Praxistest: Haltbarkeit von Elektroauto-Batterien
Wie groß ist die Kapazität beim ID.3-Akku nach Ende der Garantie?

Bild: Elektroauto E-Auto Akku VW Volkswagen ID.3 Batterie Kapazität ADAC Test SoH State of Health
Wie lange hält der Akku vom Elektroauto? Viele Autofahrer zweifeln an der Haltbarkeit der riesigen Energiespeicher und zögern deswegen, ein neues oder gebrauchtes Elektroauto zu kaufen. Doch ihre Sorge ist offenbar unbegründet: Der ADAC hat kürzlich ein Dauertest-Elektroauto zum Akku-Check geschickt. Dabei zeigte sich der Stromspeicher in einem sehr guten Zustand.
Der VW ID.3 Pro S mit 204 PS und 77 kWh Akku-Kapazität lief in vier Jahren im ADAC-Dauertest mehr als 160.000 Kilometer. Damit ist die Akku-Garantie, die Volkswagen – so wie die meisten Elektroauto-Hersteller – gewährt, erloschen. Bei dem ID.3 war der Kapazitätsverlust – Experten sprechen von Degradation – nach der intensiven Nutzung und der hohen Laufleistung dennoch viel geringer, als man erwarten würde.
91 Prozent Restkapazität nach vier Jahren
Die Messungen bei vollständig gefülltem Akku ergaben eine Restkapazität von 91 Prozent. Gemessen hat der ADAC mit dem Premium-Test des österreichischen Dienstleisters Aviloo, der sich darauf spezialisiert hat, den Gesundheitszustand (State of Health) von Elektroauto-Akkus zuverlässig zu bestimmen. Laut ADAC erlaubt der Premium-Test, der Privatkunden für 99 Euro angeboten wird, eine Genauigkeit von +- drei Prozent. Das heißt, die Genauigkeit der Analyse kann bis zu sechs Prozentpunkte schwanken.
Noch besser sieht die Bilanz des VW ID.3 aus, wenn man die Reichweite einer Akkuladung betrachtet: Belief sie bei Beginn der Nutzung auf 438 km, wurde nun 425 km gemessen. Basis war hier nicht das Batteriemanagementsystem per Bordcomputer, sondern die Testwerte im ADAC-Ecotest. Wie ist es möglich, dass die Reichweite nur um drei Prozent sank?

Seine intensive Nutzung sieht man dem elektrischen Kompaktauto nicht an. Auch die Haltbarkeit des Akkus hat nach fünf Jahren und 100.000 km Laufleistung kaum gelitten.
Bild: Elektroauto E-Auto Akku VW Volkswagen ID.3 Batterie Kapazität ADAC Test SoH State of Health
Das E-Auto wurde mit der Zeit sparsamer
Die Erklärung verblüfft: Das Auto wurde mit der Zeit sparsamer! Magie? Nein, Produktpflege von der Herstellerseite. Der ADAC führt dieses gute Ergebnis nämlich darauf zurück, dass VW zwischenzeitlich per Software-Upgrade die Effizienz des Systems verbesserte.
Darauf weist auch ein Vergleich der Verbrauchsdaten hin: Bei der ersten Testmessung, die der ADAC bei rund 7000 km Laufleistung durchführte, wurde ein Durchschnittsverbrauch von 20 kWh auf 100 km errechnet. Beim bisher letzten, kürzlich erfolgten Test, betrug der Verbrauch im Mittel nur noch 18,3 kW, also fast zehn Prozent weniger – obwohl sich am Fahrstil der Nutzer nichts geändert hatte.
Für VW ein Grund, die Eignung seiner Elektroautos auch als Gebrauchtwagen hervorzuheben: "Das Ergebnis zeigt, dass die Qualität auch nach vielen gefahrenen Kilometern überzeugend ist", sagt Martin Sander, Volkswagen-Vorstand für Vertrieb, Marketing und After Sales.
Keine Schonung für den Elektroauto-Akku
Der Akku des Testwagens wurde übrigens auch nicht besonders geschont: Der ADAC hat einen hauseigenen Schnelllader, an dem der Dauertest-VW ID.3 regelmäßig – zu 40 Prozent – geladen wird. Oft auch zu 100 Prozent – beides Faktoren, die der Haltbarkeit einer Elektroauto-Batterie eher schädlich sind. Auch soll der elektrische Kompakte häufig mit randvollem Akku an der Ladestation auf Warteposition gestanden haben. Ein Zustand, von dem Hersteller generell abraten, um die Lebensdauer des Akkus nicht zu verkürzen.
Das E-Auto legte darüber hinaus relativ viele Distanzen bei Autobahn-Tempo zurück. Hier ist der Verbrauch höher, und ein höherer C-Wert belastet den Akku, weil Energie schneller abgerufen wird. Der ADAC hat angekündigt, den Test fortzusetzen.
Bei seinen regelmäßigen Dauertests von Elektroautos checkt AUTO BILD ebenfalls die Restkapazität der Akkus. Auch hier kommen großteils ermutigende Zustände zutage. So ermittelte der Dekra-Schnelltest beim Elektro-SUV BMW iX3 mit einem Kilometerstand von 100.460 km im Frühjahr 2025 einen State of Health (SoH) von 100 Prozent. Der Dauertest-BMW erhielt nach Abschluss der Untersuchung die Note 1 – unter anderem wegen seiner gesunden Batterie, aber auch zahlreicher weiterer hervorragender Resultate.

Erstaunlich jugendlich: Nach 100.000 km AUTO BILD-Dauertest des elektrischen Kompakt-SUV BMW iX3 ergab eine Akku-Analyse 100 Prozent Restkapazität.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Toyota mit 96 Prozent nach sechs Monaten
Die Basisdaten für die Angaben vom State of Health können von Hersteller zu Hersteller variieren. Offen ist auch, inwieweit sich die Analyseverfahren der Anbieter unterscheiden. So ermittelte eine Toyota-Niederlassung in Hamburg den SoH eines nahezu neuen Toyota bZ4X (Name des Besitzers ist der Redaktion bekannt) nach 16.500 km und einem halben Jahr Nutzungsdauer mit 96 Prozent. Das Elektro-SUV wurde kaum schnellgeladen und mit wenigen Ausnahmen innerhalb eines Ladezustands von 20 und 80 Prozent gehalten, was eine geringe Degradation annehmen ließe. Andererseits wurde der bZ4X vorwiegend auf Autobahnfahrten bewegt.
Für den Halter bedeutet die relativ rasche Degradation hier übrigens auch keinen Grund zur Sorge: Toyota gewährt eine besonders großzügige Batterie-Garantie bis zu 1.000.000 km oder zehn Jahre Nutzungsdauer (bei Werkstattwartung), falls die Kapazität unter 70 Prozent der Ursprungskapazität fällt.
Fazit
Elektroauto-Akkus sind mit den Energiespeichern von Kleingeräten wie Handy oder Hörgerät nicht vergleichbar – das zeigt der Test des VW ID.3. Denn: Bei 160.000 km war seine Akku-Kapazität – und damit die Reichweite – fast wie am ersten Tag. Eine gute Nachricht für alle, die mit dem Kauf eines Elektro-Gebrauchtwagens liebäugeln. Wichtiger Nebenaspekt: Software-Updates verbessern die Performance. Und auch das ist ein Pluspunkt: Es zeigt, dass der Autokäufer dem Hersteller auch dann wichtig ist, wenn das Auto den Hof verlassen hat. So soll es sein in einer gesunden Kundenbeziehung.
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