Gebrauchtwagen-Test Audi A4
Der steht glänzend da

Der Audi A4 hat richtig Karriere gemacht: vom Biedermann zum Musterknaben innerhalb eines Modellwechsels. Und jetzt geht die Erfolgsstory erst richtig los.
Bild: Toni Bader
Vor rund 20 Jahren bekannte Audi: Wir wollen auf einer Stufe mit BMW und Mercedes stehen. Damals Wunschdenken. Der auf acht Zylinder aufgeblasene Audi 100 namens V8 konnte nie am Image einer S-Klasse kratzen, und ein Audi 80 war in erster Linie eben nur ein braver Audi. Der erste A4 von 1994 markierte die Wende, die zweite Generation Ende 2000 zementierte sie: Audi ist oben angekommen. Vor allem beim Thema Verarbeitung des Innenraums setzte Ingolstadt den Maßstab. Ein Audi war plötzlich spürbar anders – hochwertiger. Tatsächlich ist er es auch. Für den A4 gilt: Sein Anteil an den Problemfällen im AUTO BILD-Kummerkasten sinkt seit Einführung des neuen Modells Ende 2000 stetig. Und auch die ADAC-Pannenwächter bescheinigen dem A4 deutliche Fortschritte. Ebenso der TÜV, der die roten Bereiche der ersten A4-Generation beim Nachfolger in blühendem Grün sieht.

Bild: Toni Bader
Lenkgetriebe, Radlager und Bremsschläuche schwächeln
Zum Beispiel kommt es gelegentlich zu defekten Lenkgetrieben. Nicht dramatisch oder gefährlich, aber ärgerlich und teuer. Denn ein neues Lenkgetriebe kostet inklusive Einbau beim Audi-Händler rund 1200 Euro. Plus aufwendiger Einstellung der Vorderachse. Ein Tipp: Lenkgetriebe gibt es auch einige hundert Euro preiswerter im freien Zubehörhandel – hergestellt vom Erstausrüster. Die Radlager versagen im Gegensatz zu früher heute eher an der Hinterachse, dafür aber regelmäßig. Leider lassen sich die modernen Kompaktlager nur mit Spezialwerkzeug wechseln, was den Weg in die Vertragswerkstatt erfordert. Gelegentlich findet der TÜV poröse Bremsschläuche. Eigentlich eine VW-Konzern-Altlast, die längst als behoben galt. Und die beim A4 erst nach fünf Jahren auftritt, also meistens voll vom Kunden bezahlt werden muss, weil Garantie- und Kulanzansprüche längst verstrichen sind.
Ganz ähnlich ist es beim Kombiinstrument, das im Rahmen von Störungen der Wegfahrsperre mit ausgetauscht werden muss. Recht oft versagt aber auch das Display in seiner Mitte, weil einzelne Pixel nicht mehr mitspielen. Oder die Multifunktionsanzeige zeigt nur noch dummes Zeug an. Zuverlässig arbeiten im A4 seit 2000 übrigens die Luftmassenmesser. Hielten die Teile bei früheren TDI kaum so lang wie ein Satz Reifen, sind sie inzwischen fast völlig aus dem Kummerkasten verschwunden. Wie Audi beim TDI auch den Zahnriemen zu lobenswerter Zuverlässigkeit erzogen hat. Dafür mehren sich nun Klagen über die 2,5-Liter-V6, die zunehmend mit eingelaufenen Nockenwellen auffallen. Aber zu einem Rückruf mag Audi sich noch nicht durchringen.
Dabei handeln die Ingolstädter bei Gefahr von Funktionsstörungen sonst prompt: Anfang 2003 erneuerten sie die Zündspulen nahezu aller Benziner mit ruhender Zündspannungsverteilung. Im Mai 2004 wechselten sie wegen der Gefahr des Festrostens unzählige Handbremsseile. Nichts anderes erwartet der Kunde eines Premium-Herstellers, trotzdem gibt sich Audi in solchen Dingen mitunter sperrig. Bei anderen Marken läuft es leider jedoch ähnlich – vielleicht sollte Audi wieder die Gelegenheit nutzen und auch hier neue Maßstäbe setzen.
Schwächen des Audi A4

Bild: Toni Bader

Bild: Toni Bader
Bewertung von AUTO BILD-Experte Hendrik Dieckmann
Der A4 ist ein problemloser Dauerläufer, wenn ein paar Grundregeln eingehalten werden: Bei allen TDI regelmäßig den Zahnriemen kontrollieren und Finger weg von der Multitronic. Ansonsten gibt es kaum echte Probleme.
Modellempfehlung: Audi A4 2.0, 1984 cm³, 96 kW/130 PS, Höchstgeschwindigkeit 212 km/h
Die überbordende Motorenpalette beim A4 macht die Wahl nicht einfach, schließlich reicht die Leistungsbandbreite von 100 bis 420 PS. Wobei sich die starken Modelle wie S4 und RS4 ohnehin nüchterner Mathematik entziehen. Für Vielfahrer kommen natürlich zuerst die Diesel infrage. Aber: TDI sind teuer, und sind sie einmal nicht teuer, haben sie irre viel auf dem Tacho. Deshalb raten wir dem Durchschnittsfahrer zum Zweiliter-Benziner. Die sind vergleichsweise günstig zu haben, stellen kein Verkehrshindernis dar und gelten als anspruchslos und unkompliziert.
Modellgeschichte des Audi A4
November 1994 Modelleinführung des A4 als Nachfolger des Audi 80. ABS und zwei Airbags serienmäßig, fünf Benziner von 100 bis 174 PS und ein 1,9-Liter-TDI, 90 PS
August 1995 Elektrische Fensterheber vorn serienmäßig, zusätzlicher 1,9-Liter-TDI mit verstellbarem Turbolader und 110 PS

Bild: Toni Bader
April 1996 Neuer 2,8-Liter-V6 mit fünf Ventilen pro Zylinder, 193 PS. Auch als quattro
Februar 1997 Seitenairbags und Nebelscheinwerfer Serie
September 1999 Facelift, erkennbar an Projektionsscheinwerfern. ESP serienmäßig ab 2,4-Liter-V6
November 2000 Modellwechsel auf den Typ 8E, Einführung als Zweiliter-Benziner (130 PS) mit Schaltgetriebe oder der stufenlosen Automatik Multitronic sowie als 2.5 TDI quattro. Avant wird zunächst unverändert weitergebaut
Dezember 2000 1.8 T (150 PS) und 1.9 TDI (130 PS) neu im Programm
März 2001 Weitere Motoren: 1,6-Liter/102 PS, und 3,0-Liter/220 PS, sowie 1.9 TDI/100 PS, und 2.5 TDI/155 PS
Mai 2001 1.8 T und 3.0 auch mit Multitronic lieferbar sowie 3.0 als quattro mit Fünfstufen-Automatik
September 2001 Einführung des neuen Avant. Motoren wie bei der Limousine. Neu: 2,4-Liter-V6, 170 PS. Multitronic auch für die TDI bis 155 PS lieferbar

Bild: C. Bittmann
Juli 2002 Einführung Zweiliter-FSI, 150 PS. 1.8 T und 2.5 TDI nun beide mit 163 PS
April 2003 Markteinführung S4 mit V8-Motor, 344 PS
Juni 2003 Neue Schaltgetriebegeneration für besseren Schaltkomfort
Januar 2004 DVD-Navigationssystem mit MMI-Bedienung, strömungsgünstige Aerowischer
November 2004 Modellpflege, erkennbar am großen Single-Frame-Kühlergrill
September 2007 Vorstellung neuer A4
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