Hamburg will künstlichen E-Auto-Sound verbieten
Sound-Verbot für E-Autos? Hamburg startet Bundesinitiative

Elektroautos könnten die Städte leiser machen, wären da nicht künstliche Motorsounds. Hamburg will solchen Verbrenner-Imitationen jetzt an den Kragen.
Bild: Hyundai
Elektroautos surren statt zu brüllen. Eigentlich. Denn immer mehr Hersteller verpassen ihren Stromern künstliche Fahrgeräusche. Teilweise sogar Sounds, die ganz bewusst an leistungsstarke Verbrennungsmotoren erinnern sollen.
Genau dagegen geht Hamburg jetzt vor. SPD und Grüne wollen erreichen, dass künstlicher Motorsound bei Elektroautos oberhalb niedriger Geschwindigkeiten bundesweit verboten wird. Die Hamburger Regierungsfraktionen haben einen entsprechenden Vorstoß in die Bürgerschaft eingebracht.
"Technischer Fortschritt sollte Verkehrslärm reduzieren und ihn nicht künstlich wieder zurückholen", begründet SPD-Verkehrspolitiker Ole Thorben Buschhüter die Initiative. Gerade in dicht besiedelten Städten sei die geringere Geräuschentwicklung schließlich ein Vorteil der Elektromobilität.
Warnton für E-Autos soll bleiben
Wichtig: Es geht nicht um das sogenannte AVAS. Seit Juli 2021 müssen neu zugelassene Elektroautos bei niedrigen Geschwindigkeiten künstliche Geräusche erzeugen. So sollen insbesondere Fußgänger und Radfahrer die ansonsten sehr leisen Fahrzeuge rechtzeitig hören können.
Diese Sicherheitsfunktion soll ausdrücklich erhalten bleiben. Hamburg hat vielmehr zusätzliche Sounds im Visier, die oberhalb niedriger Geschwindigkeiten erzeugt werden und keinen Sicherheitszweck erfüllen.
Das betrifft etwa künstliche Motorengeräusche, mit denen Hersteller ihren Elektroautos mehr Emotion verleihen wollen. Hamburgs Regierungsfraktionen argumentieren, dass bei höherem Tempo ohnehin die Abrollgeräusche der Reifen ausreichen, um ein Fahrzeug akustisch wahrzunehmen.
Hamburg kann Verbot nicht allein beschließen
Ein solches Verbot kann Hamburg allerdings nicht einfach für seine Straßen verhängen. Deshalb soll sich der Senat auf Bundesebene für eine entsprechende Regelung einsetzen.
Gleichzeitig unterstützt Rot-Grün eine Bundesratsinitiative, mit der stärker gegen sogenanntes Autoposing vorgegangen werden soll. Hamburg verfügt bereits über eine spezialisierte Polizeieinheit für entsprechende Fälle.
Auch Grünen-Mobilitätspolitikerin Rosa Domm verbindet beide Themen: "Technisch manipulierte Fahrzeuge, aggressives Fahren und das absichtliche Erzeugen von Motorenlärm hat kein Platz auf Hamburgs Straßen."
Sound gehört bei manchen E-Autos zum Konzept
Für die Autoindustrie wäre ein bundesweites Verbot durchaus relevant. Denn künstlicher Klang hat sich längst zu einem Bestandteil der Inszenierung leistungsstarker Elektroautos entwickelt. Dabei geht es nicht zwingend um eine möglichst realistische Kopie eines Verbrennungsmotors – Hersteller nutzen synthetische Sounds auch, um Beschleunigung und Leistung akustisch erlebbar zu machen.
Genau hier dürfte im Falle einer tatsächlichen gesetzlichen Regelung die spannende Frage liegen: Wo endet ein zulässiges Fahrgeräusch – und wo beginnt die verbotene Nachahmung eines Verbrennungsmotors?
Noch ist ein bundesweites Verbot jedenfalls nicht beschlossen. Der Hamburger Vorstoß ist zunächst eine politische Initiative, mit der die Hansestadt eine entsprechende Regelung auf Bundesebene erreichen will.
Service-Links








