Platz 1 mit 528 von 800 Punkten: VW Tiguan R 2.0 TSI 4Motion. Viel Platz, überlegene Fahrleistungen, hoher Komfort, faire Kosten. Anmutung etwas altbacken. Preis: ab 60.420 Euro (zum Angebot: Ersparnis bei carwow.de bis zu 7855 Euro).
Platz 2 mit 516 von 800 Punkten: Mercedes-AMG GLA 35 4Matic. Gieriger Motor, tolle Sitze, besser bei Anmutung und Bedienung. In Summe aber klar Zweiter. Preis: ab 65.498 Euro (zum Angebot: durchschnittliche Ersparnis bei carwow.de bis zu 4997 Euro).
Es gibt Typen, die lassen sich nicht gern die Butter vom Brot nehmen. Die arbeiten jahrelang stoisch und zielorientiert – und haben damit Erfolg. Der VW Tiguan ist so einer. Immer vorne, ein ruhiger Siegertyp eben. Doch es gibt auch talentierte Konkurrenten wie den Mercedes GLA, die mit aller Kraft dagegenhalten. 306 PS sind es, um genau zu sein, im AMG GLA 35 4Matic, mit dem die Stuttgarter seit Juni 2020 auf den Markt drängen. Nur ein paar Monate später, im November 2020, erschien der Tiguan R mit 320 PS. Höchste Zeit also für ein Gipfeltreffen. (Wichtige Tipps für den Neuwagenkauf im Internet)

Von außen sieht man Tiguan und GLA die Kraft nicht an

VW Tiguan R 2.0 TSI 4Motion
Dezent: Wie sein Konkurrent pflegt auch der Tiguan R einen eher zurückhaltenden Auftritt.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Äußerlich könnten die Unterschiede größer kaum sein. Hoch , kantig und aufrecht der VW, geduckt, rund und dynamisch der Mercedes, der bei der direkten Gegenüberstellung überraschend kompakt wirkt. Kompakter, als es die nur neun Zentimeter Länge, die ihm zum Tiguan fehlen, vermuten lassen. Wer jetzt den größeren GLB erwartet hätte: Der ist zwölf Zentimeter länger als der Tiguan und zudem deutlich teurer. Auffällig bei beiden ist, dass sie nicht auffällig sind. Weder Tiguan noch GLA brauchen die große Show. Ein paar Schürzen, eine zweiflutige Auspuffanlage. 
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Okay, beide stehen auf aufpreispflichtigen 21-Zöllern mit satten 255er-Schlappen. Aber darüber wundert sich heute genau genommen auch niemand mehr. Wer sich also den Modellschriftzug verkneift, ist mit diesen kompakten SUVs geradezu inkognito unterwegs.

Das MBUX des Mercedes legt die Messlatte sehr hoch

Mercedes-AMG GLA 35/GLA 45 S (2020): Neuvorstellung - Motor - SUV

Mercedes-AMG GLA auch als Einstiegsmodell mit 306 PS

Bild: AUTO BILD
Das Bild setzt sich in den Innenräumen fort. Sportsitze mit integrierten Kopfstützen und ein bisschen Chichi, das war es auch schon. Gerade der Tiguan ist kaum von einem braven TDI zu unterscheiden. Das liegt aber auch daran, dass er sich mit dem Diesel seine praktischen Talente teilt. Egal wo wir das Maßband ansetzen, er ist fast immer eine halbe Klasse größer als der GLA. Vorn mag die Gedrungenheit des Benz noch Sportlichkeit vermitteln, in Fond und Kofferraum werden die fehlenden Zentimeter spätestens bei der Urlaubsfahrt zum Problem. Während das kastige VW-Hinterteil überlegene 520 bis 1655 Liter schluckt, sind es beim AMG gerade 435 bis 1430 Liter. Dass die Ladekante des Benz fünf Zentimeter niedriger ausfällt, ist nur ein schwacher Trost, schließlich gilt das für den gesamten Aufbau. Der Tiguan-Pilot sitzt immer eine Etage höher. Aus Sicht der meisten SUV-Käufer eher Vor- als Nachteil.
Nichts vormachen lässt sich der GLA dagegen bei Qualität und Bedienung. Die verwendeten Materialien mögen nichts mehr mit einer 140er-S-Klasse aus den 1990er-Jahren gemein haben. Den gerade unterhalb der Gürtellinie eher simplen VW-Zutaten sind sie allemal überlegen. Das MBUX-Bediensystem ist mit seiner klugen Menüführung und der aufmerksamen Spracherkennung ohnehin die Messlatte in dieser Klasse. Gerade im Cockpit sind dem VW seine Jahresringe dagegen anzusehen. Alles tadellos zu bedienen und gut gemacht, aber eben auch schon etwas altbacken.

Bei den Fahrleistungen liegt der VW vor dem Mercedes

VW Tiguan R 2.0 TSI 4Motion Mercedes-AMG GLA-Klasse 35 4Matic
Klar vorne: Beim Sprint auf Tempo 100 in 4,8 Sekunden knöpft der Tiguan dem GLA 0,3 Sekunden ab.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Frisch und aufgeweckt geht dafür sein 320 PS starker Zweiliter-Vierzylinder zur Sache. 4,9 Sekunden verspricht VW für den Spurt auf 100 km/h, in der Realität ging es sogar noch eine Zehntel schneller. Brutal schnell für ein kompaktes SUV. Dem GLA machen 14 PS weniger zu schaffen. Trotz aufgeweckterem Doppelkuppler hechelt er immer etwas hinterher. Auch weil er trotz kompakterer Abmessungen nur sieben Kilogramm weniger wiegt. Zudem verbraucht er trotz besserer Aerodynamik 0,4 Liter mehr. Für ihn spricht der subjektive Fahreindruck, wo er immer etwas präziser und verbindlicher auftritt als der eher synthetische VW. Seine Lenkung reagiert präziser, die Sitze halten besser fest, er klingt im Innern gieriger und vermittelt mehr Sportsgeist. Absolut überzeugen können auch das serienmäßige Verstellfahrwerk und die bissigen, fadingfreien Bremsen. Die besseren Bremswerte erreicht dennoch der Wolfsburger, der auch beim weit gespreizten Fahrwerk nichts anbrennen lässt.

Bildergalerie

VW Tiguan R 2.0 TSI 4Motion Mercedes-AMG GLA-Klasse 35 4Matic
VW Tiguan R 2.0 TSI 4Motion
Mercedes-AMG GLA-Klasse 35 4Matic
Galerie "Zwei sportliche Kompakte im Test" mit 28 Bildern öffnen
Zwei sportliche Kompakte im Test
Die höhere Kfz-Steuer kontert er mit niedrigeren Versicherungsklassen und längeren Wartungsintervallen. Zudem schwächelt der GLA ausgerechnet beim Wiederverkauf. Und der Tiguan zeigt mal wieder, dass hinter der braven Fassade ein echter Kämpfer steckt. (Unterhaltskosten berechnen? Zum Kfz-Versicherungsvergleich)
Ein Altmeister wie der Tiguan lässt sich nicht so einfach in die Parade fahren. Er leistet sich keine Schwächen, gewinnt fast alle Kapitel. Der kernige GLA bietet dank aufmerksamerem Getriebe und besserer Lenkung mehr Fahrspaß. Das mag als Kaufgrund reichen, nicht aber zum Gewinnen.