Tesla wirft in Zukunft die Radar-Sensoren aus seinen Autos. Der US-amerikanische Pionier in Sachen Elektromobilität schlägt damit einen völlig neuen Kurs ein und verlässt sich beim autonomen Fahren künftig fast ausschließlich auf Kamerabilder. Tesla führt damit seine Tradition fort, Dinge völlig anders zu machen als der Rest der Branche. Allgemein gelten unterschiedliche Sensoren im Automobilsektor als unerlässliche Sicherheitsvorkehrung. Das ändert sich beim Wechsel des Autopiloten auf "Tesla Vision" allerdings jetzt.
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Model 3 und Model Y machen den Anfang

Laut dem Blog "Electrek" wird Texla bei Model 3 und Model Y in den USA künftig auf Radar-Sensoren für autonome Fahrfunktionen verzichten. Model S und Model X sollen später folgen. Die autonomen Fahrassistenten und der vollautonome Autopilot würden sich demnach nur noch auf Kamerabilder verlassen.
Tesla Autopilot
Kameras ersetzen in Zukunft die Radar-Sensoren für autonome Fahrfunktionen.

Algorithmen sollen bei Tesla Sensoren ersetzen

Tesla möchte in Zukunft mithilfe ausgeklügelter Algorithmen die bisherigen Sensoren ersetzen. Der Schritt ist dabei in der Branche bisher einmalig. Andere Hersteller setzen beim autonomen Fahren weiterhin auf eine Armada aus unterschiedlichen Sensoren, die auch sogenannte Lidar-Sensoren beinhalten. Sie erlauben es, die Umgebung abzutasten und ein 3D-Modell von ihr zu erstellen. Die wichtigsten Daten sind dabei die jeweiligen Entfernungen zu den potenziellen Gefahrenquellen. Lidar-Sensoren waren aber für Tesla noch nie ein Thema, Elon Musk bezeichnete sie in der Vergangenheit sogar als "Irrweg".

Elon Musk war 2016 noch Fan der Radar-Technik

Stattdessen sollte nach einem tragischen Unfall im Jahr 2016 die Radarsensorik eine weitaus größere Rolle spielen. Damals fuhr ein Tesla im Autopilot-Modus ungebremst in einen umgekippten Laster. Eine spätere Auswertung der Steuergeräte ergab, dass die Kamera den weißen Auflieger des Lkw als Straßenschild identifiziert hatte. Das Radar erkannte damals die Gefahr, durfte aber die Einschätzung der Kamera nicht überstimmen. Das sollte sich im Anschluss ändern. Musk versprach damals, dem Radar-System mehr Einfluss bei der Entscheidungsfindung des Systems zu geben.
Tesla Model 3
Das Model 3 wird eines der ersten Modelle mit Tesla Vision sein.

Radar sei laut Musk zu ungenau

Jetzt rudert Tesla allerdings zurück. Nach Auffassung des Firmenchefs Elon Musk auf Twitter sei die Auflösung moderner Kameras der Genauigkeit anderer Sensoren überlegen. Allerdings muss dabei bedacht werden, dass ein Kamerabild keine Tiefeninformationen bereithält. Woher zukünftige Tesla-Modelle die Distanz zu Hindernissen erfahren sollen, bleibt offen.

Tesla Vision wird ab Mai 2021 ausgeliefert

Das neue "Tesla Vision"-System soll bereits bei US-Modellen verbaut sein, die noch im Mai 2021 ausgeliefert werden. Auch in China soll das System bald seine Anwendung in Model 3 und Model Y finden. Allerdings werden am Anfang einige Funktionen wie der adaptive Spurhalteassistent (Autosteer), wohl nicht funktionieren. Ein Update soll diesen Umstand beheben. Zu anderen Märkten schweigt das Unternehmen noch. Rechtliche Rahmenbedingungen könnten es für den Autobauer schwer machen, ein ausschließlich auf ein Kamerabilder-basierendes System bei den Zulassungsbehörden durchzubringen. In Deutschland ist selbst der bisherige Autopilot nicht erlaubt und auch Mercedes muss mit seiner S-Klasse noch auf die Zulassung seiner Level 3-Funktionen warten.
Tesla Model Y
Auch das Model Y kommt schon ohne zusätzlicher Sensorik.

Europäer setzen weiter auf Sensor-Mix

Inwieweit Tesla sich mit dem Verzicht der Radar-Sensoren einen Gefallen tut, bleibt abzuwarten. Europäische Hersteller setzten aktuelle noch stark auf Radar, Lidar und Co. Zulieferer wie MobilEye aus Israel bieten mittlerweile sogar Umrüstsätze nach Level 4 für Öffentliche Busse an – ausgestattet mit Kameras, Radar- und Lidar-Sensorik. Es bleibt also spannend. Sollten die Kalifornier erfolgreich sein, wäre das eine beeindruckende Programmierleistung, Kunden und Privatpersonen dürfen dabei aber unter keinen Umständen als Versuchskaninchen herhalten müssen.