Mini Countryman Untamed Edition im Test
Jetzt wird das Lifestyle-SUV zum Dreckskerl

Von wegen Großstadt-Dschungel! Nachdem Mini mit dem Countryman bereits die Flucht aufs Land angetreten hat, wagen sich die Briten jetzt noch ein bisschen weiter ins Abseits – und machen ihr City-SUV mit der "Untamed Edition" vollends zum Abenteurer!
Bild: Mini
Ford Bronco, Jeep Wrangler oder gleich ein ATV: Die Genoa Peak Road am Lake Tahoe ist nichts für Schönwetter-SUV aus der Stadt, und ein Mini hat hier erst recht nichts zu suchen. Es sei denn, er ist wild und ungezähmt!
Die Amerikaner nennen so ein Gemüt "Untamed", und die Briten haben das nicht ohne Grund auf ihr neuestes Editionsmodell geschrieben. Denn nachdem sie mit dem Countryman nicht nur unsere Vorstellung von einem Mini gesprengt und uns an eine neue Größe gewöhnt, sondern auch das natürliche Habitat des Stadtflitzers mit reichlich Landlust erweitert haben, machen sie den modischen Vetter des BMW X1 jetzt für einen Aufpreis von 4700 Euro gar vollends zum Abenteurer.
Mehr als nur Offroad-Optik
Auf den ersten Blick gibt es dafür die übliche Kraxler-Kosmetik, die wir seit dem Audi allroad kennen. Nur dass sie bei Mini natürlich ein bisschen modischer ist. Draußen trägt der Countryman Untamed Edition deshalb mit seinem "Frozen Nomad Blue" den ersten matten Lack bei einem Serien-Mini, den sie mit auffälligen Zierflächen grob wie Schmirgelpapier beklebt haben. Dazu installieren sie ringsum neue Rammschutzleisten und einen frisch designten Kühlergrill.
Drinnen gibt's einen zarten Blaustich im grauen Strickbezug der Konsolen, neue Sitzflächen mit Untamed-Logo, rustikale Fußmatten, eine blaue Spange im Lenkrad und ein paar Zurrbänder auf dem Deckel des Staufachs in der Mittelkonsole. Bis dahin ist das alles Mimikry, als würden die Matcha-Muttis aus Grünwald nicht mehr in Alo oder Lululemon zum Schoßhund-Yoga fahren, sondern in Outdoor-Klamotten von Patagonia.

Mit mehr Bodenfreiheit und grobstolligen Reifen traut sich dieser Mini deutlich weiter weg vom Asphalt.
Bild: Mini
Doch auf den zweiten Blick haben sie halt doch ein bisschen mehr gemacht: Je nach Modell, Motor und Markt stempeln zwei Zentimeter mehr Bodenfreiheit und vor allem grobstollige AT-Reifen den Countryman zum Abenteurer, der sich heldenmütig auf den Genoa Peak Trail traut und mit den großen Jungs aus Detroit spielen geht.
Staub, Steine und zwölf lange Meilen
Ja, es braucht ein bisschen Umsicht, weil manche Wackersteine hier im Wald selbst für das aufgebockte Fahrwerk zu groß sind, sodass du bisweilen einen Slalom im Schritttempo fahren musst, wo die Broncos und Wrangler einfach auf dem Gas stehen bleiben. Und Scheu vor Staub darfst du auf dieser Piste auch nicht haben. Denn so, wie die groben Stollen der Pirelli Scorpions auf den neu gestalteten 19-Zöllern durch den lockeren Untergrund wühlen, steht der feine weiße Dunst schon nach wenigen Metern wie eine Nebelwand in der Luft, und du stocherst dich im Blindflug noch vorsichtiger voran.

Die Untamed-Edition setzt auf viele kleine Details statt auf einen komplett neuen Innenraum.
Bild: Mini
Dass unten im Tal türkis der Lake Tahoe schimmert und du dahinter den ersten Schnee auf den Gipfeln der Sierra Nevada sehen kannst, das weißt du nur von den Prospekten, die von den Offroad-Guides in den Hotels ausgelegt werden. Denn selbst wenn sich der Staub mal legt, genießt du nicht die Aussicht, sondern suchst deine ganz eigene Trasse auf diesem Trail und wunderst dich, wie lang zwölf Meilen sein können.
Mit 218 PS auf den Gipfel
Immerhin musst du weder die Nacht fürchten noch die Bären, die hier womöglich durch den Wald streifen. Denn wer länger bleiben oder weiterfahren will, kann den ungezähmten Abenteurer auch mit Dachzelt bestellen. Doch weil das Penthouse für Abenteurer diesmal im Tal geblieben ist und die Peak Road mehr eine Exkursion als eine Expedition ist, macht der Mini munter weiter.

Staub, Steine und Serpentinen: Der Mini kämpft sich Meter für Meter den Berg hinauf.
Bild: Mini
Meter für Meter, Meile für Meile wird seine Brust dabei breiter, so stolz stakst er durch den lichten Wald der Gelbkiefern und Rottannen. Dankbar stellst du spätestens an den Steilstrecken fest, dass sie dir für die Jungfernfahrt ein S-Modell gegeben haben. Das hat nicht nur Allrad, sondern mit einem 218 PS starken 2,0-Liter auch die meisten Muckis unter den Ungezähmten, zumindest bei den Verbrennern. Schließlich bietet Mini das Paket auch für den Basis-Countryman an, für den Diesel und sogar für die beiden Elektro-Versionen. Nur der John Cooper Works ist sich für den Dreck offenbar zu fein.
Während die Traktionskontrolle schwer zu schaffen hat mit den 360 Nm auf dem wenig griffigen Grund, kreiselt auf dem digitalen Pfannkuchen im Armaturenbrett der Kompass der Trail-Mode-Szenerie, der Countryman dreht und windet sich auf dem Display, und die Trimmlage erscheint auf den beiden Anzeigen bisweilen dramatisch. Doch Meter für Meter kämpft sich der Mini dem 2790 Meter hohen Gipfel entgegen, der immerhin 900 Meter über der Uferlinie thront. Die Boote siehst du da nur noch als weiße Punkte auf der großen blauen Bühne.
Lieber langsam als liegen bleiben
Jetzt auf dem Rückweg nur nicht übermütig werden. Zwar verbergen sich irgendwo in den Menüs auch Offroad-Finessen wie eine Bergabfahrhilfe. Doch auch beim Endspurt braucht es noch einmal die Umsicht des Fahrers, damit das Abenteuer nicht im Abseits endet. Sollen die Broncos und Wrangler ruhig rasen. Wer langsam fährt, kommt vielleicht später an, hat dafür aber auch länger Spaß.

Der Mini Countryman spielt jetzt im Revier von Ford Bronco und Jeep Wrangler mit.
Bild: Mini
Hauptsache, unten am Ufer ist nachher noch ein Parkplatz frei. Dort stellt sich der Countryman mit ganz neuem Selbstbewusstsein mitten zwischen die Broncos und Wrangler vor Läden wie den "Riva Grill" oder das "Drink Coffee Do Stuff", wo sich die Schmutzfinken vom Genoa Peak nach ihrem Abenteuer den Staub aus dem Schlund spülen. Modisch ist der Countryman noch immer und macht beim Schaulaufen auf dem Lake Tahoe Boulevard mehr her als die rustikalen Geländewagen. Aber jetzt ist er auch ein Dreckskerl – und stolz darauf.
Fazit
Klar, viele Details der Untamed-Edition sind nur Schminke und wollen uns einen Schmutzfinken vorgaukeln. Doch mit der Extra-Bodenfreiheit und den All-Terrain-Reifen wird der Countryman tatsächlich zu einem abenteuerlustigen Gesellen mit spürbar größerem Aktionsradius. Ob das wirklich 4700 Euro wert ist, muss jeder selbst wissen. Ein ATV für den Genoa Peak Trail gibt's am Lake Taho für 250 Dollar pro Tour.
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