Brennende Elektroautos: ein Horrorszenario. Mit einem neuen Patent will Stellantis die Gefahr auf verblüffende Art und Weise entschärfen. Alle Infos!
Bild: Stellantis
Raphael Schuderer
Bei Elektroautos gilt: Wenn der Akku erst mal brennt, ist er nur schwer zu löschen. Ein Horrorszenario für Insassen und Rettungskräfte. Gegen das sogenannte "thermische Durchgehen" (engl. "thermal runaway"), die gefürchtete Kettenreaktion, bei der sich die einzelnen Batteriezellen gegenseitig entzünden, gibt es wenig Gegenmittel. Meist bleibt vom Auto nur ein Haufen ausgebrannter Metallschrott übrig. Das US-Patent Nr. US20240317062A1 des Multimarkenkonzerns Stellantis will der Gefahr von brennenden Akkus auf besondere Art Herr werden: Die Brand-Batterie wird einfach abgeworfen!
So schildert es der Hersteller in seinen Ausführungen zum Patent eines "High-voltage battery quick release system for vehicle", übersetzt in etwa "Schnellentriegelung von Hochvoltbatterien für Fahrzeuge", über die das US-Autoportal "Carscoops" berichtet. Die Idee dahinter: Bei einer Havarie des Akkus wird der Brandherd sicher vom Auto abgetrennt. Das Auto soll sogar mithilfe der 12-Volt-Starterbatterie aus der Gefahrenzone "fliehen" können.
Mechanische Entriegelung oder kontrollierte Mini-Sprengung
Dazu seien mehrere Schritte nötig: In einer Brandsituation werde zunächst die elektrische Verbindung des Fahrzeugs zum Akku gekappt. Danach werde die mechanische Verbindung zwischen Akku und Fahrzeug getrennt. Dies könne über einen Entriegelungsmechanismus oder kleine Sprengladungen geschehen, die an Sollbruchstellen positioniert werden. Der brennende Akku fiele danach auf die Straße oder werde abgesenkt – wäre jedenfalls schon einmal vom Fahrzeug getrennt.
Diese Patentzeichnung zeigt, wie die Batterie zuerst entriegelt wird, danach abgesenkt und sich das Fahrzeug nach vorn aus dem Gefahrenbereich entfernt.
Bild: Stellantis
Nun werde die 12-Volt-Batterie über einen Spannungswandler mit dem Elektromotor verbunden und das Auto könne sich durch die "Notstromversorgung" aus eigener Kraft vom abgeworfenen Akku entfernen. Wie weit? Dazu macht Stellantis keine Angaben. Es sollte jedenfalls ausreichen, um sich aus der Gefahrenzone zu bewegen.
Auslösen durch Insassen oder Retter
Für den Auslöser des Schutzmechanismus seien ebenfalls verschiedene Optionen möglich. Naheliegend ist ein Auslösen durch die Passagiere über einen Schalter im Innenraum des Fahrzeugs. In gewissen Situationen könne aber auch eine Auslösung von außerhalb nötig sein, etwa durch Rettungskräfte oder Unfallzeugen. Eine Doppellösung scheint daher sinnvoll, müsste aber natürlich vor versehentlicher Betätigung ausreichend abgesichert sein.
Die Feuerwehr erprobt ein Batterie-Löschsystem für Elektroautos.
Bild: Rosenbauer
Mögliche Probleme des Abwurf-Akkus:
Bislang gibt es nur das Patent, ein geplanter Einsatz in Fahrzeugen wurde von Stellantis noch nicht vermeldet.
Und die Idee wirft auch einige Fragen auf:
Ist die Abkopplung so einfach möglich? In modernen Elektroautos können die Batterien Teil der tragenden Struktur sein. In der sogenannten Cell-to-Chassis-Bauweise sind die Akkus – auch aus Gründen der Crashsicherheit – sehr fest mit dem Fahrzeug verbunden. Mögliche Sollbruchstellen wären über ein gesamtes Fahrzeugleben erheblichen Belastungen ausgesetzt und die Fahrzeugstruktur würde höchstwahrscheinlich geschwächt. Zusätzlich brächten die notwendigen Bauteile mehr Gewicht ins Fahrzeug.
Was passiert mit dem Akku nach dem Abwurf? Gilt die Devise: Aus dem Auto, aus dem Sinn? Ein Elektroauto-Akku wiegt mehrere Hundert Kilogramm und ist voluminös. Für nachfolgende Fahrzeuge stellt ein massives Objekt mitten auf der Fahrbahn ein enormes Risiko dar. Weil es brennt, wäre es zwar gut sichtbar und Fahrer und Insassen des Havaristen wären gerettet, für den nachfolgenden Verkehr würde aber eine unkontrollierbare Gefahr geschaffen.
Fazit
von Raphael Schuderer
Verblüffende Idee, auch wenn noch viele Fragen offen sind. Solange die Brandgefahr der Akkus nicht durch optimierte Batteriechemie gelöst werden kann, müssen die Hersteller kreative Wege nutzen, um mögliche Brände einzudämmen. Ein Szenario, das einen brennenden Akku als Gefahrenquelle auf der Fahrbahn beinhaltet, dürften Zulassungs- und Verkehrssicherheitsbehörden allerdings wohl nicht genehmigen.