Gebrauchtwagentest Alfa Romeo 166
Pizza de Luxe

Einmal mit allem – was bei der Pizza passt, bevorzugten viele Alfisti auch beim Neuwagen: den großen Alfa 166 mit allen Extras. Allerdings vermiesen immense Wartungs- und Reparaturkosten den Appetit.
Nüchterne Rechner rätseln oft, was die Marke Alfa Romeo so begehrenswert macht. Das Design vielleicht? Es hebt sich zumindest von der Masse ab. Wirkt aber für friedfertige Zeitgenossen etwas aggressiv. Fahrkomfort? Eher nicht, die sportlich straffe Federung verzeiht wenig. Also das Preis-Leistungs-Verhältnis? Da kann der Alfa 166 tatsächlich punkten. Die meisten Neuwagenkunden bestellten ihren Romeo wie ihre Pizza: con tutto – mit allem, kreuzten gern nette Extras wie Leder, Navi, Hi-Fi-Anlage, Klima, Metallic oder Xenonlicht an. Unser Foto-Exemplar macht von dieser Regel keine Ausnahme. Sechs Jahre alt, seine Ausstattungsliste füllt ein Buch, keine 90.000 Kilometer auf dem Tacho, nur 9900 Euro.
Noch exklusiver: Lancia Thema 8.32

Dafür lieben wir Alfa: höchst ansehnliche Mixtur aus Tradition (Luftdüsen) und Moderne (Navi-Bildschirm).
Bild: Martin Meiners
Ganz schön – teuer

Bild: Martin Meiners
Die Probefahrt von AUTO BILD
Satt und silbern steht er auf seinen 17-Zöllern: unser Fotomodell, ein 166 2.4 JTD 20V aus 2003 in nobler Distinctive-Ausstattung. Mit Leder, Automatik, einer Armada von Airbags, dem Alfa-Audio-Navigationssystem ICS, elektrisch verstellbaren Sitzen. Da fehlt nichts. Zumindest auf den ersten Blick. Doch der zweite zeigt: Der Diesel hat keinen Rußfilter. Und er bekommt auch keinen, Nachrüstungsmöglichkeit Fehlanzeige. Das erklärt den günstigen Preis, 9900 Euro sind ein Wort, schließlich steht der Kilometerzähler erst auf 89.000. Und so unverbraucht fährt sich der große Alfa auch, zieht sauber seine Bahn. Nur Querfugen auf der Autobahn mag er nicht, die reicht er unverdaut an seine Passagiere weiter. Kein Glücksgriff ist die Motor-Getriebe-Kombination: Die schon 2003 nicht mehr zeitgemäße Vierstufenautomatik erstickt den Elan des Fünfzylinders im Wandler-Öl, 175 PS sollten sich kräftiger anfühlen. Aber vielleicht ist nur der Luftmassenmesser verschmutzt, was wir auf der Probefahrt nicht prüfen konnten. So bleibt zum Schluss ein bitterer Nachgeschmack: ein schönes Auto, unfallfrei mit gepflegtem Lack, aber keine Anschaffung mit Zukunft. Denn mit gelber Umweltplakette hat der schöne Alfa schon in drei Wochen weder in Berlin noch in Hannover freie Fahrt.
Das macht Ärger

Anfällig: Die zahlreichen Gelenke und Buchsen schlagen recht schnell aus.
Bild: Martin Meiners
Der Vorgänger

Alfa Romeo 164: Erster großer Alfa mit Frontantrieb, die extreme Keilform war ein Hingucker auf der IAA 1987.
Bild: Andreas Lindlahr
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