Test Kombi/Van/SUV, Teil 3 & großes Fazit
Frischer Wind in der Freizeit-Flotte

Zuwachs im SUV-Revier: Mit dem Land Rover Freelander läuft ein interessanter Neuzugang ein. Kann der wettergestählte Brite den etablierten Erfolgstypen den Wind aus den Segeln nehmen?
Eine frische Brise weht von den Inseln aufs Festland. Der Land Rover Freelander bringt nicht nur Farbe ins Aufmacher-Foto dieser Story, der schöne Brite will mit Design, Technik und Komfort die SUV-Klasse durcheinanderwirbeln. Aufrecht steht er zwischen den anderen SUV: Hier steigst du nicht ein, sondern auf. Vorn gibt es viel Platz, der Fond ist nicht ganz so geräumig wie in den Konkurrenztypen von Mitsubishi oder Opel, aber auch große Leute fühlen sich wohl. Die Sitze vorn und hinten gehören zu den bequemsten des Vergleichs. Der Kofferraum fällt mit 405 Liter Normalvolumen nicht üppig aus – bei dachhoher Beladung passen auch nur elf Mineralwasser-Kisten rein. Die Rückbank lässt sich geteilt umklappen, es entsteht eine ebene, glatte Ladefläche. Weniger praktisch ist die mit 81 Zentimetern extrem hohe Ladekante. Immerhin dürfen maximal 585 Kilogramm zugeladen werden. Ein Begleiter der angenehmen Sorte ist der 2,2-Liter-Diesel. Der 152-PS-Motor besitzt die Umgangsformen eines Kreuzfahrt-Kapitäns: immer freundlich und zurückhaltend, trotzdem durchsetzungsstark. Er läuft ausgesprochen geschmeidig, die Fahrleistungen liegen im Klassendurchschnitt. Die Federung gefällt wegen ihres enormen Schluckvermögens, gelassen gleitet der Landy auch über üble Wegstrecken. Unhandlich ist er deswegen nicht, Schaltung und Lenkung arbeiten leicht und präzise. Bleiben als Kritikpunkt die Bremsen: Werte um die 40 Meter sind zu viel, auch für diese Klasse.
Der X3 pflügt wie eine Fregatte durchs Gewässer
Bester Stopper ist der BMW, der schon nach weniger als 38 Metern steht. Der X3 ist und bleibt der Sportler unter den SUV, pflügt scharf und schneidig wie eine Fregatte durchs Gewässer. Perfekte Schaltung, zackige Lenkung – alles passt. Wer das gern hat, wird mit der zu straffen Federung leben können. Der Zweiliter-Diesel wirkt mit seinen 150 PS munterer, als es die Papierform vermuten lässt. Allerdings brummt er bis zu mittleren Touren kräftig. Keiner sprintet aber schneller als der X3. Weniger ergreifend ist das Platzangebot des BMW: Unsere Messwerte sagen, dass Mitsubishi und Opel im Fond deutlich mehr Platz bieten. Der X3 ist deswegen noch lange nicht eng, vorn und hinten lässt es sich auf bequemen Sitzen gut reisen. Und der Kofferraum ist mit 480 Liter Volumen bei stehender Rücksitzlehne immerhin der zweitgrößte hier. Die Zuladung fällt mit 385 Kilo aber enttäuschend aus. Und auch Variabilität ist keine BMW-Domäne: Die geteilte Rücksitzlehne lässt sich umklappen, das war's schon.Sie haben Teil 1 und Teil 2 des großen Vergleichs verpasst? Hier geht's zum Kombi-Vergleich, von dort aus zu den Vans.
Meister in dieser Disziplin ist der Mitsubishi. Er bietet im Fond viel Platz, dazu lässt sich die Rückbank geteilt längs verschieben (um acht Zentimeter) und die Neigung der Lehne verstellen. In der getesteten Intense-Ausstattung gehört noch eine dritte Sitzreihe dazu, die im Fahrzeugboden versenkt werden kann. Das Gepäckabteil ist mit 541 Litern trotzdem noch das größte, die Zuladung mit 620 Kilo die höchste im Vergleich. Und außerdem lassen sich in seinem Heck bei fünf Sitzplätzen noch 17 Kisten Mineralwasser dachhoch verstauen – auch das kann keiner der Mitbewerber besser. Klar, die Sitze in der dritten Reihe sind für Erwachsene nicht zu empfehlen, Kinder bis etwa zehn Jahren werden sich aber wohlfühlen.
Klasse, wie clever Mitsubishi das Sessel-Versenken gelöst hat: Die Sitze in Reihe zwei falten sich auf Knopfdruck, und zum Auspacken der hintersten Sessel reichen buchstäblich zwei Handgriffe. Im Outlander rumort ein vertrautes Triebwerk: der von VW zugekaufte Zweiliter-TDI mit 140 PS. Genügend Kraft hat er ja, sein rauer Lauf aber ist auch hier gewöhnungsbedürftig. Er dröhnt bei niedrigen Drehzahlen und unter Last kräftig, ist bei konstantem Tempo aber erstaunlich leise – genau das spiegeln unsere Messwerte wider. Mit seinem harmonisch abgestimmten Fahrwerk reiht sich der Mitsubishi zwischen dem komfortablen Land Rover und dem fahraktiven BMW ein.
Der Toyota zielt in Richtung BMW

Beim Raumangebot liegt der Antara an der Spitze

Opel-Schwachpunkte sind der brummige Diesel und die teigige Fünfgang-Schaltung. Der 150-PS-Zweiliter nörgelt besonders unter Last und kämpft sich zäh durchs Drehzahlband. Und dem Getriebe fehlt ein sechster Gang – wegen der kurzen Übersetzung ist das Drehzahlniveau höher als bei den anderen vier. Mit Edition-Paket kostet der Antara 32.700 Euro und liegt damit etwa auf einer Höhe mit dem Mitsubishi Outlander Intense für 32.490 Euro. Etwas günstiger sind der Toyota RAV4 Sol (30.880 Euro) und auch der Land Rover Freelander (31.510 Euro) zu haben. Und an der Spitze liegt der X3, für den BMW saftige 37.400 Euro berechnet. Stolze Preise, aber keine Überraschung. In dieser Klasse weht eben ein rauer Wind.
Kindersitzprobe: Drei nebeneinander – zwei SUV packen das nicht
Die Briten haben beim neuen Freelander offensichtlich nicht nur an den Stil gedacht, sondern auch an die Bedürfnisse von Familien: Im Landy lassen sich auf der Rückbank drei Kindersitze nebeneinander einbauen. Das ist aber nicht ganz einfach: Die Gurtschlösser sind nur mit Mühe zu erreichen – aber es funktioniert. Ähnlich geht es im BMW und im Opel zu: Drei Sitze passen rein, wenn auch nur knapp. Im Antara ist besonders der Einbau des mittleren Sitzes schwer, der steht praktisch auf dem Gurtschloss. Negativ-Beispiele sind der Mitsubishi und der Toyota. Beim Outlander reicht der Platz beim besten Willen nur für zwei Kindersitze. Im RAV4 lässt sich durch das ungünstig angebrachte Gurtschloss in der Mitte kein Sitz einbauen.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke

Service-Links
