GWM Ora 5: Fahrbericht
Liebling, sie haben den Macan geschrumpft

Porsche bietet den Macan nur noch elektrisch an. Bei GWM gibt es ein ganz ähnliches Auto auch als Benziner und Hybrid – nur viel günstiger. Alle Infos und die erste Fahrt.
Bild: T. Geiger
Der neue GWM Ora 5 erinnert aus manchen Perspektiven verblüffend an einen Porsche Macan. Nur kostet er nicht annähernd so viel: Für das Geld eines Macan lassen sich nahezu drei Ora 5 bestellen. Jetzt ist das China-SUV erstmals konfigurierbar.

Stark gewölbte Heckklappe und üppiges Hinterteil – Geschmackssache.
Bild: T. Geiger
Zum Marktstart bietet GWM das 4,47 Meter lange Kompakt-SUV als Benziner und Vollhybrid an. Der Verbrenner startet bei 26.990 Euro, für den Hybrid werden 28.990 Euro fällig. Auf beide Varianten gewähren die Chinesen zum Verkaufsstart einen Rabatt von 2000 Euro. Damit sinkt der Einstiegspreis vorübergehend auf knapp 25.000 Euro.
Es wäre nicht das erste Mal, dass Ora bei einem deutschen Vorbild Maß nimmt. Ihre fast schon freche Käfer-Kopie gibt es zwar nur in China. Doch das Gesicht des Vaters aller Volkswagen ziert auch die bei uns erhältlichen Modelle. Und beim Flaggschiff Ora 07 sind die Parallelen zum Porsche Panamera kaum zu übersehen.
Motoren ohne Porsche-Ambitionen
Aber damit jetzt keine falschen Erwartungen geweckt werden. Spätestens beim Blick unter die Haube ist es vorbei mit den Porsche-Parallelen. Denn die Einstiegsmotorisierung ist ein 1,5-Liter-Turbo mit 160 PS, die E-Version (kommt Anfang 2027) fährt mit 204 PS, und selbst der Hybrid als stärkste Modellvariante muss sich mit 223 PS bescheiden. Den ist AUTO BILD bereits als chinesische Version gefahren.

China kann auch chic. Weiche Materialien, saubere Verarbeitung und mehr Stil als bei manchem Rivalen.
Bild: T. Geiger
Obwohl der Akku kaum mehr als 1 kWh hat, ist man in der Rushhour von Baoding die meiste Zeit elektrisch unterwegs. Das ist gleich doppelt gut, weil der Ora 5 dann erfreulich flott anfährt und vor allem, weil man dann nichts hört vom kratzigen Benziner, der sich bislang noch ganz gerne in den Vordergrund spielt.
Das Fahrwerk könnte ein bisschen Strenge verkraften und der Lenkung fehlt es an Schärfe. So jedenfalls mag man sich damit weder die 170 km/h Spitze im E-Modell vorstellen noch die 190 Sachen des Verbrenners.
Chancen in der Kompaktklasse
Gegen den Macan macht er damit keinen Stich. Übrigens auch nicht mit einem 58-kWh-Akku für etwa 430 Kilometer und einer Ladeleistung von 11 kW am Wechsel- und 120 kW am Gleichstrom. Aber in der zweiten Liga der Kompaktklasse – im Ringen mit den vielen SUV aus der Stellantis-Sippe, mit einem Toyota C-HR oder den Koreanern – sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Zumal sich die Chinesen auch hier einen deutlichen Preisvorteil sichern.

Der Ora 5 erinnert stark an den Porsche Macan – nur kompakter und deutlich günstiger.
Bild: T. Geiger
Und der geht nicht zu Lasten der Insassen. Denn die Platzverhältnisse sind solide. Nicht umsonst ist der Fünfer im Vergleich zum 03 gute 20 Zentimeter länger und hat mit 2,72 Metern sieben Zentimeter mehr Radstand. Und das Ambiente kann sich sehen lassen: Die in China schier unverzichtbare Bildschirmlandschaft mit gestochen scharfen Grafiken und schnelleren Prozessoren als in den meisten Smartphones, einem App-Store groß wie ein Kaufhaus und nobelpreisverdächtiger KI garnieren die Chinesen deshalb mit reichlich Retro-Elementen bis hin zu den wie aus Messing gefertigten Lautsprechergehäusen und natürlich den Kippschaltern fürs Klima.
Kommt uns irgendwie bekannt vor? Klar, schließlich haben die Chinesen gemeinsam mit BMW den elektrischen Mini entwickelt und übernehmen für die Bayern auch die Produktion. Und statt wie bei vielen chinesischen Billigheimern nur hartes Plastik Marke Hornhauthobel gibt's hier sauber verarbeitete, weich unterschäumte Oberflächen und mehr Chic als in manchem Mini.
Drei Karosserievarianten geplant
Selbst gegen die Verwechslungsgefahr mit dem Macan haben die Chinesen noch etwas in petto. Schließlich ist das, was sie hier so hochtrabend SUV nennen, nur eine von drei Varianten des Baby-Boomers aus Baoding. Wahrscheinlich ziemlich gleichzeitig soll es auch einen zum normalen Golf-Gegner abgerüsteten Hatchback ohne Dachreling und Extra-Bodenfreiheit geben. Und spätestens wenn dann auch noch der Kombi kommt, ist Porsche endgültig aus dem Sinn.
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