Umgebauter Tesla als Prototyp mit Methanol-Antrieb
Dieses Auto fährt sogar klimapositiv

Das österreichische Unternehmen Obrist erforscht einen vielversprechenden neuen Autoantrieb: Der Methanol-Stromgenerator zieht nach eigener Aussage sogar CO₂ aus der Atmosphäre!
Bild: Tuba Barho / Obrist
- Raphael Schuderer
Das Auto der Zukunft soll elektrisch fahren, das ist spätestens seit den neuesten EU-Plänen zum Verbrenner-Aus klar. Aber unter dem Motto "Technologieoffenheit" werden neben Akkus und E-Motoren noch andere Antriebskonzepte erforscht. Ein besonders spannendes wurde im Dezember 2025 in Berlin vorgestellt: ein Prototyp des österreichischen Unternehmens Obrist, laut Hersteller das "weltweit erste klimapositive Fahrzeug".
Das Versuchsauto sieht aus wie ein Tesla Model Y, doch unter dem Blech arbeitet neue Technik: Der als "Zero Vibration Generator" (ZVG) bezeichnete Hilfsmotor erzeugt an Bord Strom, der in einem Akku zwischengespeichert wird, um einen Elektromotor anzutreiben. Vom Prinzip ein Range Extender (Anm. d. Red: "Reichweiten-Erweiterer"). Sogenannte serielle Hybride feiern in China gerade Zuwachsraten von fast 80 Prozent, gelten auch als Übergangstechnologie für Regionen mit schlechter Ladeinfrastruktur wie etwa Afrika und Indien.
Methanol durch Sonnenenergie sehr günstig
Der Clou von Obrist: Der ZVG nutzt Methanol (Alkohol) als Treibstoff. "Methanol kann in Sonnenwüsten mit Solarstrom preiswert produziert werden, rund 30 Cent pro Liter sind realistisch. Das nötige Kohlendioxid (CO2) und Wasser zur Erzeugung von Wasserstoff (H2) für die Synthese werden dabei aus der Luft entnommen. Wenn unser Hyper-Hybrid-Prototyp 100 Kilometer fährt, hat er unter dem Strich fast ein Kilogramm CO2 aus der Atmosphäre gezogen", verrät Thorsten Rixmann, Marketing-Direktor von Obrist. "Vereinfacht machen wir technisch nach, was Pflanzen bei der Fotosynthese machen."

Der ZVG-Motor hat zwei Zylinder, weniger als einen Liter Hubraum und soll vibrations- und geräuscharm laufen. Neben Methanol kann er auch herkömmliches Benzin verbrennen sowie Gemische der beiden Stoffe in jedem Verhältnis.
Bild: OBRIST Powertrain
Maximalreichweite: über 1000 Kilometer
Rixmann: "Unser Antrieb ist mit Methanol als Treibstoff wirklich mindestens CO2-neutral. E-Autos gelten auf dem Papier als emissionsfrei, aber der Strom kommt aus Kraftwerken. Je nach Art des Kraftwerks wird dort natürlich auch CO2 aus fossilen Brennstoffen freigesetzt, das aber den E-Autos nicht angerechnet wird." Dazu verbrenne Methanol sehr sauber, es sei einfach zu lagern, und die bestehende Tankinfrastruktur könne weiter genutzt werden.
Mit dem vorgestellten Antriebskonzept soll der Prototyp eine rein elektrische Reichweite von über 80 Kilometern erreichen. "Genug für 90 Prozent aller Fahrten im Alltag", so Rixmann. Die Maximalreichweite gibt Rixmann mit "über 1000 Kilometer ohne Laden oder Tanken" an. Der ursprüngliche Tesla-Akku wurde ausgebaut und durch einen kleineren 17,3-kWh-Akku ersetzt. Das spart Gewicht und Ressourcen.

Das Antriebskonzept: vorne ZVG, hinten der vergleichsweise kleine Akku und ein E-Motor.
Bild: OBRIST Powertrain
Wann kann man das Auto kaufen? Laut Rixmann ist die Technik serienreif. Das Ziel: Den Antrieb auf die Straße bringen! Autohersteller könnten den Hyper-Hybrid "mit vergleichsweise wenig Aufwand" und "innerhalb von zwei Jahren" in bestehende Fahrzeugplattformen integrieren. Rixmann: "Autos sind inzwischen viel zu teuer. Unser Antrieb soll vor allem auch leistbar sein. In Großserie ließe sich ein Fahrzeug mit der neuen Technologie für rund 28.000 Euro anbieten", so der Autoentwickler.

Der Prototyp im Berliner Regierungsviertel: Frank Obrist (CEO Obrist), die Bundestagsabgeordnete Dr. Saskia Ludwig, Prof. Ulrich Bruhnke (Sales Manager Obrist) und Thorsten Rixmann (Global Director Marketing Obrist, v. l.) waren bei der Vorstellung vor Ort.
Bild: OBRIST Group / Tuba Barho
Bundestagsabgeordnete Dr. Saskia Ludwig (CDU) hat sich für das Pilotprojekt stark gemacht. Ludwig zu AUTO BILD: "Die Automobilindustrie ist ein entscheidender Pfeiler der deutschen Wirtschaft. Damit unser Motor auch in Zukunft läuft, müssen wir den Tank mit Innovationen füllen. Es ist unsere Verantwortung, die Technologieoffenheit voranzutreiben, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben."
Die Technik hat Potenzial: "Biokraftstoffe sind nach wie vor der entscheidende Lieferant für CO2-Einsparungen im Straßenverkehr", so Elmar Baumann, Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie. Gut ein Viertel (26 Prozent) der CO2‑Einsparungen im Verkehrssektor 2024 gingen bereits auf die Nutzung von Bioethanol zurück.
Service-Links









