Der nächste bitte! Tänzer, Schauspieler und Musiker kennen die drei schmerzlichen Worte, mit denen sie nach wenigen Minuten Vorspielen wieder von der Bühne geschickt werden. Davor muss sich der neue Astra heute nicht fürchten, zum Einstand wird der kompakte Opel gründlich von innen und außen, stehend und fahrend inspiziert.
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Während der AUTO BILD-Test-the-Best-Veranstaltung auf dem Bridgestone-Areal südlich von Rom nutzen wir die Chance und stellen den weiterhin in Rüsselsheim gebauten Astra L im ersten Vergleich dem Golf gegenüber. Vor dem darf man sich in der Tat etwas fürchten, der Wolfsburger beendet weiterhin einen Test nach dem anderen als Sieger. Da kann das selbstbewusste Auftreten des im Vergleich zum Golf neun Zentimeter längeren und satte acht Zentimeter breiteren Astra keineswegs schaden.
Opel Astra Plug-in Hybrid VW Golf 1.4 eHybrid
Starker Auftritt: Der Astra kann optisch sehr gut mit dem Golf mithalten – er macht einen durchaus imposanten Eindruck.
Bild: Olaf Itrich

Der Astra ist imposant und eigenständig

Die EMP2-Plattform, die er sich nun mit seinen Brüdern Peugeot 308, Citroën C4 und DS 4 teilt, mag geschulten Augen auffallen. Dennoch wirkt der neue Astra optisch nicht nur imposant, sondern auch eigenständig. Noch erfreulicher für Astra-Fans: lange suchen, bis wir etwas finden, was der Astra besser kann als der Golf, müssen wir nicht. Tür auf und gleich wieder zugeschlagen – das klingt satter als die etwas schepprigen Türen des VW.
Opel Astra Plug-in Hybrid
Besser zu bedienen: Im neuen Opel Astra finden wir noch echte Tasten und einen Drehregler – der fehlt dem Golf leider.
Bild: Olaf Itrich

Klassische Bedienung ist deutlich intuitiver

Gleich nach dem Einstieg offenbart der Golf weitere Schwächen: die Bedienung per Slider ist für manche Fahrer eine Geduldsprobe. Da sind die festen Tasten im Astra eine Wohltat. Smart: Ein kurzes Video erklärt im Zentraldisplay fix die grobe Bedienung. Doch auch ohne Tutorial findet man sich im Astra dank gut zu erreichender Tasten inklusive Favoriten-Funktion und simpler Menüstruktur schnell zurecht. Toll: das hochauflösende Bild der schwenkbaren Rückfahrkamera, der dicke Drehregler für die Lautstärke, die Drucktasten für die Sitzheizung sowie die separate Klimabedienung – das alles gibt es im Golf nicht.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Turbo, + E-Motor
Vierzylinder, Turbo, + E-Motor
Einbaulage
vorn quer
vorn quer
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
4 pro Zylinder/2
Batteriekapazität kWh
12,4
13,0
Hubraum
1598 cm³
1395 cm³
Systemleistung kW (PS)
133 (180)
150 (204)
System-Drehmoment Nm
360
350
Vmax
225 km/h
220 km/h
Getriebe
8-Stufen-Automatik
6-Gang-Doppelkupplung
Antrieb
Vorderrad
Vorderrad
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/40 R 18 92 Y
225/40 R 18 92 Y
Reifentyp
Michelin Primacy 4
Bridgestone Potenza S005
Radgröße
7,5 x 18"
7,5 x 18"
Abgas CO2*
24 g/km
29 g/km
Verbrauch*
1,1 l
1,3 l
Tankinhalt
42 l
50 l
Kraftstoffsorte
Super
Super
elektrische Reichweite*
60 km
k. A.
Energieverbrauch kWh/100 km*
14,2
13,7
Anhängelast gebr./ungebr.
1450/750 kg
1500/750 kg
Stützlast
75 kg
80 kg
Kofferraumvolumen
352–1268 l
273–1129 l
Länge/Breite/Höhe
4374/1860–k. A.**/1442 mm
4284/1789–2017**/1482 mm
Radstand
2675 mm
2620 mm
Grundpreis***
39.609 Euro
39.985 Euro
Testwagenpreis*** (wird gewertet)
40.689 Euro
45.290 Euro

Schade nur, dass die etwas kleine Temperaturanzeige im Zentralschirm des Astra gesucht werden muss. Das digitale Kombiistrument gefällt dagegen mit einfacher Bedienung und klarer Darstellung. Allein eine klassische Ansicht mit Rundinstrumenten wie im Golf vermissen wir. Bei beiden lässt sich die Sprachbedienung per Sprachbefehl aktivieren. Klappt alles einigermaßen, etwas besser allerdings im Wolfsburger. Dazu versteht das Opel-System nicht, wer gerade spricht. Auf den Befehl "Sitzheizung an" erwärmt sich stets der Fahrerhintern. Der Golf erkennt dagegen auch, wenn den Beifahrer ein kaltes Gesäß plagt.
VW Golf 1.4 eHybrid
Zügiger: Ab Tempo 130 zieht der Golf seinem Konkurrenten davon. Hüben wie drüben ist der Antrieb akustisch stets präsent.
Bild: Olaf Itrich
Wichtiger: der Platz in der zweiten Reihe. Da hat der Golf trotz weniger Länge und kürzerem Radstand mehr zu bieten. Die flacheren Heck- und Seitenscheiben des Astra schränken zudem Rundumsicht sowie Raumgefühl ein – kennen wir schon vom 308.

Mit Leistungsvorteil ist der Golf schneller

Das kleine Leistungsdefizit von 24 PS ist im Alltag unerheblich, auch wenn der Golf dem Astra ab Tempo 130 deutlich davonzieht. Schade: Trotz des niedrigeren Drehzahlniveaus ist der Astra innen lauter. In beiden werkelt der Vierzylinder unter Volllast etwas rau, der 1.6er des Astra wirkt dabei allerdings eine Spur kultivierter. Kein Wunder, der Hybridantrieb inklusive 1.4er-Benziner im Golf ist inzwischen recht betagt.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,9 s
3,0 s
0–100 km/h
7,7 s
7,1 s
0–130 km/h
12,4 s
11,0 s
0–160 km/h
19,4 s
17,0 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,1 s
3,4 s
80–120 km/h
5,3 s
4,3 s
Leergewicht (Hersteller)
1678 kg
1590 kg
Wendekreis links/rechts
11,0/11,0 m
10,7/10,8 m
Sitzhöhe
540 mm
530 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,3 m
35,7 m
aus 100 km/h warm
37,7 m
33,9 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
62 dB(A)
59 dB(A)
bei 100 km/h
68 dB(A)
65 dB(A)
bei 130 km/h
72 dB(A)
69 dB(A)

Heikel bei Hybriden: die Übergänge zwischen E- und Verbrenner-Modus. Bei beiden wirkt die Abstimmung relativ gelungen. Allerdings geht das selbst in der Kompaktklasse noch etwas geschmeidiger. Klare Vorteile zeigt der Golf bei seiner deutlich direkteren Lenkung, die das Gekurbel beim Rangieren reduziert und damit dem Komfort zuträglich ist. Und weil der Golf auch ein Verstellfahrwerk besitzt, hinterlässt er beim Fahren in der Testkonfiguration den souveräneren Eindruck.

Wertung

Wertung
Karosserie
Länger, breiter, mit mehr Radstand – wovon der Fond zu wenig profitiert. Plus beim Kofferraum.
In Sachen Platzausbeute weiterhin ziemlich optimal. Qualität aber nicht unbedingt besser als im Astra.
Punkte
4/5
4,5/5
Antrieb
Fixer Kompakter mit Achtstufenautomatik, ab Tempo 130 merklich langsamer als der stärkere Golf.
Der in die Jahre gekommene 1,4er malocht akustisch präsenter. Das DSG besitzt nur sechs Gänge.
Punkte
3,5/5
3,5/5
Fahrdynamik
Lenkung indirekter und etwas gefühlloser. Defensive ESP-Abstimmung. Sitze mit weniger Seitenhalt.
Angenehme Progressivlenkung, gute Spreizung des Verstellfahrwerks, bissigere Bremsen.
Punkte
3,5/5
4/5
Connected Car
Kabelloses Apple CarPlay, gute TomTom-Navigation. Die Sprachbedienung ist aber noch ausbaufähig.
Teils langsame Software, Sprachbedienung dafür intuitiver und etwas aufmerksamer als im Opel.
Punkte
3,5/5
3,5/5
Umwelt
Der Astra nimmt mehr Verkehrsfläche in Anspruch. Für einen Kompakten hohes Gewicht.
Knapp 100 Kilogramm weniger Masse. Plug-in aber nur sinnvoll, wenn der Akku stets geladen wird.
Punkte
4/5
4/5
Komfort
Umfangreiche Ausstattung, angenehme Sitze mit guter Sitzposition. Gemessen lauter als der Golf.
Angenehmes Fahrwerk, schlechtere Bedienbarkeit, dafür leichterer Einstieg im Fond.
Punkte
4/5
4/5
Kosten
Als Plug-in teuer, doch der üppig ausgestattete Astra ist am Ende fast 5000 Euro günstiger als der Golf.
Viele Extras sind im Vergleich teurer. Mit 15.000 Kilometern besonders kurzes Wartungsintervall.
Punkte
3,5/5
3/5
AUTO BILD-Testnote
2-
2

Die Allround-Eigenschaften des Astra-Fahrwerks können sich dennoch sehen lassen, auch wenn der Opel speziell kurze Unebenheiten etwas steifbeiniger nimmt. Durchaus geschliffen, dieser neue Astra, der sich nach dem ersten Vorspielen gewiss nicht von der Bühne winken lassen muss. Dank der geringeren Kosten liegt er mit seinem Erzrivalen am Ende fast gleichauf. Voller Spannung sagen wir: Der Nächste, bitte! Und meinen den nächsten Test.

Bildergalerie

Opel Astra Plug-in Hybrid VW Golf 1.4 eHybrid
VW Golf 1.4 eHybrid
Opel Astra Plug-in Hybrid
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Opel Astra gegen VW Golf

Fazit

von AUTO BILD
Das erste Duell belegt: Die Fusion mit Peugeot/Citroën hat Opel keineswegs geschadet, der Astra zeigt im Vergleich mit dem Golf erfreuliche Stärken. Trotz knapper Niederlage erwarten wir mit Spannung den ersten gepunkteten Vergleich.