Mercedes-AMG hat es getan! Die Sportabteilung aus Affalterbach setzt in Zukunft bei allen Motorisierungen auf einen Elektrobaustein und hybridisiert so ihr Angebot. Was im ersten Moment stark nach Greenwashing und damit einhergehender Langeweile klingt, entpuppt sich auf dem Datenblatt allerdings als Spaßgarant: Bis zu 600 kW (816 PS) Systemleistung und 1100 Nm Systemdrehmoment verspricht AMG je nach Anforderungsprofil. AUTO BILD zeigt, was bisher zu den neuen Plug-in-Hybriden von AMG bekannt ist und was die Affalterbacher noch so planen!
Hinweis
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Die Gerüchte um die Elektrifizierung von AMG sind nicht neu, jetzt werden sie allerdings Realität. Kommende Modelle mit Verbrennungsmotor führt das Unternehmen künftig immer als Plug-in-Hybrid mit dem Handelsnamen "E Performance" aus. Achtzylinder soll es weiterhin geben, allerdings nur in Verbindung mit einem Elektromotor auf der Hinterachse. Der große Motor wird allerdings der Oberklasse vorbehalten sein, laut AMG gibt es für den C 63 in Zukunft nur noch den aus A-Klasse und CLA bekannten M 139-Vierzylinder. Auch der kleine Zweiliter-Motor erhält an der Hinterachse Unterstützung von einem E-Motor. Das soll aber keineswegs bedeuten, dass die Leistungswerte gegenüber aktuellen Sport-Mercedes abnehmen wird. Im Gegenteil: AMG verspricht, das Leistungsniveau bisheriger Modelle aufrechtzuerhalten und sogar zu steigern.

So funktioniert der neue Antriebsstrang von Mercedes-AMG

Drei große Baugruppen bilden den neuen Antrieb für zukünftige AMG-Modelle: ein Verbrenner, ein Elektromotor und ein Hochvolt-Akku. Der elektrische Antrieb fasst ein Zweigang-Getriebe und einen permanent erregten Synchronmotor zu einer Einheit zusammen. Das Getriebe soll den E-Motor möglichst lange im optimalen Betriebsbereich halten, der zweite Gang kommt erst ab ca. 140 km/h zum Einsatz. Die Leistung des Motors soll bei bis zu 150 kW (204 PS) liegen. Je nach Anwendung bietet das System aber die Möglichkeit der Skalierung. Da der Elektromotor seine Kraft direkt an die Hinterräder abgibt und nicht erst über das Neungang-Getriebe arbeiten muss, ist der Antrieb besonders effizient. Bei Bedarf stellt eine Kardanwelle aber eine Verbindung zu den Vorderrädern her. Somit bietet der AMG-Antrieb die Möglichkeit eines elektrischen Allradantriebs – auch ohne aktiven Verbrenner.
TecDAY AMG       !! Sperrfrist 31. März 2021  00:01 Uhr !!
Der elektrische Antrieb fasst ein Zweigang-Getriebe und den Elektromotor zu einer Einheit zusammen.

Der Akku zielt auf schnell verfügbare Leistung

Für ein Sportmodell von Mercedes ist in puncto Akku natürlich eine Sache besonders wichtig: Leistungsabruf. Deshalb hat AMG die Entwicklung der Batterie gleich selbst übernommen. Heraus kam die Mercedes-AMG HPB (High Performance Battery). Sie arbeitet mit 400-Volt-Technik, besteht in der Standardkonfiguration aus 560 Zellen und wird direkt gekühlt. Das erlaubt ein schnelles und wiederholtes Abrufen der bis zu 150 kW Spitzenleistung (zehn Sekunden lang möglich). 14 Liter Kühlflüssigkeit umströmen die einzelnen Zellen und halten sie im optimalen Temperaturbereich von 45 Grad Celsius. Die Kapazität der Akkus beträgt zunächst 6,1 kWh; was das in der Praxis an vollelektrischer Reichweite bedeutet, bleibt noch abzuwarten.

Kein Turboloch beim Vierzylinder mehr

Mercedes-AMG spricht in seiner Bekanntmachung weiterhin von Modellen mit Achtzylindern und Vierzylindern. Ob hier der aktuelle, bereits mit 48-Volt-Bordnetz elektrifizierte V8 der S-Klasse gemeint ist, bleibt abzuwarten. Allerdings bekommen alle künftigen Verbrennungsmotoren einen riemengetriebenen Startergenerator, der die Aufgaben von Anlasser und Lichtmaschine in einem Gerät vereint. Mit einer 14 PS Leistung hilft er beim Anfahren und soll den Verbrauch weiter drücken.
Hinweis
Gebrauchte Mercedes-AMG A 45 mit Garantie
Beim Zweiliter-Vierzylinder mit der internen Bezeichnung M 139 werden die Schwaben konkreter. Hier kommt ein neuer, elektrisch angetriebener Turbolader zum Einsatz – eine Mischung aus elektrischem Zusatzverdichter und klassischem Abgasturbolader mit einem kleinen Elektromotor auf der Laderwelle, der es ermöglicht, das Turboloch auszugleichen. Spannend ist, dass AMG auch den E-Turbo über das 400-Volt-Netz des E-Antriebs mit Strom versorgt. Damit ist der Turbo besonders kraftvoll und reaktionsfreudig. Endergebnis: Leistungswerte jenseits der 330 kW (449 PS).
Ein kleiner Elektromotor auf der Ladewelle des Turboladers schafft das Turboloch beim Vierzylinder ab.

AMG-Modelle rekuperieren mit bis zu 90 kW

Dank des E-Antriebs können künftige AMG-Modelle mit bis zu 90 kW rekuperieren. Die Energierückgewinnung lässt sich am Lenkrad steuern und ist je nach Fahrmodus vorkonfiguriert. Das System entlastet außerdem die klassischen Fahrzeugbremsen. Erst wird rekuperiert, anschließend greifen die Bremsen ein. Somit ist gewährleistet, dass der Hochvoltspeicher zu jedem Zeitpunkt mit Strom versorgt ist. Der AMG ist also immer scharf und wartet nur darauf, von der Leine gelassen zu werden. Der E-Motor an der Hinterachse sorgt zudem für ein agiles Fahrverhalten. Über ihn können die Radmomente ohne Eingriff des ESP gesteuert werden. Das soll laut AMG mehr Dynamik zulassen.

Vollelektrische Mercedes-AMG in Planung

Noch 2021 will AMG seine ersten Derivate der Mercedes EQ-Modelle zeigen. Neben einer Leistungssteigerung bei den E-Antrieben sollen auch spezielle optische Merkmale die Mischung aus Sportmodell und Elektroauto unterstreichen. Konkrete Leistungswerte und Modelle nennt Mercedes-AMG noch nicht, allerdings sollen es Pendants zu aktuellen 45er- und 53er-Modellen werden. Was die Beschleunigung angeht, sollen unter vier Sekunden auf 100 km/h aber locker drin sein.

Fazit

Mercedes-AMG zeigt mit seiner neuen Strategie, dass Elektrifizierung auch der Leistungssteigerung dienen kann. So viel Spaß werden nur wenige Hybride machen. AMG hat bereits zu Beginn der Entwicklung an die Performance des Antriebs gedacht – und führt diesen Ansatz konsequent in die Serie. Wir sind gespannt, wie sich das in der Praxis anfühlen wird!