Das könnte ein großer Schritt für die Elektromobilität werden: Der chinesische Batteriehersteller CATL hat einen neuen Elektroauto-Akku vorgestellt, der in nur zehn Minuten Energie für 400 Kilometer Reichweite laden können soll. Zum Vergleich: Teslas Model 3 schafft am Supercharger bis zu 275 Kilometer in 15 Minuten Ladezeit. Damit wird das Laden nahezu so schnell wie das Tanken. Überblick: So weit ist der Stand der Akku-Technik!

Wer ist CATL?

CATL (das Kürzel steht für Contemporary Amperex Technology Co. Limited) ist der weltgrößte Hersteller von Traktionsbatterien. Die Firma betreibt auch eine Batteriefabrik in Thüringen (nahe Erfurt), gehört zu den zehn größten Autozulieferern weltweit. Ein weiterer Standort im ungarischen Debrecen wird gerade gebaut. In China betreibt CATL vier Werke (Liyang, Ningde, Xining und Yibin).

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Wann kommen Autos mit dem neuen Akku?

Noch 2023 will CATL mit der Serienfertigung des neuen Akkus beginnen. Im ersten Quartal 2024 sollen die ersten Autos damit vom Band rollen. In welchen Modellen, das ist noch nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass der neue Superakku als Erstes in einem chinesischen E-Auto eingebaut wird. Da auch Tesla, Mercedes, BMW und VW mit CATL kooperieren, sollten die Batterien auch nicht-chinesischen Modellen auftauchen.

Was macht den LFP-Akku so besonders?

An Shenxing, wie der Energiespeicher genannt wird, ist auch die Bauweise bemerkenswert: Es handelt sich um einen konventionellen Lithium-Eisenphosphat-Akku (LFP-Technik). CATL hat also ein bereits bewährtes Konstruktionsprinzip mannigfaltig verbessert. Während andere Hersteller an Feststoffbatterien und anderen Wunderakkus tüfteln, liegt offenbar noch erhebliches Potenzial in der bekannten Akku-Technologie.
Tesla Model 3 Performance
Der chinesische Hersteller CATL stattet auch den US-Autobauer Tesla mit Fahr-Akkus aus.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD

Nach Angaben eines CATL-Unternehmenssprechers ist es möglich, den Shenxing-Akku bei Raumtemperatur in nur einer Viertelstunde von 0 auf 100 Prozent zu laden. Umgekehrt heißt das natürlich auch, dass die Energie ebenso schnell verfügbar ist und sehr sportliche Fahrdynamik erlaubt.
Bei winterlichen minus zehn Grad läuft der Elektronenfluss dagegen – wie gewohnt – stark gebremst, dann dauert das Vollladen mit 30 Minuten dreimal so lange. Das entspricht jedoch im Vergleich zu marktüblichen Akkus ebenfalls einem sehr schnellem Ladevorgang. Zum Vergleich: Der Porsche Taycan, derzeit eines der am schnellsten ladenden E-Autos, lädt nur unter optimalen Bedingungen so schnell.

Werden E-Autos mit dem neuen Akku teurer?

Die Kosten für Akkus hängen von vielen Faktoren ab: Rohstoffpreise, Energiekosten, Personal, Transportkosten. Laut CATL sind die Rohstoffe für Lithium-Eisenphoshat-Batterien geringer als für herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus. Allerdings müsste der günstigere Preis auch an die Autohersteller weitergegeben werden – und der müsste ihn an die Autokunden weitergeben. 

Diverse Komponenten im CATL-Akku verbessert

CATL hat nach eigenen Angaben diverse Komponenten im Akku optimiert. So wurden unter anderem der Elektronenfluss beschleunigt, das Design der Elektrode verbessert, ein extrem dünner Separator und ein besonders leitfähiges Elektrolyt entwickelt. Bei der Präsentation wurden Abbildungen einer sehr flachen Konstruktion gezeigt, wie sie in modernen Elektroautos in Unterflur-Bauweise üblich ist.
Zu Spannung (Voltzahl), Kapazität (kWh) und auch zu den Kosten der neuen Akku-Generation macht CATL noch keine Angaben. Allerdings gelten Lithium-Eisenphosphat-Akkus generell als kostengünstig und auch relativ robust. Ihren bisheriger Nachteil, eine niedrige Energiedichte im Vergleich zu Energiespeichern in Lithium-Nickel-Mangan-Kobalt-Bauweise, könnte der Entwicklungsschritt des chinesischen Batteriegiganten mehr als ausgleichen. Ein weiterer Vorteil von Lithium-Eisenphosphat-Akkus: Sie sind weniger brandanfällig und nachhaltiger, weil sie ohne die giftigen Schwermetalle Nickel und Kobalt auskommen.

Was Autoprofessor Dudenhöffer zum CATL-Akku sagt

Was bedeutet die fortschrittliche Batterietechnik für die E-Mobilität?

Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer: "Es gibt quasi tausendundeinen Stellhebel. Deshalb können wir noch viele Innovationen und Verbesserungen erwarten", kommentiert der Experte vom Center of Automotive Research (CAR) die Entwicklung von CATL.

Warum forschen die Hersteller an unterschiedlichen Technologien?

Dudenhöffer: "Die Batterie macht bis zu 40 Prozent der Kosten beim Elektroauto aus. Die Batterie entscheidet über Ladezeiten, Schnellladezeiten, Reichweite, Lebensdauer, Brandgefahr und vieles mehr. Die Batterie ist also der Königsweg zum Elektroauto. Und genau hier sind wir in Deutschland schwach. Und genau hier brauchen wir Nachhilfe aus China."

Was ist von der Vielzahl der Ankündigungen auf dem Batteriemarkt zu halten?

Dudenhöffer: "CATL hat zur Autoshow in Shanghai im April [2023, d. Red.] schon eine 'Condensed Battery' vorgestellt, zu der wenig gesagt wurde außer Schlagworte. Andere Themen wie die Natrium-Ionen-Batterie hat Konkurrent BYD bereits umgesetzt. Man muss aufpassen, dass man nicht zum Ankündigungsweltmeister wird. Sonst könnte es einem so gehen wie im Märchen mit dem Jungen, der immer vor dem Wolf warnt, bis ihn keiner mehr ernst nimmt. Jetzt die neue Ankündigung mit dem 'Shenxing'-Akku. Den Worten müssen marktreife Produkte folgen, sonst zweifelt man an der Glaubwürdigkeit solcher Versprechen."

Zuletzt hatte CATL einen besonders kälteresistenten Akku für Elektroautos angekündigt, bei dem ein neuartiger Elektrolyt zum Einsatz kommt. So soll es möglich sein, bei minus 20 Grad Celsius den Wirkungsgrad um 50 Prozent zu erhöhen. Und auch bei "Wohlfühltemperaturen" – also Plusgraden – soll die Effizienz des neuartigen Akkus 43 Prozent über den bisherigen Werten liegen.

Kann ich den Shenxing-Akku nachträglich in mein E-Auto einbauen?

Der Einbau eines anderen Akkus in ein Elektroauto ist theoretisch möglich, aber kompliziert und vor allem teuer. Die Batteriepakete für jedes Automodell haben unterschiedliche festgelegte Größen, sind in die Grundkonstruktion des Autos integriert und nutzen ein eigenes Lade- und Batteriemanagement. Eine nachträgliche Umrüstung eines alten E-Autos mit dem "Shenxing"-Akku wäre daher mit hohem Aufwand und Kosten verbunden.