Rock around the clock gilt den meisten Musikexperten als Geburtsstunde des Rock 'n' Roll. Und der Titel passt fast 70 Jahre später perfekt auf unseren Vergleich von Honda Civic Type R und VW Golf R Performance – zwei wilde Hot Hatches, die rund um die Uhr Alarm machen. Und hier mit wummernden Motoren gegen die Uhr kämpfen.

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VW setzt dabei auf Allrad, Driftprogramm, speziellen Nordschleifen-Modus und 333 PS. Sein Tanzpartner ist der neue Civic Type R (FL5). Und damit ausgerechnet ein überzeugter Anhänger des Frontantriebs. Aktuell schickt der heiße Honda mächtige 329 PS an die Vorderachse – von der Papierform herrscht also fast Gleichstand. Doch wie sieht das auf der Piste aus? Wir schalten die Startampel auf Grün.
Honda Civic Type R VW Golf R Performance
Heiße Kompakte: Beim Vergleistest zwischen Civic Type R und Golf R Performance toben insgesamt 662 PS über den Racetrack.
Bild: Christian Bittman / AUTO BILD

Zwei Kompaktsportler mit über 300 PS

Also rein in den Civic. Die Optik mit dem Riesenflügel mag nicht jedem gefallen, ergibt aerodynamisch aber genauso Sinn wie der Lufteinlass auf der Motorhaube, der zusätzlich auch dem Motor Luft verschafft. Sobald wir in die fest zupackenden und bestens stützenden Sportsitze fallen, fühlen wir uns schon ein bisschen wie ein Rennfahrer. Die Sitzposition stimmt, das Cockpit bleibt weitgehend rätselfrei, und dass wir nach hinten vor allem das Flügelwerk beobachten können, nehmen wir mal so hin.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Turbo 
Vierzylinder, Turbo 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Kette 
Hubraum 
1996 cm³
1984 cm³ 
kW (PS) bei U/min 
242 (329)/6500 
245 (333)/5600 
Nm bei U/min 
420/2600 
420/2100 
Höchstgeschwindigkeit 
275 km/h 
270 km/h 
Getriebe 
Sechsgang manuell 
Siebengang-Doppelkupplung 
Antrieb 
Vorderradantrieb 
Allradantrieb 
Bremsscheiben vorn/hinten 
350/305 mm 
357/310 mm 
Testwagenbereifung 
Michelin Pilot Sport 4 S 
Bridgestone Potenza Race 
Reifentyp 
265/30 R 19 Y 
235/35 R 19 Y 
Radgröße 
9,5 x 19" 
8 x 19" 
Abgas CO2 
185 g/km 
184 g/km 
Verbrauch* 
8,1 l 
8,2 l 
Tankinhalt 
47 l 
55 l 
Kraftstoffsorte 
Super Plus 
Super Plus 
Partikelfilter 
Serie 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
70 dB(A) 
71 dB(A) 
Kofferraumvolumen 
410–1212 l 
341–1197 l 
Länge/Breite/Höhe 
4594/1890–2082**/1401 mm 
4290/1789–2073**/1458 mm 
Radstand 
2734 mm 
2628 mm 
Grundpreis
68.500 Euro
57.985 Euro

Die Instrumente kennen drei Darstellungsmodi, die mit den Fahrprogrammen korrelieren: Normal mit zwei Rundinstrumenten und den üblichen Zusatzinformationen, zart errötet, ansonsten aber unverändert im Sportprogramm und kräftig rot mit einem Drehzahlbalken im Stile des legendären S2000 am oberen Rand, wenn R+ gewählt wird. Da sehen wir uns und starten dann mal die Maschine.

Civic Type R hat ein mitreißendes Wesen

Der überarbeitete Zweiliter-Turbo lässt beim Messen nichts anbrennen. In amtlichen 5,4 Sekunden stürmt er die 100-km/h-Marke, nach 18,9 Sekunden liegt Tempo 200 an, Schluss soll erst bei 275 km/h sein – dafür brauchten wir allerdings schon ein bisschen Anlauf. Bewahrt hat sich der Japaner bei alldem sein faszinierendes und mitreißendes Wesen. Erwartungsvoll knurrend legt der Civic los, lässt spätestens bei 3000 Touren seine Hemmungen fallen und reißt mit wilder Entschlossenheit an den Vorderrädern.
Honda Civic Type R
Stürmisch: Tempo 100 liegt im Civic Type R bereits nach 5,4 Sekunden an. Traktionsprobleme kennt der Fronttriebler dabei kaum.
Bild: Christian Bittman / AUTO BILD

Traktionsprobleme bleiben im Trockenen gering, nur ab und zu quietschen die 265er-Gummis vor Freude und Übermut. Obenraus, so ab 6000 Touren, lässt der Vierzylinder dann wieder leicht nach und fordert per Schaltanzeige und Warnton den nächsten Gang ein. Dabei flutscht der Hebel lässig durch die Gassen, die ohnehin sehr gute Rev-Match-Funktion (Runterschalten mit Zwischengas) passt jetzt auch von zwei auf eins perfekt.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,6 s 
1,9 s 
0–100 km/h 
5,4 s 
4,6 s 
0–130 km/h 
8,0 s 
7,0 s 
0–160 km/h 
12,0 s 
10,3 s 
0–200 km/h 
18,9 s 
16,8 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,4 s 
2,3 s 
80–120 km/h 
3,2 s 
2,8 s 
Rundenzeit
Contidrom
1:35,87 Minuten
1:35,38 Minuten
Leergewicht/Zuladung 
1415/385 kg 
1516/514 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
62/38 % 
61/39 % 
Wendekreis links/rechts 
12,4/12,6 m 
12,0/12,0 m 
Sitzhöhe 
500 mm 
515 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,5 m
34,2 m
aus 100 km/h warm
33,8 m
33,4 m
aus 200 km/h warm 
134,0 m 
134,3 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
60 dB(A) 
60 dB(A) 
bei 100 km/h 
66 dB(A) 
65 dB(A) 
bei 130 km/h 
69 dB(A) 
68 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
7,2 l SP/100 km 
7,1 l SP/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
8,6 l SP/100 km
(+7 %)
8,7 l SP/100 km
(+6 %)
Sportverbrauch 
11,4 l SP/100 km 
11,3 l SP/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
206 g/km 
206 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
530 km 
630 km 

Auf dem Track brauchen wir den ersten Gang natürlich nicht, freuen uns dafür vor allem über die breitere Spur des neuen Type R (vorn +26, hinten +30 mm). Bei grundsätzlich unverändertem Adaptivfahrwerk und den zwei Zentimeter breiteren 19- statt der bisherigen 20-Zoll-Räder liegt der Honda sehr souverän auf der Piste.
Honda Civic Type R
Päzise: Mit der wunderbar direkten Lenkung findet der Type die Ideallinie quasi automatisch. Nur am Limit untersteuert er leicht.
Bild: Christian Bittman / AUTO BILD
Mit seiner präzisen und wunderbar direkten Lenkung findet der Type R die Ideallinie quasi automatisch, steife Buchsen und eine konsequente Vorderachssperre lassen auch in schnellen Kurven wenig verrutschen, das im R-Modus richtig harte Fahrwerk reduziert effektiv die Karosseriebewegungen. Der Honda wird seiner wilden Optik trotz leichter Untersteuertendenz am Limit jedenfalls absolut gerecht und agiert stets unverfälscht sportlich. Ein Genuss. Wer schnell über die Autobahn fliegt, sollte aber beide Hände ans Lenkrad nehmen und den Komfortmodus wählen.

Der Allradantrieb hilft dem Golf R

Der ist beim Gegenpart aus Wolfsburg praktisch überall fest eingebaut. Was jetzt nicht bedeutet, dass der Golf R Performance langsam ist. Ganz im Gegenteil. Der Zweiliter-Turbo bringt es in dieser schärfsten Ausbaustufe auf 333 PS und 420 Nm Drehmoment. So gelingen dem Golf nicht nur die Standardsprints mit 4,6 Sekunden auf 100 und 16,8 Sekunden auf 200 km/h müheloser als dem Civic, auch beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren zieht der Wolfsburger unwiderstehlich davon.
VW Golf R Performance
Traktionsplus: Dank Allrad stürmt der Golf R Performance in 4,5 Sekunden auf Tempo 100. Auch Kurven nimmt er mühelos.
Bild: Christian Bittman / AUTO BILD

Natürlich hilft hier auch der Allradantrieb mit zwei Lamellenkupplungen hinten, der die Kräfte für jedes Hinterrad einzeln verteilen kann. Wo der Civic zwischen zartem Untersteuern und ebenso dezentem, aber hilfreichem Lastwechsel-Übersteuern die Kurven seziert, knallt der Golf eher ungehemmt und gnadenlos durch Biegungen aller Art. Das Torque Splitter genannte System verhilft dem R Performance neben einem Nordschleifen-Modus (Special) auch zu einem Drift-Mode – bei sommerlichen Temperaturen und trockener Fahrbahn muss der Golf zum Quertreiben aber trotzdem gezwungen werden.
Honda Civic Type R VW Golf R Performance
Gute Zeiten: Auf dem Contidrom schenken sich die beiden nicht viel. Der Golf braucht 1:35,38, der Civic 1:35,87 Minuten.
Bild: Christian Bittman / AUTO BILD

Klebrigere Semislicks auf dem VW

Macht nichts, für die Rundenzeit sind solche Spaßeinlagen ohnehin unbrauchbar. Mit der optimalen Einstellung (ESP aus, Race) schafft der VW auf dem Trockenhandlingkurs des Contidroms 1:35,38 Minuten – der Civic benötigt mit 1:35,87 Minuten eine knappe halbe Sekunde länger. Neben dem Allrad helfen dem Golf die elektronische Sperre, mehr negativer Sturz an der Vorderachse und die Semislicks von Bridgestone (Potenza Race) – die kleben einfach stärker als die sehr guten Michelin Pilot Sport 4 S des Civic.
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Abseits der Rennstrecke zeigt der R Performance dann die typischen Golf-Tugenden. Er passt überall hin, federt auch dank 15-fach verstellbarer Dämpfer selbst auf ausgefahrenen Nebenstrecken noch anständig und lässt sich auch bei Vollgas auf der Autobahn lässig lenken. Im Alltag benimmt sich dieser Über-Golf jedenfalls genauso unkompliziert wie seine schwächeren Brüder. Seine Sitze bieten guten Halt, ohne übermäßig einzuengen; der Motor macht seine Potenz akustisch klar, ohne aufdringlich oder peinlich zu klingen; die Lenkung reagiert präzise und zielsicher, ohne durch spitzes Ansprechen nervös zu wirken.

Testwagenpreise um 60.000 Euro

Unruhig werden wir erst beim Blick in die Preisliste, besser gesagt den Konfigurator. 57.985 Euro werden für den Golf R Performance aufgerufen. Okay, die Ausstattung ist nicht schlecht, das den Testwagen zierende Lapiz Blue Metallic kostet aber weitere 860 Euro, DCC 1045 Euro … Ähnlich wild treibt es der Civic Type R, der bei 58.500 Euro startet. Die Sonderfarbe Rallye Red macht unseren Kandidaten weitere 700 Euro teurer. Als Jugendkultur wie einst der Rock 'n' Roll gehen die beiden also sicher nicht durch, als Spaßbringer aber auf jeden Fall.

Bildergalerie

Honda Civic Type R VW Golf R Performance
VW Golf R Performance
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Zwei sportliche Kompakte im Test

Fazit

von

AUTO BILD
Zwei der heißesten Kompakten, die derzeit angeboten werden, mit ähnlicher Leistung, aber ganz unterschiedlichem Charakter. Der Allrad-Golf begeistert als fast perfekter Alleskönner, der frontgetriebene Civic fasziniert mit manchmal derber, aber immer ehrlicher Sportlichkeit.