Mehr Käuferinteresse an E-Autos wegen hoher Spritpreise?
Interesse an Elektroautos zieht stark an

Führen die fast rekordhohen Spritpreise zum Umdenken auf dem Automarkt? Aktuell steigt das Interesse an Elektroautos rapide an – auch an gebrauchten!
Bild: Adobe Stock
- Raphael Schuderer
Die Spritpreise klettern von Rekordhoch zu Rekordhoch. Das lässt anscheinend auch die Autokäufer nicht kalt: Sowohl auf dem Gebraucht- als auch auf dem Neuwagenmarkt steigt das Interesse an Elektroautos rapide an! Das zeigen die Anfragen von Nutzern auf Kaufportalen wie Autoscout24, mobile.de und Carwow.
Generell ist Fahrstrom aktuell deutlich günstiger als Sprit. Noch präziser wird das durch eine konkrete Beispielrechnung: Beim aktuellen Durchschnittsstrompreis von 31,1 Cent/kWh (Quelle: Verivox) liegen die Energiekosten für 100 Kilometer Fahrt in einem vollelektrischen VW ID.3 mit einem Verbrauch von 17,3 Kilowattstunden auf 100 km bei 5,38 Euro.
Ein kompakter VW Golf 1.5 TSI verbraucht 6,5 Liter Benzin auf 100 km. Bei den aktuellen Spritpreisen (Stand 7. April 2026: 2,19 Euro pro Liter Super E10) kostet der nötige Sprit 14,24 Euro. Die Kraftstoffkosten beim Verbrenner-Golf sind damit fast dreimal so hoch wie bei einem elektrischen VW, der mit günstigem Haushaltsstrom geladen wird.
Suchanfragen fast verdreifacht
Die Preisdifferenz wirkt sich offensichtlich auf den Markt aus: Autoscout24 beobachtete im März 2026 gegenüber dem Vormonat eine um 39 Prozent gestiegene Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos. Gleichzeitig sinke das Interesse an klassischen Antrieben: Die Nachfrage nach gebrauchten Dieselfahrzeugen gehe um 16 Prozent zurück, bei Benzinern um 10 Prozent. Stefan Schneck, Vertriebschef Deutschland von AutoScout24: "Der Preis an der Zapfsäule ist für viele längst mehr als ein Ärgernis – er wird zunehmend zum konkreten Anlass, die eigene Mobilität neu zu bewerten."
Ähnliche Entwicklungen meldete bereits mobile.de. Ein Sprecher zu AUTO BILD: "Aktuell führen die hohen Benzinpreise zu einer steigenden Nachfrage nach Elektromobilität. Auf Deutschlands größtem Fahrzeugmarkt mobile.de sehen wir, dass sich der Anteil der E‑Auto-Suchen seit Monatsbeginn [März 2026, d. Red.] nahezu verdreifacht hat – von 12 auf 36 Prozent." Es interessieren sich also dreimal so viele Menschen für E-Autos wie vor dem Spritpreis-Schock. Auch konkrete Anfragen bei den Händlern nehmen zu: "Aktuell erhalten Autohändler 50 Prozent mehr Anfragen nach Stromern als noch im Februar", verriet der Sprecher.
42 Prozent: "Ein Elektroauto kommt aktuell nicht infrage"
Doch nicht alle Autofahrer sympathisieren angesichts hoher Spritpreise mit der E-Mobilität. YouGov und mobile.de befragten 2226 Personen, was für sie aktuell das stärkste Argument für die Elektro-Mobilität sei: 19 Prozent lockt die Ersparnis bei den Kraftstoffkosten, 15 Prozent schätzen den positiven Umweltaspekt, 11 Prozent feiern die Unabhängigkeit, weil sie eigenen Strom per Solarzelle produzieren, 4 Prozent mögen das Fahrgefühl eines Elektroautos. Aber: Für 42 Prozent zählen die vorher genannten Faktoren nicht, für sie kommt ein Elektroauto aktuell nicht infrage. 9 Prozent antworteten mit "weiß nicht".
Elektro-Effekt parallel zum Ölpreis-Geschehen
Das Autoportal Carwow beobachtet auf Basis einer großen Kundenumfrage von Mitte März 2026 Veränderungen beim Verhalten der Autokäufer. Fast jeder Zweite (48 Prozent) gab bei der Befragung an, dass die höheren Kraftstoffpreise ein Elektro- oder Hybridfahrzeug in seinen Fokus rücken lassen. Der Anteil der Elektroauto-Konfigurationen auf Carwow sei zudem von 55 Prozent (Ende Februar) auf 66 Prozent (Mitte März) angestiegen.
Gleichzeitig sinke das Interesse an klassischen Verbrennern: Dort sei im gleichen Zeitraum ein Rückgang der Konfigurationen von rund 26 Prozent auf etwa 18 Prozent zu verzeichnen. "Der Effekt ist also relativ signifikant parallel zum Ölpreis-Geschehen. Mit den hohen Spritpreisen steigt die Nachfrage", so Felix Barth, Vertriebsleiter von Carwow, gegenüber AUTO BILD.
Fazit
Führen die hohen Spritkosten zu einem Umdenken auf dem Automarkt? Der günstigere Ladestrom macht Elektroautos aktuell zwar attraktiver. Doch die Umfrage von mobile.de und YouGov zeigt, dass die Kraftstoffkosten bei der Antriebswahl nur ein Faktor von vielen sind und für fast die Hälfte der Befragten (42 Prozent) ein Elektroauto aktuell nicht infrage kommt.
Service-Links









