Neuer Range Extender Horse D20 Methanol
Dieser E-Auto-Antrieb nutzt Methanol statt Benzin

Methanol statt Benzin: Der Antriebshersteller Horse Powertrain zeigt einen neuartigen Range Extender für mehr Reichweite im E-Auto.
Bild: Horse Powertrain
- Raphael Schuderer
Wenn das Elektroauto nicht weit genug fährt, bauen viele Hersteller einen sogenannten Range Extender ein. Zur Reichweitenverlängerung kommt meist ein Verbrennungsmotor zum Einsatz, der über einen Generator elektrische Energie für die Antriebsbatterie erzeugt.
Der Antriebshersteller Horse Powertrain hat jetzt den Horse D20 Methanol vorgestellt. Der Range Extender nutzt statt Benzin den Alkohol-Kraftstoff Methanol.
Joint Venture der Autohersteller Renault und Geely
Horse Powertrain ist ein Joint Venture der Autohersteller Renault und Geely. Das Unternehmen arbeitet an innovativen Hybrid- und Verbrennungsantriebslösungen. Methanol (auch als Methylalkohol bekannt) ist eine klare, farblose Flüssigkeit und eine der meisthergestellten Chemikalien weltweit.
Wie bei einem Range Extender üblich, treibt der Verbrennungsmotor auch im D20 nicht die Fahrzeugachse an, sondern erzeugt lediglich Strom für die Akkus. Das System leistet bis zu 105 kW, wiegt 170 Kilogramm und bündelt Elektromotor, Leistungselektronik und 2,0-Liter-Turbobenziner in einer Einheit.
Horse D20 Methanol mit Axialflussmotor
Auch der integrierte Elektromotor ist eine technische Besonderheit: Der Horse D20 verfügt über einen der ersten Axialflussmotoren im Automobilbereich. Vorteile: kompaktere Bauweise gepaart mit einer höheren Leistungsdichte.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Radialflussmotoren, bei denen der Rotor typischerweise als Zylinder innerhalb des Stators angeordnet ist, sind bei Axialflussarchitekturen Rotor und Stator als übereinander gestapelte Scheiben angeordnet. Der Motor weist einen extrem hohen elektrischen Wirkungsgrad von 96,4 Prozent auf. Laut Hersteller reicht die Energiemenge von 19,6 Litern Methanol aus, um eine 40-kWh-Batterie zu laden.
Dazu verfügt der D20 über ein 240-mJ-Hochenergie-Zündsystem, das eine extrem magere Verbrennung von Methanol in den Motorzylindern ermöglichen soll. Neben einer verbesserten Kraftstoffeffizienz sollen diese Technologien dem Motor auch Kaltstarts bei frostigen Temperaturen von bis zu minus 35 °C erlauben.
Die NOx-Emissionen des Horse D20 Methanol bleiben laut Hersteller deutlich unter den Grenzwerten der chinesischen CN6b- sowie der künftigen Euro-7-Norm.
Schafft es Methanol in die Großserie?
Über die Nutzung von Methanol in der Großserie sagt Fortune Zhao, CTO von Horse Powertrain: "Der Horse D20 Methanol ist eines unserer bislang kühnsten Bekenntnisse. Er spiegelt nicht nur unser Engagement für alternative Kraftstoffe durch seinen zentralen Methanolmotor wider und bietet als Range-Extender-Antriebsstrang eine flexible Mobilitätslösung, sondern dient auch als Testfeld für eine Reihe von Spitzentechnologien, um einen Antriebsstrang von beispielloser Kompaktheit und Effizienz zu schaffen. Dies zeigt sich in unserem Einsatz eines Axialflussmotors – einer der ersten Einsätze dieser Technologie in einem Antriebsstrang für den Massenmarkt."
Der Axialflussmotor sorgt bereits im Mercedes-AMG CLA für Furore, bislang fährt aber noch kein Serienauto mit Methanol. In der Vergangenheit gab es allerdings immer wieder Versuche mit Methanol als Kraftstoff, etwa im Gumpert-Sportwagen Natalie über eine Brennstoffzelle oder im Prototyp des österreichischen Unternehmens Obrist, ebenfalls mittels Range-Extender.
Auch bei der Herstellung von eFuels ist Methanol ein wichtiger Faktor. Wirtschaftlich spannend wird es, wenn das Methanol mit erneuerbaren Energieträgern hergestellt wird. Das sogenannte "grüne Methanol" könnte in Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung nach Expertenmeinung zum Preis von rund 30 Cent pro Liter produziert werden und so ein wichtiger Kraftstoff für die Zukunft werden.
Fazit
Interessantes Konzept, vor allem wenn sich Methanol künftig günstig mithilfe erneuerbarer Energien herstellen lässt. Zusätzlichen Reiz bietet der effiziente Axialflussmotor. Spannend bleibt die Frage, in welchen Modellen der Horse D20 Methanol zum Einsatz kommt. Weil sich Methanol ähnlich wie herkömmliche Kraftstoffe lagern und transportieren lässt, könnte sogar die bestehende Tankstellen-Infrastruktur genutzt werden.
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