ist", sagt Wolfgang Berger. Das sei auch nicht nötig: "Viel Schnellladen, hohe Beschleunigung, lange Fahrten mit hohem Tempo – das hat alles letztendlich ein- und denselben Effekt." Nämlich: Der Akku altert schneller.

Die Box von Aviloo wird in die OBD-Steckdose gesteckt und sendet während der Messfahrt Daten aus dem Akku an die Firmenzentrale.
Bild: Michael Specht
Insofern ist es nicht interessant, wie die Vorbesitzer den Akku be- oder misshandelt haben. Die Dokumentation ist der Akku selbst. Er lässt sich lesen wie ein Buch – und das Batteriezertifikat ist dann die Inhaltsangabe. Hat ein E-Auto-Akku nur noch 50 Prozent des ursprünglichen Speichervermögens, ist er deswegen aber nicht Schrott. "Der Wert sinkt, doch er bleibt berechenbar", sagt Berger.
Wobei Aviloo sich nicht auf eine Prognose über die Lebenserwartung einlässt: "Wir machen keine verbindliche Aussage, wie sich die Batterie in Zukunft verhalten wird." Jedenfalls zeige die Erfahrung: Die Haltbarkeit der Akkus ist generell gut. "Es gibt Fahrzeuge der vorherigen Generation, die sind erst bei 80 Prozent der Ursprungskapazität."
Kommt ein neues Modell auf den Markt, wird es von Aviloo ausgiebig getestet. Über alle Typen hinweg zeigt die Erfahrung: Vor allem Wärme durch Schnellladen und schnellen Leistungsabruf schaden der Batterie, lassen die zyklische Alterung beschleunigt voranschreiten. Also, auf einen kurzen Nenner gebracht: Schnell fahren und Schnellladen lassen den Akku schneller altern. "Wenn man die Wahl hat zwischen langsamem oder Schnellladen, sollte man es lieber langsam über Nacht machen." So halten Akkus länger.
Ganz billig ist der Batterietest nicht: 99 Euro kostet die Dienstleistung inklusive Zusendung der Box, die nur einmal verwendbar ist – und anschließend kostenlos zurückgeschickt wird. Berger will nicht ausschließen, dass der Preis in Zukunft sinken wird. Doch aktuell sei das kein Thema. Aviloo müsse erst noch bekannter werden, den Markt erobern.

DEKRA bietet seit Anfang 2023 ebenfalls einen Test für gebrauchte Elektroauto-Akkus an. Das Ergebnis liegt innerhalb von nur 15 Minuten vor.
Bild: Dekra
Wo kann ich den Akku außerdem testen lassen? Inzwischen arbeiten auch andere Dienstleister einen Batterie-Check für gebrauchte Elektroautos an. Dekra hat bereits ein Produkt, das es preislich mit Aviloo aufnehmen kann.
TÜV Rheinland hat seit kurzem "INSPECTR" eingeführt. Dieser Begriff fasst vier unterschiedliche Formen der Daten-Auslesung zusammen. Neben Fehlerspeicher und Laufleistung können die TÜV-Mitarbeiter auf Wunsch auch die Batteriedaten auslesen. Dabei greifen sie auf Software des Kooperationspartners Carly zurück.
Diese Akku-Testverfahren gibt es außerdem
Warum dauert der DEKRA-Schnelltest nur 15 Minuten?
Seit Kurzem ist der "DEKRA Schnelltest" auf dem Markt. Auch er wird per Diagnosegerät an der UBD durchgeführt. Doch anders als beim Aviloo-Check, für den der volle Akku einmal leer gefahren werden muss, geht es hier flotter: Man muss nur das Gerät anschließen und eine Strecke von rund einhundert Metern fahren. Der Schnelltest ist auf Händler und andere professionelle Kunden beschränkt, alle 74 deutschen DEKRA-Niederlassungen führen ihn durch. Auch Privatkunden können die Dienstleistung nutzen. Ein Schnelltest kostet 99 Euro.
Falls eine Testfahrt nicht möglich ist, bietet DEKRA auch eine zweite Variante im "Read out Modus" – dann werden Daten im stehenden Fahrzeug aus dem Batteriemanagementsystem ausgelesen.
Falls eine Testfahrt nicht möglich ist, bietet DEKRA auch eine zweite Variante im "Read out Modus" – dann werden Daten im stehenden Fahrzeug aus dem Batteriemanagementsystem ausgelesen.
Inspectr von TÜV Nord und TÜV Rheinland
TÜV Rheinland und TÜV Nord haben vor kurzem "Inspectr" eingeführt. Dieser Begriff fasst vier unterschiedliche Formen der Daten-Auslesung zusammen. Neben Fehlerspeicher und Laufleistung können die TÜV-Mitarbeiter auf Wunsch auch die Batteriedaten eines Elektroautos inklusive dem Gesundheitszustand SoH ("State of Health") auslesen. Dabei greifen sie auf Software des Kooperationspartners Carly zurück. Die Dienstleistung kostet einheitlich 89 Euro.
Wie schnell ist E-Health Charge von Mahle und Volytica?
Besonders schnell ist das Verfahren "E-Health", dass der Zulieferer Mahle in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Batterie-Spezialisten Volytica Diagnostics seit Mitte 2024 für Gewerbekunden anbietet. In maximal 15 Minuten soll ein Diagnosegerät über On-Board-Diagnose- und Ladeschnittstelle ausreichend Daten sammeln. Die Daten werden in die Cloud von Volytica übertragen, ausgewertet und der beauftragenden Firma, z. B. Werkstätten oder Autohäuser übergeben. Ein Prozedere, das bald auch für elektrische Lkw und Busse eingesetzt werden soll.
Auch die Hersteller selbst bieten – mehr oder weniger fortschrittliche – Analyseverfahren für gebrauchte Elektroauto-Akkus an. Dazu muss die nächstgelegene Werkstatt aufgesucht werden.
So testen Autobauer und Prüforganisationen Akkus
Anbieter | Modelle | Akku-Test |
|---|---|---|
Audi | alle Modelle | Mittels ODIS-Diagnosetester kann der verfügbare Batterieenergieinhalt bzw. der "State of Health" (SoH) ausgelesen werden. Aktuell bewertet Audi Konzepte, wie ein SoH-Zertifikat in das Audi-Programm "Gebrauchtwagen:plus" oder als Online-Produkt im Rahmen der privaten Gebrauchtwagenvermarktung eingebunden werden kann. |
DEKRA | ausgewählte Modelle | DEKRA Batterietest: Über die OBD-Steckdose werden statische Daten vom Batteriemanagementsystem (BMS) abgefragt, anschließend auf einer kurzen Fahrt (ca. 100 Meter) weitere dynamische Werte dokumentiert. Nach wenigen Minuten liegt laut DEKRA das Ergebnis vor. Ist ein Fahrtest nicht möglich, bietet DEKRA alternativ den "Read out Modus"; dann werden nur Daten aus dem BMS ausgelesen. |
Ford | Kuga PHEV, Mustang Mach-E | Die Kapazität der einzelnen Zellen lässt sich mit einem Diagnosegerät auslesen. |
GTÜ | ausgewählte Modelle | Die Reichweite wird mittels eines OBD-2-Adapters beim Fahren ausgelesen. Der Adapter wird für die Messung vom GTÜ-Partner Aviloo zur Verfügung gestellt. |
Hyundai/Kia | alle Modelle | Die Daten der Hochvoltbatterie, z. B. der SoH-Wert (State of Health), können bei jedem Kia-Vertragspartner ausgelesen werden. |
Mazda | alle E-Modelle | Mit dem M-MDS-Diagnosetester lassen sich die Parameter aller 16 Batteriemodule auslesen. |
Mercedes | alle Modelle | Über eine spezielle Diagnose kann der SoH-Wert in der Werkstatt ausgelesen werden. |
Renault | alle Modelle | Die verbleibende Batteriekapazität kann mithilfe des Diagnosewerkzeugs ausgelesen werden. Außerdem sollen Kunden über die My-Renault-App bald die Möglichkeit haben, ein Batteriezertifikat für ihr Elektrofahrzeug zu erzeugen. |
Seat | Mii Electric, Cupra Born | Es wird die Batteriekapazität des Akkus bestimmt, denn die ist maßgeblich. Dabei wird die insgesamt geladene Energie ermittelt sowie der Anteil von Gleichstrom (DC). |
Skoda | alle Modelle | Es wird die Restkapazität der Traktionsbatterie mittels Diagnosesystem ermittelt. |
TÜV Süd | ausgewählte Modelle | Es wird ein Batteriegesundheitszertifikat erstellt – bisher nur für gewerbliche Kunden. |
Volkswagen | alle Modelle | Battery Health Status: "einfache" Bescheinigung darüber, dass die HV-Batterie in Bezug auf Fahrleistung bzw. Alter noch eine Kapazität von über 70 Prozent hat. Battery Health Certificate: "genaue" Bestimmung der Restkapazität nach einem einheitlichen, reproduzierbaren Messverfahren. |
Service-Links








































