Spritpreis-Anstieg betrifft auch Biokraftstoff HVO
Ist das der Beweis für die Tank-Abzocke?

Seit der Krieg im Iran begann, sind bei uns die Spritpreise steil angestiegen. Aber auch der Klima-Diesel HVO wurde schlagartig teurer, obwohl er gar kein Erdöl enthält. Ist das ein Beweis dafür, dass die Preise willkürlich erhöht wurden?
Bild: Marc John
- Stefan Schlagenhaufer
- Roland Wildberg
Der Preis für Benzin und Diesel kennt nur eine Richtung: nach oben! Als Grund nennt die Branche den Iran-Krieg und die blockierte Straße von Hormus. Viele Autofahrer halten die Teuerung für Abzocke durch die Ölindustrie. Denn an den Zapfsäulen ist auch der Preis für den Pflanzentreibstoff HVO100 stark angestiegen, parallel zu Diesel und Benzin. Doch HVO enthält gar kein Erdöl.
Im Tagesschnitt vom 11. März 2026 lag der Preis für einen Liter Benzin E10 bei 2,05 Euro, Diesel notierte sogar bei 2,19 Euro – das hat der ADAC in seiner wöchentlichen Übersicht ermittelt. Vor dem Iran-Krieg lagen die Preise bei 1,75 Euro (Benzin) bzw. 1,70 Euro (Diesel). Beim Diesel ist das eine Steigerung um bis zu 49 Cent.
Alternativ zum erdölbasierten Diesel gibt es den rein pflanzlichen Treibstoff HVO100, der auch unter dem Begriff "Klima-Diesel" bekannt ist. Er besteht aus Altspeiseöl, Frittenöl und Fettresten pflanzlichen Ursprungs wie Raps oder Palmöl. Und gilt deshalb als umweltfreundlich. Seit seiner Einführung vor zwei Jahren bewegt sich der Preis im Schnitt etwa zehn Cent pro Liter höher als konventioneller Diesel.
ADAC hat "deutliche Hinweise" auf Abzocke
Und jetzt? Müsste er doch billiger sein als fossiler Sprit, weil vom Erdölpreis unabhängig. Doch der Preis für den Pflanzentreibstoff ist in nahezu gleichem Maße gestiegen. Derzeit kostet der Liter HVO100 im Tagesschnitt 2,18 Euro, örtlich bis zu 2,25 Euro. Vor zwei Wochen waren es noch 1,74 Euro.
Für den ADAC sind das "deutliche Hinweise", dass der Iran-Krieg genutzt wird, an den Tankstellen abzuzocken und Gewinne zu maximieren. Denn der Speiseöl-Sprit hat null Verbindung zu Erdöl, Iran-Krieg oder Rohölpreisen.
Eine ADAC-Sprecherin sagt zu AUTO BILD: "HVO100 hat den Preisanstieg nach oben mitgemacht, ohne dass es dafür eine direkte Rechtfertigung über den Ölpreis gibt. HVO enthält kein fossiles Öl und ist damit unabhängig vom Rohölpreis."
Der ADAC fordert die Mineralölindustrie auf, sofortige Transparenz über Kostenstrukturen und Preisgestaltung zu schaffen.
Laut Experten sind Diesel- und HVO-Preise fest miteinander verbunden
Steffen Bock vom Preisvergleichs-Portal Clever Tanken (gehört wie AUTO BILD zu Axel Springer) gibt allerdings zu bedenken: "HVO100 ist sehr knapp – man kann das nicht reißerisch billig verkaufen, weil es dann sehr schnell weg wäre."

Der Preis von HVO ist in der Wertschöpfungskette eng mit dem Dieselpreis verbunden – das könnte den parallelen Anstieg erklären.
Bild: dpa
Der Bundesverband freier Tankstellen (bft) versucht eine Erklärung für die Parallele in der Preisentwicklung: "HVO wird derzeit energiesteuerlich weitgehend wie konventioneller Dieselkraftstoff behandelt. Dadurch entsteht bereits auf der Beschaffungsseite ein Preisniveau, das sich stark am Dieselmarkt orientiert", so bft-Hauptgeschäftsführer Daniel Kaddik gegenüber AUTO BILD.
Hinzu komme, dass viele Vorlieferanten ihre Verträge mit Produzenten oder Importeuren an Dieselpreisindizes koppeln. Diese Mechanismen wirken sich unmittelbar auf die Einkaufspreise im Großhandel aus und werden entlang der Lieferkette weitergegeben. Insofern ist HVO also im Preisverlauf an den normalen Diesel gekettet, meint der Verband.
Deutschland mit Abstand am teuersten
Einen Hinweis darauf, dass beim Preisanstieg insgesamt etwas nicht stimmt, liefert ihrerseits die Monopolkommission. Vergleiche man die Kraftstoffpreise an den Tankstellen ohne Steuern und Abgaben von dieser Woche (KW 11/2026) mit der Woche vor Kriegsbeginn, liege der Dieselpreis in Deutschland um 44 Prozent höher. Im EU-Durchschnitt betrage der Anstieg dagegen 29 Prozent.
Bei Benzin liege der Preisanstieg in Deutschland bei 29 Prozent, im EU-Durchschnitt dagegen nur bei 16 Prozent. "Deutschland ist beim Preisanstieg Spitzenreiter", sagte Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission. Das Expertengremium berät die Bundesregierung.
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