Auweia! Deutschland steckt knietief in der Rezession. Alle sind ganz hysterisch, schreien wie wild nach Einkaufsschecks. Alle? Nö. Ich nicht. Gestatten: May, Andreas May, Sparfuchs. Hier zeige ich, wie man auch mit überschaubarem Budget den großen Auftritt hinlegen kann, adrett aussieht und 'ne fette Karre fährt. Motto: mit wenig Geld auf dicke Hose. Apropos Hose. Meine ist zwar bequem, aber ein Allerweltsmodell, der Ami-Parka nicht wirklich vorzeigbar. Deshalb geht's vor dem Autokauf zum Edelklamottenladen. Dass die Teile aus zweiter Hand sind – na und? Sieht doch keiner. "Einmal englischer Landlord bitte, aber vom Feinsten", sage ich.

Zum Zwölfzylinder-Kauf im Lord-Outfit

Andreas May
Vor dem Kauf des edlen Zwölfzylinders geht Andreas May in den Second-Hand-Laden.
Bild: Thomas Ruddies
Der Chef legt los: Cordhose, Tweed-Jacket mit Lederflicken, kariertes Hemd, Seidenschal und eine Mütze kramt er hervor, dazu rahmengenähte Budapester. "Hat mal 1600 Euro gekostet", sagt er. Jetzt will er 400, wünscht Glück beim Autokauf. "Hey", denke ich beim Blick in den Spiegel, "nenn' mich einfach Lord May." So, und jetzt 'nen dicken Schlitten. Ein Zwölfender ist Pflicht. Aber bitte zum Polo-Preis, mehr als 8000 Euro macht der Banker meines Vertrauens nicht locker. Sie wissen ja: die Rezession. Was ich dafür so bekomme – lesen Sie selbst.

Der Luxus-Benz des Milliardärs: Mercedes-Benz S 600 L

Andreas May
"Einmal englischer Land-Lord bitte, aber vom Feinsten." Cord-Hose, Tweed-Jacket und Seidenschal – gestatten, Lord May.
Bild: Thomas Ruddies
Diese Annonce klingt vielversprechend: Mercedes-Benz S 600 L, Erstbesitzer war einer der größten Mäzene Hamburgs, ein echter Milliardär. Der Preis: fast geschenkt, nur 7900 Euro. Felix Thiede (36) hat den Wagen aus dritter Hand gekauft, jetzt sucht er einen Fan, der schon immer so einen Chauffeur-Benz haben wollte. Thiede ist Chef eines Mercedes-Oldtimer-Clubs, kümmert sich mit Hingabe um die Topmodelle der Stern-Marke. Und er weiß genau, was der W 140 (Bauzeit 1991–1998) in der langen Version 1995 gekostet hat: "Grundpreis 210.220 D-Mark, dazu kam Sonderausstattung für 35.333,75 D-Mark, macht zusammen 245.553,75 D-Mark." Paah! Ein Auto für umgerechnet mehr als 125.000 Euro – jetzt ist es ein Sonderangebot. 

Vernachlässigter 600er

Aber der Benz verlangt auch ein wenig Aufmerksamkeit. Von 1995 bis 2005 war er Chauffeur-Auto, wurde entsprechend gepflegt. Bis Kilometerstand 120.000 ist das Scheckheft ausgefüllt. Von 2005 bis 2008 wurde die S-Klasse nur noch gefahren. Jetzt hat sie 242.000 Kilometer auf der Uhr, Rost an Kotflügel und Kofferraumschloss und einen defekten Luftmassenmesser: "Der Motor läuft zu fett, das lass' ich gerade reparieren", erklärt Thiede. Und auch andere Schwachstellen sollte man ernst nehmen: Bremsen und Lenkgetriebe leiden unter dem hohen Gewicht, verschleißen rasch. Ölaustritt an Getriebe und Hinterachsdifferenzial sind ebenfalls bekannt, auch die Hubmechanik des Schiebedachs macht öfter schlapp.

S 600 L: Platz wie in einer Katherdrale und Leistung wie im Sportwagen

Gebrauchtwagen Mercedes-Benz S 600L
Heute ein König: Die Einzelsitzanlage im Fond des 600ers bietet nicht zu steigernden Sitzkomfort.
Bild: Thomas Ruddies
Lapalien, wenn man erst einmal die Vorzüge dieser S-Klasse erlebt hat: Vorn säuselt der V12-Motor mit seinen 394 PS, hinten verwöhnen zwei elektrisch einstellbare und beheizbare Einzelsitze. So hat sich der Milliardär durch die Lande kutschieren lassen. Schon da warf Thiede ein Auge auf das Dickschiff: "Damals hatte der Wagen einen Diplomaten-Aufkleber auf dem Kofferraum." Das Schild ist ab, die Peilstäbe, die beim Rückwärtsfahren herauskommen, sind geblieben. Dass Thiede den Wagen wiederentdeckte – Zufall. Eigentlich wollte ihn der letzte Besitzer nach Syrien exportieren, das klappte aber nicht. "Wenn ich keinen Käufer finde, behalte ich den Benz", sagt der 36-Jährige. Warum auch nicht? Fazit: Ein fetter Benz für den großen Auftritt – der 1995er Milliardärs-Dienstwagen macht auch 2008 noch was her. Leider wurde er in den letzten Jahren nicht gepflegt. So könnten böse Überraschungen noch folgen.

Das Bayern-Schiff der Staatskanzlei: BMW 750i

Gebrauchtwagen BMW 750i
Der BMW 750i ist top-gepflegt und dazu auch noch durchgängig nach Scheckheft gewartet – das minimiert das Risiko.
Bild: Thomas Ruddies
So ließ sich Edmund Stoiber in die Staatskanzlei chauffieren, als er noch König von Bayern war. Ja, der 7er-BMW der Baureihe E38 (Bauzeit 1994–2001) ist ein feines Auto, ein Wagen, mit dem man Eindruck schindet. Erst recht, wenn es ein 750i mit V12-Motor ist. Dieser hier steht bei einem Hamburger Händler, und er steht wirklich gut da. "Wir kaufen meist mehrere Wagen im Paket von Markenhändlern", erklären Ali-Reza (34) und Hossein (26) Zolfaghari. Die Brüder haben in ihrem Showroom einen Ferrari 355 stehen und einen der letzten luftgekühlten Porsche 911 – und viele BMW und Mercedes mit nachvollziehbarer Historie. Der 7er ist so einer. 

Neupreis 1999: 102.000 Euro, Gebrauchtpreis 2008: 7985 Euro!

Gebrauchtwagen BMW 750i
Einzig die hervorstehende Anhängekupplung passt nicht zur eleganten Optik des BMW 750i.
Bild: Thomas Ruddies
Auf dem Tacho stehen 154.000 Kilometer, im Serviceheft datiert der letzte Eintrag aus Januar 2007, bei Kilometerstand 139.814. Was auffällt: Jeder Service wurde bei ein und demselben BMW-Händler ausgeführt. Ali-Reza Zolfaghari hat das gesamte Zubehör-Paket des 750i aufgelistet: "Leder, Navi und TV, Sechsfach-CD-Wechsler und Sound-paket, Xenonscheinwerfer, Standheizung, Einparkhilfe, Schiebedach, automatische Heckklappenbetätigung – als der BMW zusammengestellt wurde, hat der Käufer überall Kreuzchen gemacht", sagt der Händler. 102.000 Euro kostete der 7er 1999 laut Liste, jetzt wartet er für 7985 Euro auf einen neuen Besitzer.

Die Anhängekupplung passt gar nicht zum mondänen Auftritt des BMW 750i

Gebrauchtwagen BMW 750i
Edles Cockpit: Der 7er hat Wurzelholz und ein Navigationsgerät mit TV-Empfang.
Bild: Thomas Ruddies
Und der sollte auf die typischen Schwachstellen achten: Die komplexe Elektronik saugt gern die Batterie leer, Kühlwasserschläuche sind nicht selten porös, die Feststellbremse gammelt fest, Generatoren und Anlasser mucken. Typische BMW-Fehler wie verschlissene Achslager und zu viel Spiel in der Lenkung kennt natürlich auch der 7er. Auch wenn dieser hier aussieht, als wäre der Stoiber Edmund nur kurz zum Aktenstudium entschwunden. Der anthrazitfabene Lack der Limousine glänzt und blitzt. Aber halt! Irgendwas stört. Musste der Vorbesitzer unbedingt auf einer Anhängekupplung bestehen? Das ist ja so sexy wie weiße Tennissocken zum schwarzen Anzug!
Fazit: 7 und 12 – das ist eine klasse Kombination. Dieser 7er von BMW mit Zwölfzylindermotor hat eine nachvollziehbare Historie und ist ein echtes Schnäppchen. Hier stört nur der Fleischerhaken!

Die Raubkatze aus gutem Hause: Jaguar XJ 12

Gebrauchtwagen Jaguar XJ12
Ein Herrenfahrzeug durch und durch: Lack in British Racing Green und Polster in Champagner-farbigem Leder.
Bild: Thomas Ruddies
Das Angebot klingt zu schön, um wahr zu sein. Hier will jemand einen Jaguar XJ 12 loswerden, Baujahr 1993, erst 142.600 Kilometer auf der Uhr, topgepflegt, nur im Sommer gefahren, Verkauf aus Altersgründen. Der Preis: schlappe 5500 Euro. Anruf bei einer kleinen Ford-Werkstatt: "Ja, der Herr ist Kunde bei uns, wir vermitteln Ihnen gern einen Termin." Aber bitte doch! Heinz D., ein freundlicher älterer Herr, öffnet die Tür. Er ist 82 Jahre und Architekt, hat eine Vorliebe für englische Autos: "Ich habe einen Morgan Plus 4, einen Range, den Jaguar und für die Stadt einen Alfa GTV. Aber vier Autos sind zu viel." 
Jaguar XJ 50 Portfolio Pano ACC Keyless Kamera Sitzbelüf
46.050
Jaguar XJ 50 Portfolio Pano ACC Keyless Kamera Sitzbelüf
43.259 km
221 KW (300 PS)
03/2020
Zum Angebot
Jaguar XJ D300 LUXURY*PANORAMA*
24.888
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118.000 km
221 KW (300 PS)
05/2019
Zum Angebot
Diesel (WLTP), 7 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 186 g/km*
Jaguar XJ XJ 3.0 V6 Diesel Premium Luxury
28.990
Jaguar XJ XJ 3.0 V6 Diesel Premium Luxury
65.320 km
221 KW (300 PS)
02/2018
Zum Angebot
Diesel, 7 l/100km (komb.)*
Jaguar XJ 3.0D Premium Luxury*Meridian*LED*Leder*Panorama*
27.990
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73.000 km
221 KW (300 PS)
09/2017
Zum Angebot
Diesel, 5,7 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 149 g/km*
Jaguar XJ 3.0 V6 Diesel Luxury
23.000
Jaguar XJ 3.0 V6 Diesel Luxury
135.000 km
221 KW (300 PS)
05/2017
Zum Angebot
Diesel, 6 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 184 g/km*
Jaguar XJ Portfolio
19.900
Jaguar XJ Portfolio
138.245 km
221 KW (300 PS)
03/2016
Zum Angebot
Diesel, 5,7 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 149 g/km*
Jaguar XJ 3.0 Luxury+NAVI+LED+LEDER+PANO+SOUND+
19.890
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94.011 km
221 KW (300 PS)
02/2016
Zum Angebot
Diesel (WLTP), 6,1 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 162 g/km*
Jaguar XJ Premium Luxury Pano SoftClose Kamera
25.990
Jaguar XJ Premium Luxury Pano SoftClose Kamera
96.875 km
221 KW (300 PS)
01/2016
Zum Angebot
Diesel (WLTP), 5,7 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 149 g/km*
Jaguar XJ Premium Luxury 3.0d V6~Meridian~Leder~Pano~VOLL
18.000
Jaguar XJ Premium Luxury 3.0d V6~Meridian~Leder~Pano~VOLL
118.000 km
221 KW (300 PS)
08/2015
Zum Angebot
Diesel, 5,7 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 149 g/km*
Jaguar XJ PREMIUM LUXURY AWD
21.000
Jaguar XJ PREMIUM LUXURY AWD
81.000 km
250 KW (340 PS)
07/2015
Zum Angebot
Benzin (WLTP), 9,9 l/100km (komb.), CO2 Ausstoß 244 g/km*
Alle Jaguar XJ gebraucht

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Rechtliche Anmerkungen
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Der Jaguar XJ12 präsentiert sich in Neuwagen-ähnlichem Zustand

Gebrauchtwagen Jaguar XJ12
Very British: Im XJ 12 dominieren Leder und Wurzelholz – das Richtige für den Landlord.
Bild: Thomas Ruddies
Der Jag steht in einer Tiefgarage, sein 311 PS starker Zwölfzylinder springt sofort an und läuft akurat wie ein Uhrwerk. Das cremefarbene Interieur sieht aus, als wäre sein Besitzer nur mit Hausschuhen eingestiegen, alles sauber, alles fein. Er erklärt: "Ich habe den Wagen 1998 aus erster Hand gekauft, der Werkstattmeister erkannte ihn auf Anhieb wieder." Jedes Jahr lässt er eine Inspektion machen. Das ist auch nötig. Der Jaguar mit der Modellbezeichnung XJ40 (Bauzeit 1986–1994) verfügt beispielsweise über Schmiernippel an den Antriebswellen, die regelmäßig frisches Fett brauchen. So gilt für diese Katze: grundsätzlich gesund – bei guter Pflege.

Verkaufsgrund: Zum Herumstehen ist der Jag zu schade

Gebrauchtwagen Jaguar XJ12
Der V12 säuselt leise, bietet Kraft in jeder Lage und ist bestens gewartet.
Bild: Thomas Ruddies
Rost ist bei diesem Modell kein Problem, selbst die Mechanik ist handzahm. Probleme bereiten nur kleine Öl-Leckagen, da hilft nur Auswechseln der undichten Wellendichtringe. In diesem Punkt ist die Raubkatze des Herrn D. stubenrein – kein Tropfen Öl ist im Motorbereich zu sehen. Dafür steckt im Wagen der geballte Luxus der frühen 90er-Jahre. Mit Sechsfach-CD-Wechsler im Kofferraum, Schiebedach, Klimaautomatik, Lederausstattung und Schafwoll-Teppichen hat der XJ 12 mal 140.000 D-Mark gekostet, also umgerechnet mehr als 71.000 Euro. Jetzt gibt es die Raubkatze aus gutem Hause zum Sonderpreis. Herr D. erklärt: "Zum Herumstehen ist der Wagen einfach zu schade."
Fazit: Da geht einem das Herz auf: Ein fein gepflegter Jaguar, der dasteht wie neu und für 5500 Euro fast geschenkt ist. Aber bitte regelmäßig zur Inspektion fahren, sonst wird das Kätzchen krank!

Fazit von AUTO BILD-Gebrauchtwagenexperte Andreas May

Alle drei Typen machen Spaß. Der BMW, weil er so jung, sein Scheckheft lückenlos ist. Der Mercedes, weil er mal Milliardärs-Dienstwagen war, alles an Bord hat. Der Jaguar, weil er ein Liebhaberauto ist, dasteht wie frisch aus dem Laden. Welchen nehmen? Der Verstand sagt BMW, das Herz schreit nach Jaguar. Und darauf höre ich: Der Brite ist mein Favorit. Er ist top-gepflegt, er ist ein Traum von Auto. Und er ist der Günstigste unter den Zwölfendern. Da bleiben noch ein paar Euro übrig für Reparaturen.