Viele Verkehrstote durch Überholen: Dekra-Auswertung
Welche Fehler beim Überholen oft tödlich enden

Missglückte Überholmanöver werden von vielen Autofahrern massiv unterschätzt. Das zeigt eine Dekra-Auswertung von rund 11.700 Unfällen mit Personenschaden. Wo die Gefahren lauern – und wie Sie es richtig machen.
Bild: DEKRA
- Raphael Schuderer
Die Unfallforscher der Dekra schlagen Alarm: Überholmanöver auf Landstraßen würden massiv unterschätzt, mit oft tödlichen Folgen. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Im Jahr 2024 wurde bei knapp 11.700 Unfällen mit Personenschaden in Deutschland ein Fehlverhalten beim Überholen festgestellt – in 212 Fällen endete das Überholmanöver tödlich.
Luis Ancona von der Dekra Unfallforschung warnt: "Oft wird zum Überholen angesetzt, ohne die Verkehrssituation ausreichend zu prüfen. Wenn man dabei die Lage falsch einschätzt, sind die Folgen bei Gegenverkehr oft besonders schwer." Seine klare Botschaft: "Überholmanöver sind eine der kritischsten Fahrsituationen überhaupt. Beim geringsten Zweifel ist Überholen deshalb keine Option."
Kurven und Kuppen als Todesfallen
Besonders gefährlich: Strecken mit vielen Kurven, Kuppen, Senken und Einmündungen. An diesen "blinden Stellen" können sich entgegenkommende Fahrzeuge verbergen. Leicht wird auch ein Feldweg übersehen, aus dem ein Traktor oder Radfahrer auf die Straße einbiegen oder sie kreuzen können.
Die Straßenverkehrs-Ordnung ist eindeutig: Überholen ist nur erlaubt, wenn der Überholweg vollständig einsehbar ist. Beim gesamten Manöver muss jede Behinderung oder Gefährdung des Gegenverkehrs ausgeschlossen sein. Das bedeutet: Bei unklarer Verkehrslage ist das Überholen strikt verboten.
Zu hoher Preis für wenige Minuten Zeitgewinn
Viele unterschätzen zudem die benötigte Überholstrecke. Ancona betont: "Weil sich der Gegenverkehr genauso schnell nähern kann, muss außerdem die einsehbare Strecke auch dafür ausreichen. Gerade bei kleinen Geschwindigkeitsdifferenzen zum Vorausfahrenden verlängert sich der Überholweg erheblich."
Zeichnet sich beim Ausscheren ab, dass die verfügbare Strecke oder die Geschwindigkeit nicht ausreicht, muss der Vorgang sofort abgebrochen werden. Der Experte rechnet vor: "Häufige Überholmanöver machen die Fahrsituation anspruchsvoller und schaffen Risiken für sich selbst und andere. Im Übrigen bringt dies in der Regel aber keinen nennenswerten Zeitgewinn, insbesondere bei hohem Verkehrsaufkommen. Meist geht es allenfalls um wenige Minuten, die das Risiko einfach nicht wert sind."
Auch ein Blick in den Rückspiegel ist Pflicht
Zu den häufigsten Fehlern bei Überholunfällen gehört, nicht auf den nachfolgenden Verkehr zu achten. Ancona stellt klar: "Wer überholen will, muss zuerst überprüfen, ob ein nachfolgendes Fahrzeug schon zum Überholen angesetzt hat." Zudem gilt es, vor dem Aus- und Einscheren rechtzeitig zu blinken. Das überholte Fahrzeug darf keinesfalls "geschnitten" werden.
Dekra-Tipps für sichere Überholmanöver
Die Dekra rät, sich vor jedem Überholvorgang folgende Fragen zu stellen. Muss eine mit "Nein" beantwortet werden, gilt: nicht Überholen!
- Ist die Strecke vollständig einsehbar und frei von Gegenverkehr?
- Reicht die verfügbare Strecke zum Überholen aus?
- Kann mein Fahrzeug schnell genug beschleunigen?
- Hat schon ein nachfolgendes Fahrzeug zum Überholen angesetzt?
- Habe ich den Blinker rechtzeitig gesetzt?
- Kann ich den Überholvorgang jederzeit sicher abbrechen, falls sich die Verkehrslage ändert?
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