Das Schnellladenetz für Elektroautos in Deutschland wächst permanent, aber es muss instand gehalten und auch regelmäßig modernisiert werden. Das geschieht offenbar nicht ausreichend, hat der ADAC jetzt bemängelt.
Der Automobilclub testete großflächig Schnellladestationen an Autobahnraststätten und Autohöfen entlang wichtiger deutscher Fernstraßen. Im Ergebnis fiel mehr als die Hälfte der getesteten Anlagen durch.

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Die Mängelliste ist lang. Sie fängt mit vielen defekten Ladern an: Demnach verweigerte bei gut einem Drittel der getesteten Stationen mindestens ein Ladepunkt den Dienst. Außerdem haben nach Einschätzung des ADAC viele Ladeparks zu wenig Stromzapfstellen für E-Autos. Pluspunkte gab es erst ab zehn Ladepunkten (à 150 kW).

Ladeleistung von 50 kW für große E-Autos zu gering

In vielen Fällen funktionierten die Ladeeinrichtungen zwar – sie waren aber veraltet. Das äußerte sich in geringen Ladeleistungen: Mehr als jeder fünfte Ladepunkt stellte maximal 50 kW Ladeleistung zur Verfügung. Das ist aus Sicht des ADAC zu wenig.
Ein Hinweisschild zur Unterstützung des telematischen LKW-Parkens mit der Aufschrift Autohof steht am 11.08.2014 auf der Autobahn 6 bei Bad Rappenau und zeigt die verfügbaren Stellplätze für LKWs auf dem nächsten Autohof an
Auch die Ladevorrichtungen an Autohöfen wurden beim ADAC-Test unter die Lupe genommen.
Bild: dpa
Noch vor ein paar Jahren war diese Größenordnung State of the Art – der BMW i3, gebaut bis 2022, kann nur bis 50 kW schnellladen. Doch bei heute verbauten Akkugrößen ähnelt es der Kanisterbetankung beim Verbrenner. Und gerade bei Langstreckenfahrten im E-Auto ist es kaum zumutbar, länger als eine Stunde pro Ladestopp warten zu müssen.
Um einen 50 kWh großen Akku in unter einer halben Stunde von 10 auf 80 Prozent zu laden, benötigt man rechnerisch mindestens 100 kW Ladeleistung, da die Ladekurve aufgrund technischer Voraussetzungen langsam ansteigt und ebenso langsam wieder abfällt. Überdies stellen Ladesäulen die volle Ladeleistung nicht über die gesamte Dauer des Ladevorgangs zur Verfügung.
Nach Auffassung des ADAC müssen es sogar mindestens 150 kW sein, da die größten Akkus moderner Elektroautos weit mehr Kapazität haben.

Einige Anbieter teilen die Ladeleistung

Dabei kommt es auch darauf an, dass Ladepunkte an einer Ladesäule mit mehreren Ladepunkten (sog. Splitting) auch am einzelnen Ladekabel diese Leistung erbringen. In der Regel bringt eine Ladesäule mit zwei Ladepunkten nur noch jeweils die halbe Leistung, wenn sie voll ausgelastet ist.
Eine gute Nachricht: Fast zwei Drittel der geprüften Anlagen (62 Prozent) hatten bereits ultraschnelle 300-kW-Ladesäulen. An zwei Autohöfen waren sogar 400 kW verfügbar. Übrigens erhielten Autohöfe durchgehend bessere Noten als Rasthöfe. 13-mal die Note "gut" erhielten Autohöfe.

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Ein weiterer Kritikpunkt der ADAC-Tester: "In Sachen Komfort lässt man die E-Autofahrer an den Autobahnen buchstäblich im Regen stehen." Während die Zapfsäulen der Tankstellen unter einem schützenden Dach stehen, waren sämtliche getesteten Ladeautomaten auf Raststätten und Autohöfen ohne Überdachung und Windschutz errichtet. Das macht Elektromobilität nicht attraktiv.

Oft war das Laden mit Anhänger nicht möglich

Auch bei der örtlichen Planung wurde nicht immer mitgedacht: Viele Ladesäulen standen so, dass E-Autos mit Anhänger dort nicht andocken konnten, ohne abzukoppeln oder zu rangieren. Auch lagen einige Anlagen abseits der eigentlichen Infrastruktur und waren schlecht beleuchtet.
Auch die Bezahlmöglichkeiten kritisiert der ADAC, nur etwas mehr als die Hälfte der Ladeparks besaß ein Lesegerät für Geld- oder Kreditkarten. Das heißt: Bei sehr vielen Ladepunkten ist das Laden nur möglich, wenn eine Ladekarte vorhanden ist oder eine Lade-App auf dem Smartphone gespeichert wird. Barrierefreies Laden sieht anders aus.
Durchwachsenes Bild des ADAC-Tests: Viele Anlagen scheinen veraltet zu sein. Kein Wunder, da Ladeparks an Autobahnen oft in den ersten Jahren der Elektromobilität gebaut wurden. Jetzt kommt es darauf an, dass die Betreiber regelmäßig modernisieren – und den Komfort ihrer Kunden in den Blick nehmen. Denn nichts ist frustrierender, als in Kälte und Nässe, noch dazu abseits jeglicher Zivilisation, aus dem Auto steigen zu müssen, um Strom zu zapfen.