Passend zur Markenstrategie, ab 2030 keine Verbrenner mehr zu bauen, zeigt Volvo mit einer Studie, wie die Elektroautos der Marke in den kommenden Jahren aussehen werden. Der "Concept Recharge" sortiert sich größentechnisch zwischen Volvo XC60 und XC90 ein. Dank der neuen SPA2-Plattform für Elektroantriebe und dem Wegfall des Verbrennungsmotors gibt es mehr Radstand (und damit zusätzlichen Platz im Innenraum), größere Räder, aber kleinere Überhänge vorn und hinten. Außerdem hat Volvo die Aerodynamik verbessert. Das neue Design ist noch mal reduzierter und eckiger, die Grundform geht mehr in Richtung Kombi.
Hinweis
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Die Scheinwerfer verengen sich und scheinen nur noch aus der "Thors Hammer"-Lichtsignatur zu bestehen. Gleiches gilt für die Rückleuchten. Das typische vertikale Lichtband am steilen Heck knickt nun im 90-Grad-Winkel ab und reicht bis in die Kofferraumklappe. Die extrem schmalen Seitenspiegel – es scheinen Kameras zu sein –, die fehlenden Türgriffe und die rahmenlosen Türen dürften nur dem Showcar vorbehalten sein.

Innenraum mit Zentraldisplay im Tablet-Stil

Auch dem Innenraum sieht man seinen Studienstatus an. Er wirkt auf den ersten Bildern sehr clean und Lounge-artig. Dank der neuen Plattform gibt es hier nicht nur mehr Platz nach vorn und hinten, sogar zwischen den Vordersitzen ist mehr Raum. Die vier Einzelsitze mit weit ausgeformten Sitzwangen und breiten, abgerundeten Kopfstützen erinnern in ihrer Form weniger an Autositze als an das Gestühl, das man aus der 1. Klasse im Zug kennt. Das Cockpit kommt komplett ohne Schalter und Knöpfe aus und ist natürlich volldigital. Auf der Lenksäule ist ein flaches Display zu erkenne; ein Aufbau, der an VW ID.3 und ID.4 erinnert. Das Zentraldisplay bleibt im Hochformat. Bei der Studie ist es im Stil eines Tablets gehalten, aber größer: Die Bildschirmdiagonale beträgt 15 Zoll, die Software ist neu.
Volvo Concept Recharge
Laut Volvo war das Ziel, für den Innenraum eine "skandinavische Wohnzimmer-Atmosphäre" zu schaffen.

Neue Infotainment-Software auf Android-Basis

Dazu verstärkt Volvo die Arbeit mit Google. Während das aktuelle Infotainment auf einzelne Bausteine wie die Sprachsteuerung Google Assistant zurückgreift, wird die neue Generation komplett auf Google Android basieren. Volvo nennt es VolvoCars.OS, was in Anbetracht von Apple iOS, VW.OS, MB.OS wenig erfrischend wirkt. Innovativer ist die Herangehensweise: Volvo nutzt die Google-Plattform und profitiert von Erfahrungen mit über zwei Milliarden Nutzern weltweit. Ein Entwicklungsstand, den nur Google bieten kann. Während Hersteller wie VW oder Mercedes auf eigene Software-Entwicklung setzen, wird Volvo von Googles Know-how profitieren und viel Entwicklungskosten sparen.

Der Aufbau des Volvo-Infotainments ähnelt dem von Mercedes MBUX

Regelmäßige Over-The-Air-Updates, Smartphone-Steuerung und natürlich mehr Sicherheit durch intuitive Bedienung wird fürs neue Betriebssystem von Volvo versprochen. Damit der Fahrer nicht abgelenkt wird, hat Volvo die Anzeigen minimalisiert, die Infos aufs Wichtigste beschränkt. Das sieht bei der ersten Demonstration gut und verständlich aus – wie auf einem Smartphone mit Android-Betriebssystem, das weltweit etabliert ist und verstanden wird.
Hinweis
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Um die Bedienung zu erleichtern, sind alle Schaltflächen im unteren Teil des großen Zentralbildschirms angesiedelt, oben finden die Darstellungen wie Kartenansichten statt. Einen ähnlichen Aufbau hatte Daimler erst kürzlich für die neue MBUX-Generation in der Mercedes S-Klasse gezeigt (hier geht's zum Connectivity-Check). Bei Gestaltung und Design der Pixel hat Volvo eine eigene Sprache. Damit grenzt sich das System zumindest optisch vom Betriebssystem bei Polestar ab. Die neue Generation der Elektrofahrzeuge, die dieses System an Bord haben wird, wird ausschließlich über den Online-Handel vertrieben. Volvo macht insgesamt einen großen Schritt in puncto Digitalisierung.
Volvo Concept Recharge
Volvos neue Elektroauto-Generation soll ausschließlich online verkauft werden.

Angestrebt wird ein Elektroauto mit 1000 Kilometer Reichweite

Zum Motor der Studie schweigen sich die Schweden aus, dafür verraten sie, was sie zum Thema Akku in Zukunft planen. Für größere Reichweiten arbeitet Volvo außerdem an neuen Batterien mit höherer Energiedichte. Das Ziel: Bis 2030 soll eine Reichweite von bis zu 1000 Kilometern möglich sein. Auf welches konkrete Modell die Studie einen Ausblick gibt, ist noch offen. Allerdings hat Volvo bereits angekündigt, dass die neue XC90-Generation elektrisch kommen wird – und zwar schon 2022. Es ist davon auszugehen, dass Volvos größtes SUV wenigstens vom Concept Recharge inspiriert ist.