Wer hat's erfunden? Nein, diesmal geht es nicht um Kräuterzucker, sondern um den Kombi. Und der kam – auch wenn Audi, BMW und Mercedes das nicht gerne hören – ursprünglich aus Göteborg. Denn lange bevor bei uns Avant, Touring und T-Modell ins Rollen kamen, baute Volvo dort bereits den Duett.
Dumm nur, dass weder die einen noch die anderen heute noch so richtig daran festhalten. Weil alle Welt wie im Rausch nach neuen SUV verlangt und diese oft auch noch praktischer sind, gerät der klassische Kombi zunehmend ins Hintertreffen. Mercedes etwa bietet für die elektrische E-Klasse bislang gar kein T-Modell an. Auch Volvo hat bei der Elektrifizierung seine V-Modelle vernachlässigt.

Die besten Kombis im Test

1,8
gut
Preis
43.240 EUR
8.
Porsche
Taycan 4S Sport Turismo
2,1
gut
Preis
61.451,6 EUR
Alpina B3 GT Touring
10.
BMW Alpina
B3 GT Touring Allrad B3 GT Touring Allrad
2,2
gut
Preis
102.900 EUR
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Komplette Liste: Die besten Kombis im Test
Doch nun kommt ein anderer Praktiker aus Göteborg. Neben Volvo und der sportlichen Schwester Polestar betreibt dort auch die chinesische Cousine Zeekr ihr Designstudio und lockt in der Heimat mit europäischem Touch. Jetzt richten die Chinesen ihren Blick allerdings nicht nach Osten, sondern ein Stück weiter nach Süden und buhlen mit dem neuen 7GT bei uns um die Business-Elite.
Der Zeekr 7GT soll die Lücke füllen, die deutsche Kombis zunehmend offenlassen.
Bild: Zeekr
Genau wie der Nio ET5 Touring oder der neue Denza Z9 GT soll er beweisen, dass auch die Chinesen große Kombis können und in die Lücke stoßen, die sich bei Audi, BMW und Mercedes langsam auftut – und das zu einem Kampfpreis ab 47.990 Euro.

Mehr als 456 Liter passen nicht in den Kofferraum

Dafür gibt es einen schmucken Fünftürer, der sich auf 4,82 Meter streckt und sich betont flach macht. Das ist gut für Ästheten und die Aerodynamik, aber schlecht für Praktiker. Mehr als 456 Liter passen deshalb nicht hinter die elektrische Klappe, dazu kommen bestenfalls 65 Liter im Frunk.
Dafür sitzt man bei 2,90 Metern Radstand unter einem riesigen Panoramadach auch in der zweiten Reihe erstklassig und kann wie sonst nur in echten Chauffeurslimousinen sogar vom Fond aus per Knopfdruck den Beifahrersitz verstellen. Von der verstellbaren Lehne der Rückbank ganz zu schweigen.
Viele Funktionen sind nur über den Touchscreen steuerbar.
Bild: T. Geiger
Klar: Mit einem T-Modell der Mercedes E-Klasse kann der Zeekr beim Ladevolumen nicht mithalten. Doch selbst der elektrische CLA Shooting Brake fasst nur einen Liter weniger. Und im Vergleich mit dem ebenfalls recht flachen A6 Avant e-tron (502 Liter) steht der Zeekr gar nicht mehr so schlecht da. Einen BMW i3 Touring gibt es schließlich ebenso wenig wie eine Kombiversion der elektrischen C-Klasse.

Beim Laden spielt der Zeekr in einer eigenen Liga

Und trotzdem taugt der Chinese zum Lademeister – nur eben in einem anderen Sinn. Wenn die Akkus leer sind, können die Konkurrenten tatsächlich einpacken: Der Zeekr schaufelt sich Strom mit bis zu 450 kW in den Bauch.
Das Luftfahrwerk sorgt für entspanntes Gleiten auf langen Strecken.
Bild: Zeekr
Der landet in 800-Volt-Akkus mit entweder 75 oder 100 kWh, die Normreichweiten von 519 bis zu 655 Kilometern ermöglichen. Gespeist wird wahlweise eine Heckmaschine mit 421 PS oder ein Dual-Motor-System mit bis zu 646 PS. Auch hier wollen die Chinesen ganz vorne mitspielen – genau wie beim autobahntauglichen Spitzentempo von 210 km/h, das unabhängig vom Antrieb gilt. Schwester Volvo wird da schon ganz klein im Rückspiegel.

Komfort für die Autobahn, Spaß für die Berge

Anders als bei vielen anderen chinesischen Modellen kann man die Leistung im Zeekr tatsächlich genießen. Wer auf der Autobahn Kilometer frisst, schätzt die weiche Seite des Luftfahrwerks und gleitet entspannt über die linke Spur.
Wenn es dagegen etwas flotter gehen soll oder Ablenkung von den Aktenbergen im Büro gefragt ist, fährt man in die Berge, wechselt in den Sportmodus, spürt, wie der 7GT die Muskeln anspannt und die Sinne schärft, schneidet präzise durch die Kurven und freut sich am Feierabend.
Viel Auto fürs Geld: Mit Preisen auf Mittelklasse-Niveau will der 7GT Geschäftskunden und Firmenflotten überzeugen.
Bild: T. Geiger
Spätestens dann hat man auch die nervigen Einstellungen vergessen, die sich für Lenkrad oder Spiegel ausschließlich über den Touchscreen vornehmen lassen. Dumm nur, dass sich dann auch die gleichermaßen nützlichen wie lästigen Assistenten melden, mit denen die Fahrt schnell zur Peepshow wird. Also wieder auf den Bildschirm schauen, wieder ein bisschen tippen und möglichst viel deaktivieren – auch wenn die vielen Kameraperspektiven faszinieren. Gleiches gilt für den Einparkroboter, der sich über Bildschirm oder Smartphone steuern lässt.

Erst die Flotten, dann die Privatkunden

Wie sehr sich Zeekr auf die Businessklasse konzentriert, zeigt nicht zuletzt das Vertriebskonzept. Nachdem die Marke uns ohnehin länger hat warten lassen als viele andere Europäer, verkauft sie seit dem Jahreswechsel zunächst fast ausschließlich an Firmen und Flotten und spart sich klassische Händler.
Klar: In dieser Liga wird der Großteil des Geschäfts gemacht. Doch ganz auf Privatkunden verzichten wollen die Chinesen nicht. Wer schon jetzt unbedingt einen Zeekr privat kaufen möchte, wird natürlich ebenfalls berücksichtigt. Spätestens zum Jahresende sollen zudem in Hamburg, Rhein-Ruhr, Frankfurt, Stuttgart und München die ersten Showrooms eröffnen.
Dann könnte es klappen mit dem China-Kombi aus Schweden, der Firmenkunden, Familien und Privatkäufer gleichermaßen anlocken soll.

Fazit

Natürlich ist der 7GT eher Schnelllader als Lademeister und auch sonst kein echter Angstgegner für Avant & Co. Aber er sieht gut aus, bietet trotz etwas weniger Platz viel Auto fürs Geld und hängt die europäische Elite beim Laden sogar deutlich ab. Einpacken müssen Audi, BMW und Mercedes deshalb noch nicht. Aufpassen sollten sie aber schon – erst recht, wenn Zeekr bald ein eigenes Händlernetz aufbaut und sich ins echte Leben wagt.