Ein Wohnmobil aus der La-Strada-Manufaktur gilt unter Kennern sowieso schon als besonderes Schmankerl. Doch für dieses hier, unseren neuen Dauertest-Absolventen, gilt das ganz besonders. Selbst wenn er nur banal im Stop-and-go durch die Stadt rollt, ruft alles an ihm: Abenteuer! Der Dämpfer kommt, wie befürchtet, beim Blick auf die Preisliste. So ausgestattet, wie wir ihn in unseren Testfuhrpark aufnehmen, kostet der Allradler exakt 121.886 Euro. Wer ihn ganz nackt ordern würde, hätte noch 68.875 Euro auf dem Preiszettel stehen. Und käme um drei große Vergnügen, die dieses Mobil in der Summe so begehrenswert machen: erstens die zuschaltbare Allrad-Option, zweitens den 190 PS starken, souveränen und gut tönenden V6-Diesel sowie drittens die zauberhaft kooperierende Siebenstufenautomatik. Sie führt mit dem V6 eine überaus harmonische Beziehung.

Der Motor unseres La Strada Regent S 4x4 hielt nicht lange durch

La Strada Regent S 4x4
Eine defekte Zylinderkopfdichtung machte dem Motor schon nach kurzer Zeit den Garaus.
Unser Dauertest startete allerdings ziemlich holprig: Nach nicht einmal zwei Monaten hauchte der Motor sein Leben aus. Mitten in Südtirol, im dicksten Winter auf einer Testfahrt unseres AUTO BILD-Kollegen Matthias Moetsch. Ursache war eine defekte Zylinderkopfdichtung, die Kühlflüssigkeit in einen Brennraum eintreten ließ. Beim Anlassen sorgte dann der hohe Druck der verdichteten Flüssigkeit für einen Kolbenschaden. Kurzerhand baute die örtliche Mercedes-Werkstatt einen Austauschmotor ein – natürlich auf Garantie. Gegen einen solchen Knaller war der defekte Ladebooster, der sich dem Kollegen auf der Anreise durch eine Batterie-Warnmeldung im Zentraldisplay und den durch Unterspannung der Aufbaubatterie ausgefallenen Kompressorkühlschrank ankündigte, schon fast eine Lappalie. Zumal er spontan direkt bei La Strada ausgetauscht wurde – um 19.45 Uhr, während nebenan die Weihnachtsfeier lief! "Bekommen normale Kunden auch so einen Service, am späten Freitagabend während einer Betriebsfeier?", fragte des Kollegen Gattin den Servicetechniker. Seine Antwort: "Ja."

Die Assistenz- und Mediasystemausstattung des Reisemobils

La Strada Regent S 4x4
Der Spurhalteassistent nervt mit ständigem Gepiepse. Glücklicherweise kann man ihn ausschalten und so für Ruhe sorgen.
Und damit wären wir schon bei einem der Vorzüge, die solch ein Manufaktur-Reisemobil bietet. Das Verhältnis zur Kundschaft ist eng; der gute Service wird geschätzt wie das flexible Erfüllen von Sonderwünschen. Folglich kommt meist wieder, wer einmal einen La Strada besaß – und zwar mit einer Neuwagenbestellung, wie Geschäftsführer Marco Lange berichtet. Rund 330 Reisemobile verlassen jährlich die Werkshallen im hessischen Echzell, drei Viertel davon entfallen auf den Avanti mit Fiat-Ducato-Basis. Unser Regent S auf Basis des Mercedes Sprinter war also etwas Besonderes – zumal er, ausgestattet mit V6-Motor (4069 Euro) und Siebenstufen-Wandlerautomatik (2595 Euro), auch so ziemlich am oberen Fahrkomfort-Ende unterwegs war. Dazu passte die vollends zeitgemäße Ausstattung an Media- und Assistenzsystemen. Abstandsregeltempomat (im Technik-Paket 2 mit Ladebooster, Multifunktionslenkrad, Zuheizer, elektrischen Außenspiegeln, 7-Zoll-MBUX usw. für 3470 Euro), 10-Zoll-MBUX (2095 Euro) und 360-Grad-Kamera (1644 Euro) vermochten uneingeschränkt zu überzeugen, reagierten schnell und zuverlässig. Besonders hervorzuheben ist dabei die Sprachsteuerung. Sie erkannte Befehle zu Zieleingaben fürs Navi, Wünsche nach einem Radiosenderwechsel oder dem Rufaufbau via Smartphone (per Bluetooth gekoppelt) weitestgehend korrekt. Streitbar war hingegen der Spurhalteassistent, der mit ständigem Piepsen nervte, aber ausgeschaltet werden konnte. Und die Tatsache, dass das MBUX im Stand nach einigen Tagen Radio hören die Starterbatterie leer saugte.

Spaßfaktor: Geländefahrten werden im La Strada Regent S 4x4 zum Vergnügen

La Strada Regent S 4x4
Staubige Feldwege, steile Stellplatzauffahrten, nasse Wiesen – alles kein Problem!
Mit dem optionalen Allradantrieb (13.670 Euro), dessen Verteilergetriebe durch massive Stahlbügel geschützt ist, ging auch eine Höherlegung um 8,5 Zentimeter einher. In Verbindung mit den kurzen Überhängen vorn wie hinten und der insgesamt guten Übersichtlichkeit machte sie Geländefahrten zum Vergnügen. Hier, aber auch auf befestigten Straßen konnte zudem das fein abgestimmte Fahrwerk seine Vorzüge ausspielen. Lange Bodenwellen filterte es ebenso klaglos raus wie Frostaufbrüche oder Querfugen auf der Autobahn. Nur die grobstollige AT-Bereifung (zum großen AUTO BILD-Sommerreifen-Test 2021) nervte durch hohe Abrollgeräusche. Sie ist eine 1758 Euro teure Option, die ausschließlich wählen sollte, wer überwiegend auf unbefestigten Wegen fährt. Vor jedem Zweifel regelt ein stets hellwaches ESP sensibel alles Nötige. Sehr standfest zeigen sich die Bremsen, trotz des hohen Gewichts. Fading ist kein Thema, nur beim Ausweichen zeigt die Vorderachse eine Tendenz zum Überbremsen. Dass aus 100 km/h der Bremsweg mit 52,1 Metern recht lang ausfällt, geht auf das Konto der Reifen. Denen und der hohen Bauweise ist auch der Verbrauch von üppigen 14,5 Litern zuzuschreiben. Dieser Konsum kommt trotz gemütlichen Tempos zustande, schließlich darf der La Strada wegen der Auflastung auf 4,1 Tonnen (2180 Euro) nur maximal 100 km/h fahren. Fahrer wie Auto hätten durchaus Lust auf mehr.
Bleibt zum Sprinter noch zu sagen, dass während unseres Testzeitraums zwei Rückrufe durchgeführt wurden. Einer betraf die vorderen Innenkotflügel, die nachbearbeitet werden mussten, um ein Scheuern an den Bremsschläuchen zu verhindern. Beim anderen wurde der Bedienungsanleitung eine Ergänzung angefügt, da das automatische Einlegen der Parkstellung im Automatikgetriebe falsch beschrieben war. So sollen Fehlbedienungen, die zum Wegrollen führen, verhindert werden.

Das Mobiliar im La Strada wirkt überaus solide

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Der La Strada will für zwei sein, die das Abenteuer lieben. Die Qualität des Ausbaus ist erste Sahne.
Und der Ausbau? Wie zu erwarten – qualitativ erste Klasse. Das in CNC-Technik gefräste Mobiliar wirkt überaus solide, und tatsächlich gab es auch am Ende des Dauertests keinen Mucks von sich. Auch die Materialauswahl gefiel, beispielsweise bei den robusten und gemütlichen Polsterstoffen der Sitze, die mit Echtlederwangen kombiniert waren (wie beim Möbeldekor stehen hier zahlreiche Varianten zur Auswahl). Oder bei der Kocher-Spüle-Kombi aus Edelstahl, der Mikrofaserbespannung von Dachhimmel und Seitenwänden sowie beim durablen Bodenbelag, der sich mal nicht mit Holzdielenoptik anbiederte. Im Verborgenen leistete das Gestell der Sitzbank seine Dienste – mit serienmäßig verstellbarer Sitzfläche und Rückenlehne, Isofix und Top Tether. Das machte die Sitzgruppe bequemer als in anderen Kastenwagen.

Kletterpartie: Das Bett ist in diesem Wohnmobil nicht leicht zu erreichen

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Die erhöhte Lage des bequemen Bettes sorgt für mehr Stauraum darunter.
Demgegenüber standen leichte Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit, da der Sprinter im Vergleich zu Ducato und Co gute vier Zentimeter schmaler ist. Hier liegt auch der Grund, warum an beiden Fahrzeugseiten Verbreiterungen angebracht waren. Diese GFK-Bauteile sorgten für eine ausreichende Länge des quer im Heck eingebauten Doppelbetts. Das sei mit seiner Tellerfederung sehr bequem, "für Senioren aber schwer erklimmbar", wie Tester Matthias Moetsch im Fahrtenbuch bemerkte. Ohne die erhöhte Lage wäre aber der Stauraum unterm Bett kleiner ausgefallen. Dessen Mittelteil war praktischerweise hochklapp- und arretierbar. Wenn dann noch der als Abtrennung zum Innenraum fungierende Schubladenschrank herausgehoben wurde, ließen sich lange und sperrige Gepäckstücke transportieren.
"Das Klo ist zu hoch!", lautete ein anderer launiger Fahrtenbucheintrag. Er kam von Sabine Möhle, unserer Kollegin aus dem Layout, die auch die langsam ausfahrende Trittstufe monierte. Und unser freier Mitarbeiter Bernhard Schmidt hätte gern mehr Abläufe in der Duschwanne und einen tieferen im Spülbecken gesehen, "damit das Wasser zuverlässig abfließen kann." Positiv fielen hingegen die raumsparenden Rollläden an den Schränken auf. Sie schlossen zuverlässiger als manche Tür mit Pushlock-Verschluss. Ebenfalls praktisch: der in einem schmalen Schrank verstaute Vorhang vorm Schlafbereich und das geschlossene Fach über dem Cockpit, in dem auch der Tisch seinen Platz fand, wenn Passagiere auf der Sitzbank mitfuhren.

Bildergalerie

La Strada Regent S 4x4
La Strada Regent S 4x4
Wohnmobil-Dauertest La Strada Regent S 4x4
Kamera
Wohnmobil-Dauertest La Strada Regent S 4x4

Fazit

Unser erster Dauertest mit einem Sprinter hat die vielen Qualitäten dieser Basis ans Licht gebracht. Wer in einem Reisemobil denselben Fahrkomfort erwartet wie im Pkw, ist hier richtig. Und der Ausbau wird seinem guten Ruf gerecht. Urteil: vier von fünf Punkten.