Die heiß gefahrenen Slicks des weißen $(LA341554:Ford Fiesta ST)$ kleben am Asphalt. Die dröhnende Kölner Fuhre pflügt durch die ultraschnelle Abfahrt der Hohen Acht auf der "Grünen Hölle", der Nordschleife des Nürburgrings. Hoppla - bei Tempo 150 wird das Heck plötzlich ganz leicht, wedelt schlagartig nach links und rechts. Heftig klopft mein Herz unter der Rennkombi. Ganz sanft Gas geben – und der Cup-Renner beruhigt sich wieder. Das war knapp! Ziemlich giftig, die Rennversion des Fiesta ST. Eben ein waschechtes Renngerät. Dabei sieht er von außen so harmlos aus, unterscheidet sich optisch kaum vom Serienauto. Genau wie seine drei Markenpokal-Kollegen Renault Clio Cup, Mini Cooper Challenge und VW Polo Cup - die Kandidaten unseres Tracktests.

Der Fiesta ST kommt spät auf Touren

Ralf Martin (40), der amtierende Fiesta-Cup-Meister, gibt mir nach dem Manöver ein paar Tipps und Kniffe. "Du musst den Fiesta mit dem Hinterteil fühlen und auch damit lenken." Gesagt, getan. Zurück auf der Strecke, sind der Fiesta und ich schon im Hatzenbach-Kurvengeschlängel, dem ersten Kilometer der Nordschleife, eins. Die 170 PS des 1,6-Liter-Saugmotors sind nicht der Grund für schnelle Rundenzeiten. Sondern das rigoros sportliche Fahrwerk und die kräftig  zupackenden Bremsen. An Steigungen und engen Passagen greife ich ständig zum Schalthebel des Fünfgang-Sportgetriebes. Der Vierzylinder mag keine niedrigen Drehzahlen. Richtig Dampf hat er erst zwischen 7000 und 8000 Touren. Ich lenke ein in die schräge Betonkurve im Schwalbenschwanz – das Auto liegt perfekt. Der fünfte Gang ist schon auf der Anfahrt zur Döttinger Höhe drin, dem längsten Geradeausstück des Rings. Meine feuerfeste Unterwäsche klebt durchgeschwitzt auf der Haut, als hätte ich zehn Runden gedreht. Der Fiesta ST Cup ist das Auto, das den Fahrer am meisten fordert.

Viel Spaß beim Clio Cup

Den größten Fahrspaß dagegen bietet der Renault Clio Cup. Seine Kraftquelle: ein 204 PS starker 2,0-Liter-Saugmotor. Der schiebt auf der Nordschleife ordentlich an. Ein Sperrdifferenzial verhindert, dass er eines der angetriebenen Vorderräder durchdrehen lässt. Zügig flitzt der Clio so aus engen Kurven. Am Bergwerk, einem steilen Kurvengeschlängel, brauche ich den Hebel rechts neben dem Lenkrad nur nach vorn oder hinten zu reißen, um die Gänge zu wechseln. Das sequenzielle Renngetriebe erledigt blitzschnell den Rest. Beim Hochschalten sogar mit durchgedrücktem Gaspedal. Über die Vorderreifen schieben wie ein Serienauto? Kennt der Cup-Clio nicht. Das Rennfahrwerk lässt ihn in Kurven leicht mit dem Heck tänzeln. Das macht ihn leichtfüßiger. Aber nicht überall einfach zu fahren. Wie im Streckenabschnitt Fuchsröhre. Mit Vollgas geht es bergab, dann schlagartig bergauf. Voll in die Bremse vor der engen Links. Das Heck wird sehr nervös.

Im Polo geht Sicherheit vor

Nervös soll auch der Polo Cup sein. Diesen Tipp geben mir die VW-Leute mit ins Cockpit. Das merke ich prompt in den Hatzenbach-Kurven. Curbes mag der Polo nämlich gar nicht. Sobald ein Vorderreifen die farbigen Randsteine berührt, biegt er einfach ab. Ziemlich gewöhnungsbedürftig. Genau wie die Lenkung. Die ist nicht so direkt wie bei den anderen Cup-Racern. Richtig Spaß macht dagegen der 2,0-Liter-Sauger aus dem Golf V. Der hat zwar nur 150 PS, aber leichtes Spiel mit den 1000 Kilo des Polo. Das Sechsgang-Schaltgetriebe hat geänderte Gangräder, um das Auto fürs Rennen sprintstark zu machen. Die Hosenträger-Gurte pressen sich auf meine Schultern. Mit einem Ruck komme ich der Windschutzscheibe näher. Die Bremsen aus dem Golf-Topmodell R32 zwingen die Tachonadel brutal nach unten. Nur das plumpe Serien-Lenkrad mit Airbag vermittelt kein Motorsport-Flair. Aber wie VW sagt: Sicherheit geht vor.

Mini Challenge mit Maxipower

Die letzte Runde des Tracktests auf der Nordschleife gehört einem Publikumsliebling: dem Mini Cooper S. Seine Basis ist das werksgetunte Sondermodell "John Cooper Works". Der  geänderte Kompressor erzeugt mehr Ladedruck. Die Leistung steigt von 170 auf 210 PS. Damit ist er der stärkste unserer vier Testkandidaten. Schon bei der Anhöhe rauf zum Schwedenkreuz merke ich den Unterschied. Der sechste Gang ist drin, der Tacho pendelt zwischen 220 und 230 km/h. Die lange Rechtskurve danach bremst der kleine rote Mini präzise an, umrundet sie wie auf Schienen. Das höhenverstellbare Fahrwerk von KW ist perfekt abgestimmt für die vielen Wellen und Kuppen der "Grünen Hölle". Ein Tanz mit dem Heck bleibt mir erspart. Schließlich soll die letzte Runde schnell sein und harmlos aussehen. Ganz wie die Autos auch.

Vier Marken, viermal Spaß

Wer DTM-Fahrer werden will, kommt an einem dieser vier Markenpokale nicht vorbei. Die klassische Einsteigerserie ist der VW Polo Cup. Interessierte Nachwuchsfahrer müssen vorher einen Sichtungs- und Qualifikationslehrgang bestehen. Wer sich fahrerisch bilden will, ist mit dem Fiesta ST Cup am besten bedient. Er schult das Popometer ungemein. Wer lieber auf ein gut  beherrschbares und schnelles Auto steht, der ist im Clio Cup richtig. Allen denjenigen, die direkt aus dem Kartsport kommen, sei das Go-Kart-Fahrgefühl in der Mini Challenge ans Herz gelegt. Der Lifestyle-Markenpokal ist aber keine typische Nachwuchsserie, sondern eher was für ambitionierte Hobby-Piloten.