Test VW Tiguan gegen fünf Kompakt-SUV
Klettert er an die Spitze?

Spät startet VW mit dem Tiguan bei den Kompakt-SUV. Hat er überhaupt noch eine Chance, oder ist der Gipfel schon besetzt? Vergleich mit fünf erfolgreichen Hobby-Kraxlern.
Kletterparks sind gerade groß in Mode. Immer mehr Leute haben Spaß daran, sich in ihrer Freizeit in schwindelnder Höhe tollkühn von Baum zu Baum zu hangeln. Der Alltag ist schließlich langweilig genug. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, warum die Kompakt-SUV in unseren Breiten immer populärer werden. Sie bieten ja mit ihrem Design, dem Allradantrieb und der erhöhten Sitzposition auch eine kleine Flucht aus dem Alltag. Und mit dem Tiguan spielt neuerdings auch VW mit. Die Lage ist damit ähnlich wie damals beim Touran. Auch mit dem Kompakt-Van brach VW sehr spät in ein erfolgreiches Segment ein. Und rollte danach den Markt auf. Ob das mit dem Tiguan noch mal klappt? Im ersten Vergleich muss er seine Kräfte mit dem Marktführer BMW X3 und vier weiteren erfolgreichen Diesel-Geländewagen messen. Und da geht es wirklich nicht nur um Kletterkünste. Mit einer Länge von 4,43 Metern ist der VW nach dem Toyota (4,40 Meter) der Zweitkürzeste hier – der Citroën macht sich immerhin 22 Zentimeter länger. Aber trotz seiner kompakten Größe hat der Tiguan erstaunlich viel Platz. Vorn mit Abstand am meisten von allen sechs, gefolgt von BMW und Land Rover. Und im Fond bietet nur der C-Crosser etwas mehr Bewegungsfreiheit als der VW, auf Platz drei wieder der Landy.
Ist der Tiguan ein Van, Kombi oder SUV?


Was für eine Wohltat! Willkommen im Club, VW: Euer erster Common-Rail-Diesel ist gut gelungen. Der neue Zweiliter mit 140 PS kann alles besser als der ruppige und ungestüme Pumpe-Düse-TDI. Der Neue läuft leise und geschmeidig, dreht sauber und gibt seine Kraft gleichmäßig ab. Und er ist sparsam, liegt beim Verbrauch vorn: Mit 7,2 Litern begnügt sich sonst nur noch der Nissan – die anderen folgen mit maximal 7,9 Liter (Citroën) aber nicht weit dahinter. Mit seiner harmonischen Art passt der neue Common-Rail-Diesel bestens zum Charakter des Tiguan. Der fährt sich fast so wie ein Golf: handlich und unaufgeregt. Allerdings reagiert die Lenkung nicht ganz so sensibel und eine Spur zu leichtgängig. Und das ESP wirkt übereifrig. Mit den großen 18-Zöllern des Testwagens federt der Tiguan noch ganz anständig - aber der Nissan und besonders der Land Rover sind komfortabler unterwegs. Lobenswert noch die bissigen und standfesten Bremsen. So gut bremst sonst nur noch der BMW, auch der X3 steht bei der Vollbremsung aus Tempo 100 schon nach knapp 37 Metern. Der BMW fährt mit dem neuen 177-PS-Zweiliter und mehr noch mit seinem Fahrverhalten in einer eigenen Liga: zackig und knackig. Präzise Schaltung, feine Lenkung – keiner kann so schneidig um die Kurven wetzen. Wer das mag, wird die (zu) straffe Federung gern in Kauf nehmen.
Der X-Trail steht erst nach mehr als 41 Metern

Mit einem Grundpreis von 28.800 Euro ist der Tiguan am günstigsten
Es ist wirklich kaum zu glauben, aber mit einem Grundpreis von 28.800 Euro für den Tiguan TDI Trend & Fun ist der VW tatsächlich am preiswertesten. Und keine Sorge, ordentlich ausgestattet ist er trotzdem – unter anderem mit Klimaanlage, CD-Radio und der verschiebbaren Rückbank im Fond. Für die Wertung haben wir allerdings wie immer die Testbereifung der Autos mit eingerechnet, sofern es sich nicht um die Serienbereifung handelte. Und der Tiguan kam mit optionalen 18-Zoll-Rädern und 235/50er-Reifen. Die kosten 1470 Euro Aufpreis, macht zusammen 30.270 Euro. Damit ist der VW aber immer noch das günstigste Angebot, noch vor dem Nissan X-Trail 2.0 dCi SE mit 30.840 Euro (mit Serienreifen des Formats 215/60 R 17). Nächster ist dann der Toyota RAV4 2.2 D-4D Sol für 31.200 Euro (Reifen der Seriengröße 225/65 R17). Danach folgt der Land Rover Freelander TD4 E mit 31.510 Euro, hier sind 610 Euro Aufpreis für die 17-Zöller mit 235/65er-Reifen eingerechnet. Mit etwas Abstand folgt der Citroën C-Crosser 2.2 HDi 155 Tendance für 34.440 Euro inklusive der 850 Euro extra für die 18-Zoll-LM-Räder mit Bereifung 225/55. Und einsam an der Spitze liegt der BMW X3 2.0d auf Serienreifen des Formats 235/55 R 17. Der kostet 37.900 Euro, knapp 7500 Euro mehr als der Tiguan. Nicht nur deshalb gewinnt der harmonische VW am Ende – und stürmt souverän den Gipfel.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke
Der bestens gelungene Tiguan setzt sich vom Start weg an die Spitze. Und man muss wirklich kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass er unter den SUV das werden wird, was der Golf bei den Kompakten ist. Auf Rang zwei der BMW, ausgereift und mit tollem Fahrwerk und Motor. Dritter wird der komfortable und stilsichere Land Rover mit Bestnoten im Gelände. Citroën und Nissan liegen gleichauf, beide rundum sympathisch – wenn nur nicht die miesen Bremsen des X-Trail wären. Knapp dahinter dann der Toyota.
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