Insider-Bericht aus Wolfsburg
Rollen bald China-Modelle aus deutschen VW-Werken?

VW steckt in der Krise. Der Import von China-Modellen oder sogar die Produktion von China-VW in Europa könnte Kosten senken. AUTO BILD verrät, was an den Gerüchten dran ist!
Bild: Volkswagen AG
- Raphael Schuderer
Wird Volkswagen zum Volksrepublikwagen? Der Wolfsburger Autobauer prüft aktuell, in China entwickelte und produzierte Modelle auch in Deutschland zu verkaufen. Selbst eine Produktion der China-Modelle in deutschen Werken sei laut "Handelsblatt" möglich, der Standort Zwickau biete sich dafür besonders an. Das Medium beruft sich dabei auf Insider aus dem Konzern. Volkswagen wollte sich gegenüber dem "Handelsblatt" nicht zur Thematik äußern.
Bislang werden die Märkte streng getrennt: In Europa werden größtenteils Fahrzeuge aus deutscher Produktion vertrieben. Fahrzeuge aus chinesischer Produktion werden in China verkauft. Aber das könnte sich bald ändern! Den Autohersteller plagen in Deutschland Probleme bei der Auslastung der Werke, die Kosten für Produktion und Entwicklung der Fahrzeuge sind in China deutlich niedriger.
Der VW ID.Era 9X könnte den Touareg beerben
Welche Modelle werden geprüft? Als interessanter Kandidat für den Europa-Markt gilt der VW ID.Era 9X. Das E-SUV mit Range Extender wurde gemeinsam mit dem chinesischen Autohersteller SAIC entwickelt und ist etwas größer als ein VW Touareg. Sobald dessen Produktion eingestellt wird, könnte der Era 9X die Lücke schließen. In China ist das Modell für rund 45.000 Euro zu haben, der Touareg kostet aktuell als "Final Edition" rund 75.000 Euro.
Als wahrscheinlichere Möglichkeit bezeichnet das "Handelsblatt" die Übernahme eines bislang noch nicht offiziell vorgestellten Modells auf der neuen China-Plattform CSP. Das Modell soll 2027 auf den Markt kommen und ähnlich dimensioniert sein wie ein Touareg. Nach Insiderangaben sei ein Export nach Deutschland allerdings frühestens Ende 2027 denkbar. Dann wäre noch eine Anpassung an europäische Vorschriften nötig, das betreffe vor allem Software, Materialien und Assistenzsysteme.
VW muss Kosten senken
VW muss aktuell Kosten senken, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Der Autohersteller durchlebt derzeit eine der schwersten Krisen in der Konzerngeschichte. Für den 9. Juli 2026 sei laut Handelsblatt ein Aufsichtsratstreffen geplant, dazu werde im Juli separat auch das China-Portfolio von VW analysiert.
Der Import von VW aus China könnte durch die Kostenersparnis bei Entwicklung und Produktion trotz der EU-Strafzölle gegen Autohersteller aus China wirtschaftlich interessant sein. Gegenstimmen in Wolfsburg warnen vor einer Verwässerung der Marke.
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